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Merken   Drucken   12.11.2012, 09:17 Schriftgröße: AAA

Währungen: Kleine Fluchthilfe aus dem Euro

Wer dem Euro nicht mehr traut, weicht gern auf Singapur-Dollar, Schweizer Franken oder norwegische Krone aus. Nur wie lässt sich das Geld am besten aus der Euro-Zone bringen? Eine Kurzanleitung.
von Nico Popp

Seit vier Jahren ist der Ende September stattfindende Formel-1-Grand-Prix in Singapur ein Highlight für Rennsportfans: ein Nachtrennen vor beeindruckender Hochhaus- und Hafenkulisse, eine schnelle Stadtstrecke, viele Überhol­manöver. Oft fällt hier die Vorentscheidung, wer Weltmeister wird.

Beliebter Finanzfluchtort: die Skyline des Central Business ...   Beliebter Finanzfluchtort: die Skyline des Central Business Districts von Singapur

Wer den Reiz vor Ort genießen und mit einem Urlaub an den benachbarten tropischen Stränden verbinden will, hat jedoch ein Problem - und das heißt Euro. 0,48 Euro kostete ein Singapur-Dollar beim Debütrennen 2008, 2010 waren es schon 0,56 Euro, und inzwischen sind es 0,64 Euro. Schlecht für Touristen, deren Urlaub sich um ein Drittel verteuert hat, gut für Investoren, die ihr Geld in der Währung des südostasiatischen Stadtstaats angelegt und kräftige Währungs­gewinne eingestrichen haben.

Von diesen Investoren gibt es immer mehr, schließlich geht bereits seit etwa drei Jahren in der Euro-Zone die Angst vor einer Eskalation der Schuldenkrise oder gar dem Ende der Gemeinschaftswährung um.

Fluchtziele abseits der Dollar-Heimat

Wer sich vor einer Entwertung des Vermögens fürchtet, zieht immer öfter in Betracht, sein Geld in anderen Währungen anzulegen. Der Dollar, in Krisenzeiten sonst ein überaus beliebtes Fluchtziel, kommt für viele europäische Anleger diesmal jedoch nicht infrage. Zu wackelig erscheint ihnen die konjunkturelle Lage in Amerika.

Bevorzugt werden zurzeit Schweizer Franken, norwegische Krone, australischer Dollar - und eben der Singapur-Dollar. Der Rohstoffreichtum der Staaten, ihre solide Haushaltspolitik oder beides zusammen haben diese Währungen gegenüber dem Euro in den vergangenen drei Jahren um wenigstens ein Fünftel aufwerten lassen.

Bei der Direktbank Cortal Consors parken Anleger derzeit so viel Kapital auf Fremdwährungskonten wie nie zuvor. Bei der Münchner DAB Bank und der Comdirect Bank werden immer mehr Konten in norwegischen Kronen oder australischen Dollar eröffnet. Zugleich setzen Privatanleger verstärkt auf Fremdwährungsanleihen: An der Börse Stuttgart etwa hat sich das Handelsvolumen bei norwegischen Bonds seit Februar dieses Jahres verzehnfacht.

Welche Möglichkeit passt?

Welche Währung sich für welchen Investor eignet, hängt vom individuellen Anlageziel ab. "Norwegische oder schwedische Kronen versprechen vor ­allem Kapitalerhalt, australische oder kanadische Dollar darüber hinaus eine Rendite", sagt Andreas Hahner, Port­folio­mana­ger für Renten und Währungen beim Fondsanbieter Allianz Global Investors.

Capital beleuchtet die vier wichtigsten Möglichkeiten, wie sich Ver­mögen über verschiedene Währungen diver­sifizieren lässt: Investmentfonds, aus­ländische Anleihen, Direktanlage im Ausland und Fremdwährungskonten.

Über Investmentprodukte lassen sich Risiken am besten streuen. Wenn bloß nicht die Gebühren wären.


Schwergewicht Euro   Schwergewicht Euro

So funktioniert es

Anleger kaufen über den Berater ihrer Hausbank oder Onlinebroker einen Rentenfonds, der sich auf die Geldanlage in alternativen Währungsräumen spezialisiert hat. Der Fondsmanager entscheidet, in welche Papiere er investiert. Er streut das Kapital über viele Länder und kauft Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und Zinssätzen. Einige Produkte sind auf Anlagen außerhalb des Euro-Raums spezialisiert, etwa der UBS Currency ­Diversifier (ISIN: LU0706127809) oder der Rentenfonds HB Strategie (ISIN: LU0678488023). Mit dem DB X-Trackers Currency Valuation (ISIN: LU0328473748) können kostensensible Anleger einen Indexfonds erwerben, der für 0,3 Prozent Gebühr pro Jahr in die weltweit laut Kaufkraftparitäten günstigsten Währungen investiert.

Chancen

Weil das Kapital über mehrere Länder und Währungsräume gestreut wird, sinkt das Risiko für den Anleger. Zudem vermeidet er Fehlgriffe beim Kauf einzelner Papiere. Von allen Devisenanlagen eignen sich Fonds am besten für eine Langfristinvestition - vorausgesetzt, die Qualität des Managements stimmt.

Risiken

Die Verzinsung ausländischer Anleihen wird zurzeit oft von den Gebühren von bis zu zwei Prozent pro Jahr für die Fonds aufgefressen. "Bei Fonds, die Anleihen in ausländischen Währungen kaufen, kommt es auf eine breite Diversifikation und niedrige Gebühren an", sagt Kai Wiecking, Research-Chef des Fonds­research-Hauses FWW. In wie viele Länder und Währungen ein Fonds investiert, können Anleger im monatlichen Factsheet nachlesen, das auf der Internetseite der Fondsgesellschaften zu finden ist oder beim Bankberater angefordert werden kann. Doch Vorsicht: "Ein Korb aus Währungen aufstrebender Volkswirtschaften birgt immer ein Klumpenrisiko, da das Wachstum in diesen Ländern von ähnlichen Faktoren getrieben ist", sagt Commerzbank-Analyst Michael Ott.

Rechtliche Besonderheiten

Auf der sicheren Seite sind Anleger mit Fonds, die in Deutschland aufgelegt wurden. Hier sorgt die depotführende Bank dafür, dass die Kapitalertragsteuer abgeführt wird. Anders ist dies bei ausländischen Produkten, die Erträge automatisch wieder anlegen: "In diesem Fall muss der wieder angelegte Ertrag vom Anleger selbst gegenüber dem Finanzamt angegeben werden", erklärt Steuerfachmann Asmus Mihm von Allen & Overy. Bei der Zusammenstellung der nötigen Informationen hilft der Bank­berater beziehungsweise die Fondsgesellschaft selbst.

Die Auswahl an Bonds war noch nie so groß wie heute. Vor allem Schwellenländer bieten interessante Konditionen.


Ausweg Australien   Ausweg Australien

So funktioniert es

Investoren suchen sich auf Basis von Empfehlungen ihres Beraters, von Anlegerzeitschriften oder über Plattformen wie die der Stuttgarter Börse (www.bond-x.de) Anleihen aus, die in ­einer Fremdwährung denominiert sind. Ausge­geben werden sie von den Staaten, in denen die jeweilige Währung als Zahlungsmittel dient, und von Unternehmen in diesen Staaten. Franken- oder Kronen-Anleihen werden darüber ­hi­naus von Staaten und Unternehmen aus ­anderen Währungsgebieten aufgelegt. So ist es durchaus möglich, in fremden Währungen ­denominierte Anleihen von deutschen Schuldnern wie etwa BMW  oder Siemens  zu erwerben. ­Üblicherweise sind die Papiere mit einer fixen Laufzeit, ­einem festgelegten Rückzahlungs­betrag und einem jährlichen Zinskupon ausgestattet. Aus diesen Parametern errechnet sich die jährliche Rendite, falls die Anleihe plan­mäßig getilgt wird. Die Rendite berücksichtigt - anders als der nominale Zins - auch den durch ­Angebot und Nachfrage beeinflussten Kurs, der während der Laufzeit über oder unter dem Rückzahlungswert liegen kann. Derzeit notieren ältere Anleihen wegen der Niedrigzinsen meist weit über ihrem Rückzahlungswert, weil ihre hohen Zinskupons begehrt sind.

Chancen

Neben der Verzinsung bieten Fremdwährungsanleihen die Chance auf Währungsgewinne. Außer den Orderkosten fallen keine Gebühren an. Immer mehr Kapital fließt in Anleihen guter Schuldner. Das können neben prosperierenden Staaten auch erfolgreiche Unternehmen sein, die Papiere in Währungen wie dem australischen Dollar, dem brasilianischen Real oder dem chinesischen Renminbi begeben haben. Ein Trend hat sich seit knapp fünf Jahren um­gekehrt: "Währungen aus Emerging Markets gelten inzwischen als gereift", sagt Commerzbank-Analyst Michael Ott. "Während Indus­triestaaten von Ratingagenturen abgestuft werden, verbessern sich die Bonitätseinstufungen von Schwellenländern." Die Haushaltslage vieler aufstrebender Staaten sei deutlich besser als die der Industrieveteranen USA, Japan oder Deutschland. Die Attraktivität von Nischen­währungen steigt: "Alle großen Wirtschafts­räume wollen ihre Währungen abwerten", sagt ­Andreas Hahner von Allianz Global Investors. "Im Umkehrschluss bleibt dann nur die Aufwertung der verbleibenden Währungen."

Risiken

Wie entwickelt sich ein Wechselkurs? Die Antwort auf diese Frage ist ausgesprochen schwierig, weil Währungen über viele Jahre hinweg latent überbewertet oder viel zu billig sein können, ohne dass die Kapitalmarktströme das Ungleichgewicht korrigieren. Eine Garantie für weitere Aufwertungen von Schweizer Franken, norwegischer Krone und anderer starker Währungen gibt es nicht. Verlassen mehrere Länder die Europäische Währungs­union, könnte der Euro womöglich sogar kräftig aufwerten: Ohne die Gefahr, für die klammen Peripheriestaaten haften zu ­müssen, wäre die Währung bei ausländischen Investoren weitaus begehrter als bislang.

Rechtliche Besonderheiten

Anleihen, die in deutschen Depots verwahrt werden, unterliegen automatisch der pauschalen Kapitalertragsteuer, unabhängig von der Währung oder dem Sitz des Emittenten. Die Steuer wird von der Hausbank automatisch ans Finanzamt abgeführt. Anders bei einem Depot im Ausland. Dessen Inhaber muss Zinsen und Gewinne nachträglich in Deutschland bei der Steuererklärung angeben.

Bankkunde in Oslo oder Zürich werden? Kein Problem, sofern Anleger den Fiskus nicht austricksen wollen.


Fluchtland Schweiz   Fluchtland Schweiz

So funktioniert es

Jeder Bundesbürger hat das Recht, weltweit Konten zu eröffnen. Während Schweizer Konten teilweise mittels Legitimationsverfahren er­öffnet werden können, ohne dass die Inhaber ins Nachbarland reisen müssen, setzen andere Banken höhere Hürden. Die schwedische SEB verlangt neben Arbeitsnachweisen und einer Empfehlung der Hausbank die Mindesteinlage von umgerechnet 12?000 Euro. Bei der norwe­gischen DnB Nor gelten deutsche Kunden als beliebte Zielgruppe - wählerisch ist man trotzdem: "Wir brauchen weitreichende Informationen der potenziellen Kunden und akzeptieren kein Schwarzgeld. Zudem müssen Interessenten Englisch sprechen", heißt es bei DnB.

Chancen

Auf ausländischen Konten locken höhere ­Zinsen als auf Fremdwährungskonten in Deutschland - und idealerweise Währungs­gewinne beim Rücktausch.

Risiken

Die Gebührenstruktur ausländischer Institute kann sich von der deutscher Banken unter­scheiden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen weichen zumindest außerhalb der EU teils deutlich von hiesigen Standards ab. Schlimmstenfalls droht eine Doppelbesteuerung - die ist nicht einmal innerhalb der EU grundsätzlich ausgeschlossen, etwa wenn ein Konto vererbt wird.

Rechtliche Besonderheiten

Anleger sind in der Pflicht, dem Fiskus mögliche Zinserträge und Währungsgewinne mitzuteilen. Vergessen gilt nicht: In der Steuererklärung muss inzwischen jeder ankreuzen, ob er "­Beziehungen zu Finanzinstituten im Ausland" ­unterhält. Die Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Kontenprüfung sind gerade ­innerhalb der EU weitreichend. Wer sein Geld ­außerhalb der EU anlegt, läuft Gefahr, im Streitfall oder bei einer Bankenpleite Ansprüche schwer durchsetzen zu können.

Wer sein Geld hier parkt, muss auf Zinsen meist verzichten. Nur wenn der Euro abwertet, stellen sich Gewinne ein.


Vorteil Aufwertung   Vorteil Aufwertung

So funktioniert es

Direktbanken und Onlinebroker wie Comdirect Bank , Cortal Consors, DAB Bank , aber auch Filialbanken wie Unicredit , Commerzbank  oder Deutsche Bank  bieten sogenannte Fremdwährungskonten an. Diese sind dem in Euro notierten Tagesgeld­konto sehr ähnlich: Man eröffnet das Konto und zahlt einen Euro-Betrag ein, der in die jeweilige Währung umgerechnet wird. Das ist bequem und meist gebührenfrei. Allerdings zahlen die Banken nur geringe Zinsen, die meist deutlich unter dem im jeweiligen Währungsgebiet üblichen Zinsniveau liegen. Bei Comdirect etwa werden sechs der elf angebotenen Währungskonten - darunter die in Schweizer Franken, Dollar, Yen und Pfund - zurzeit überhaupt nicht verzinst, bei Cortal Consors keines von derzeit drei.

Chancen

Fremdwährungskonten sind eine reine Wette auf Währungsgewinne, Zinsen fallen bei der Renditeerwartung kaum ins Gewicht. Kurz laufende Staatsanleihen sind für Investoren meist die bessere Wahl.

Risiken

Abgesehen vom Wechselkursrisiko sind Fremdwährungskonten relativ sicher. Bei deutschen Banken greifen die Sicherungsmechanismen des Bundesverbands deutscher Banken sowie der Volksbanken und Sparkassen.

Steuerliche/rechtliche Besonderheiten

Fremdwährungskonten sind eine steuerliche Grauzone, eindeutige Regeln des Fiskus fehlen. "Beim An- und Verkauf von ausländischem ­Bargeld sollte ein Währungsgewinn steuerfrei sein, wenn die Fremdwährung mehr als ein Jahr gehalten wird", sagt der Frankfurter ­Steueranwalt Asmus Mihm. "Ob dies nach ­Ein­führung der Abgeltungsteuer auch für ­Währungsgewinne aus Fremdwährungs­konten gilt, ist jedoch nicht sicher." Ein verbind­liches Urteil dazu steht noch aus.

Gefunden bei: capital.de

  • capital.de, 12.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 15.11.2012 13:50:51 Uhr   argus germanicus: Linksdemokrat(t)en...

    ...hassen es natürlich, wenn ihnen Klardenker wie @Scharfrichter einen Spiegel vors Gutmenschengesicht halten! Dann werden sie patzig und wollen am liebsten nur noch unter Ihresgleichen sein, obwohl ihnen ja bewußt sein müsste, das genau DAS nicht funktionieren kann! Wer bitte schafft dann noch Werte, die Linksdemokratten verschenken können ???

  • 12.11.2012 14:08:30 Uhr   Ralf Müller: Konto in Norwegen
  • 12.11.2012 11:50:20 Uhr   brausticker: Singapur
  • 12.11.2012 11:04:00 Uhr   pat: Nachtrag Zollbestimmungen
  • 12.11.2012 10:55:10 Uhr   pat: Zollbestimmungen
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