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Merken   Drucken   07.04.2011, 07:00 Schriftgröße: AAA

Führungskräfte: Politisch agierende Manager sind gefährlich

Führungskräfte in Unternehmen verplempern ihre kostbare Zeit oft mit Ränkespielen und dem Aufschieben von Entscheidungen. Das schadet der gesamten Wirtschaft - und ist vermeidbar. von Tim Linde
Tim Linde ist Geschäftsführer der Industriemedienagentur Vis a Vista.
Der Druck wächst: auf den Standort Deutschland, auf unsere Unternehmen und auf diejenigen, die hier arbeiten. Dabei ist viel von diesem Druck unnötig und vermeidbar. Denn Manager orientieren ihr Verhalten oft mehr am eigenen Fortkommen als am Fortkommen ihres Arbeitgebers - mit schlimmen Konsequenzen.
Führungskräfte hören ihrem CEO zu (Symbolbild)   Führungskräfte hören ihrem CEO zu (Symbolbild)
Ein Beispiel: Ein großes Dienstleistungsunternehmen im Bereich Verpflegung beabsichtigte vor rund einem Jahr, Filme einzusetzen, um die Personalentwicklung zu verbessern. Die Firma ließ ein entsprechendes Konzept entwickeln und ein Angebot vorlegen. Dann jedoch begann der interne politische Tanz im Management. Die Zuständigkeit für das Thema wanderte monatelang durch das gesamte Unternehmen: Einkauf, Personalabteilung, Vertrieb, Marketing, Leitung des operativen Geschäfts und zurück zur Personalabteilung. Schließlich, nach Abgabe eines erneuten Angebots, dann der Anruf: Man habe sich gegen das besprochene Vorgehen entschieden, da keine Abteilung die Investition von rund 10.000 Euro tragen wolle. Der innovative Ansatz war somit gestorben.
Dieses Beispiel ist nicht ungewöhnlich. Denn für Manager ist es inzwischen wichtig geworden, vor allem "politisch klug" zu handeln: Unverbindlichkeit wahren, Entscheidungen in Gremien verlagern, Bündnisse schmieden, Mehrheiten schaffen und zur Begründung einer Entscheidung Berater hinzuziehen. Manager agieren zunehmend wie Politiker - mit allen Schattenseiten.
Wie in Parlamenten herrscht auch in vielen Unternehmen eine Form von Fraktionszwang. Wer hier bestehen will, kann sich nur noch selten leisten, aus Überzeugung zu handeln und verbindliche Aussagen zu treffen. Dieser Nährboden für Kurzsichtigkeit und Aktionismus ist auch das Schlachtfeld mikropolitischer Kämpfe: Abteilung gegen Abteilung, letztlich Mann gegen Mann. Zu kurz kommt dabei der Gedanke, arbeitsteilig am Wohl des Gesamtunternehmens zu arbeiten.
Verhindern wird eher belohnt
Die Richtlinienkompetenz scheinen seit Jahren vor allem große Unternehmensberatungen zu haben. Nicht zuletzt deren Arbeit brachte die gedankliche Saat aus für ein eindimensionales und wenig unternehmerisches Verständnis von wirtschaftlichem Handeln. Ausgaben reduzieren wurde zur "Maxime" der Betriebswirtschaft. Alle sparen um die Wette, gestalten darf niemand ohne Genehmigung. Und auch wer eine solche Freigabe erteilt, muss sich zunächst einmal dafür rechtfertigen, warum Geld ausgegeben werden soll. Wer also etwas im Sinne des Unternehmens bewegen will, muss dafür persönliche Widerstände überwinden.
Auch Personalveränderungen führen mithin dazu, dass Entscheidungen auf die lange Bank geschoben werden, bis die Machtverhältnisse ausgelotet wurden. So lange passiert erst einmal nichts. Aus Angst: Denn nur wer nicht handelt, kann keine Fehler machen, so die Annahme. Die daraus resultierende Lähmung schadet allen, in vielerlei Hinsicht.

Teil 2: Asozial und skrupellos

  • FTD.de, 07.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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