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Merken   Drucken   17.11.2009, 10:15 Schriftgröße: AAA

Vor- und Nachteile: Wie Privatanleger mit Hedge-Fonds handeln

FAQ Hedge-Fonds-Konstrukte bieten Privatanlegern eine Reihe von Vorteilen. Jedoch birgt der Einsatz von Derivaten aber auch erhebliche Gefahren. FTD.de zeigt Strategien für Anleger. von Elisabeth Atzler 
Hedge-Fonds im Mantel eines Publikumsfonds bringen für Anleger viele Vorteile. Vor allem: leichteren Zugang und mehr Liquidität. Privatanleger können jetzt direkt in Hedge-Fonds-Strategien investieren. Doch frei von Risiken sind diese Ansätze nicht. Der hohe Einsatz von Derivaten und Swaps bei diesen Produkten birgt Gefahren.
Privatinvestoren bietet sich mit Hedge-Fonds-Strategien in Publikumsfonds ein neues Anlagefeld. Bisher konnten sie ihr Geld nur über Zertifikate in Hedge-Fonds oder in Hedge-Fonds ähnliche Ansätze stecken.
Seit Kurzem aber stehen ihnen Hedge-Fonds offen, die nach der Richtlinie Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) konzipiert sind (siehe Beitrag oben). Als einer der ersten Anbieter brachte JP Morgan Asset Management Ende 2006 einen US-Hedge-Fonds der Tochter Highbridge auf den Markt.
In der Strategie des Highbridge Statistical Market Neutral Fund werden derzeit rund 7,5 Mrd. Euro gemanagt, der Großteil davon in Publikumsfonds in den USA und Europa. Auch der Branchenführer Man Group aus London startete einen Publikumsfonds und plant weitere Produkte.
Ein großes Plus der OGAW-Produkte gegenüber normalen Hedge-Fonds ist ihre Transparenz. Sie müssen wie andere Publikumsfonds Prospekte und weitere Anlegerinformationen bereitstellen. Dementsprechend sind Profil und Rendite der Fonds gut ersichtlich. "Der große Vorteil ist, dass ein OGAW-Fonds durch die höhere Transparenz und die höheren Anforderungen an das Risikomanagement eine viel größere Kundengruppe anspricht", macht Kai Wallbaum, Leiter Produktentwicklung Strukturierte Produkte bei Allianz Global Investors, deutlich. Die Gesellschaft hat jüngst einen bestehenden Hedge-Fonds den OGAW-Richtlinien angepasst.
Da die OGAW keine konzentrieren Portfolios oder direkte Kreditaufnahme zulässt, ist der neue Hedge-Fonds-Typ relativ liquide. Die regulierten Hedge-Fonds müssen mindestens einmal im Monat Anteile zurücknehmen. In der Branche ist es sonst oftmals üblich, dass Anleger nur viermal - mitunter sogar nur einmal - im Jahr ihr Geld abziehen können. Zudem muss die Absicht, Geld abzuziehen, teils lange im Voraus angekündigt werden. In der Kreditkrise verärgerte das viele Investoren. Die OGAW-Regeln sorgen auch dafür, dass auf zu riskante Hedge-Fonds-Strategien nicht zum Einsatz kommen. So ist die Kreditaufnahme, die über Derivate erfolgt, klar begrenzt.
Hiesige Publikumsfonds sind vor Insolvenz geschützt: Die Mittel im Fonds gehören den Anlegern. Steht eine Gesellschaft vor der Pleite, kann sie sich nicht aus den Fondsmitteln bedienen. Bei klassischen Hedge-Fonds hingegen kann es passieren, dass Anleger im Notfall nicht so einfach an ihr Geld kommen. Ein Grund dafür ist, dass der typische Hedge-Fonds in wenig regulierten Steueroasen in der Karibik aufgelegt wird.
Beobachter weisen auch bei OGAW-Hedge-Fonds auf Kritikpunkte hin. "Die Hedge-Fonds im OGAW-Mantel werden meist teurer sein als zuvor", sagt Dieter Kaiser, Hedge-Fonds-Experte beim Investmentberater Feri. Der Grund: Verpackung selbst, mehr Transparenz und höhere Liquididät kosten Geld. Höhere Kosten mindern letztlich die Renditen betroffener Fonds. Zudem, so einige Experten, sind die Hedge-Fonds im OGAW-Mantel vergleichsweise weniger aggressiv und haben geringere Chancen auf starke Erträge. "Die Renditen der OGAW-Hedge-Fonds werden niedriger sein. Denn Liquidität hat seinen Preis", sagt Fabrice Cuchet, Global Head of Alternative Investment bei Dexia Asset Management. "Deshalb und aufgrund der Einschränkungen für bestimmte Investmentstrategien glaube ich nicht, dass die OGAW-Fonds die übrigen Hedge-Fonds ersetzen."
OGAW-Hedge-Fonds dürfen zwar weder direkt Kredit aufnehmen noch durch Verkauf geliehener Aktien auf Kursverluste wetten. Doch Risiken bergen die Strategien dennoch, weil sie teils kräftig Derivate sowie Swaps - den Tausch von Zahlungsverpflichtungen - einsetzen. "Es besteht die Gefahr, dass die neuen Hedge-Fonds-Strategien in OGAW-Form nicht das Sicherheitsniveau erreichen, das man eigentlich von bisherigen OGAW-Fonds her gewohnt ist", sagt Kaiser. "Man muss sich die Fondsstruktur genau anschauen. Das ist oft nicht so leicht durchschaubar, gerade wenn Swap-Konstruktionen eingebaut sind."
Uwe Rieken, Geschäftsführer von Faros Consulting, sieht das ähnlich: "Uns als Berater sind OGAW-Fonds lieber als jede andere Form der Verpackung. Das ändert aber nichts daran, dass man Fonds und Investmentrisiken genau prüfen muss." Zudem, so Feri-Experte Kaiser, bleibe abzuwarten, ob die OGAW-Hedge-Fonds tatsächlich mindestens ein- oder zweimal pro Monat Anteile zurücknehmen. "Das wird sich aber erst in einer Phase zeigen, in der auch wirklich viel Geld abfließt", sagt er.
  • Aus der FTD vom 17.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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