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Merken   Drucken   13.02.2011, 13:00 Schriftgröße: AAA

Neue Zielgruppen: Konsumenten wollen es öko

Nachhaltigkeit ist in. Immer mehr Hersteller und Kunden setzen deshalb auf umwelt- und sozialverträglich hergestellte Produkte. Doch bei der Zertifizierung hapert es noch. von Simone Fasse
Sind Sie ein Scuppie? Oder gehören Sie eher zu den Lohas? Trendforscher sprechen von Socially Conscious Upwardly-mobile People oder Lifestyle of Health and Sustainability und meinen damit Menschen, die zwar gerne gut leben, aber mit ihren Konsumgewohnheiten möglichst wenig Schaden in der Welt anrichten möchten. Nicht erst seit dem jüngsten Dioxin-Skandal erhält das Thema Nachhaltigkeit eine wachsende Bedeutung – sowohl bei den Kunden, als auch bei den Herstellern von Konsumgütern.
Wer sich jedoch auf der diesjährigen Messe Ambiente, bei der sich alles um Wohnen, Genuss und Schenken dreht, für nachhaltig produzierte Waren interessiert, muss gezielt suchen. Denn es gibt keinen eigenen Bereich für umwelt- und sozialverträglich hergestellte Produkte.
Recycling Müllsammler polieren Brasiliens Öko-Image auf
Stephanie Rumpff, Beraterin bei PricewaterhouseCoopers in Düsseldorf, nennt einen Grund dafür: "Nachhaltigkeit schafft neue Zielgruppen. Doch diese Zielgruppen werden immer heterogener." Die Nachhaltigkeitscommunity lasse sich nicht mehr über einen Kamm scheren, sagt Rumpff. Es gebe eine deutliche Individualisierung. Während sich die einen mehr auf unbelastete Lebensmittel konzentrieren, können und wollen es sich die anderen leisten, auch bei Kleidung, Geschenkartikeln und Möbeln möglichst unbelastete Waren zu kaufen.
Claudia Herke vom Stilbüro Bora-Herke recherchiert im Auftrag der Messe Frankfurt jedes Jahr die aktuellen Entwicklungen. Für 2011 haben die Marktforscher die Kernthemen Authentizität, Qualität und Nachhaltigkeit ausgemacht, die sie in der Trendschau vorstellen.
"Schnelllebigkeit hinter sich lassen"
"Die Konsumenten sind von einem tiefen Bedürfnis geprägt, die Schnelllebigkeit hinter sich zu lassen", sagt Herke. "In unserer Gesellschaft ist ein Wertewandel zu beobachten. Die Konsumenten sind übersättigt und entwickeln den starken Wunsch, sich zu konzentrieren, Lieblingsstücke zu finden und dadurch einen eigenen, individuellen Stil zu entwickeln."
Eine aktuelle Forsa-Umfrage ergab, dass 90 Prozent der Deutschen bereit sind, für Qualität und hochwertige Produkte wieder mehr Geld auszugeben. 70 Prozent der Befragten würden für besonders ressourcenschonend hergestellte Ware mehr bezahlen.
Diesen Trend hat Bernd Schuster, Geschäftsführer der Münsteraner Firma Bauholz Design Art schon vor Jahren ausgemacht. Er stellt handgefertigte Möbel aus gebrauchten Gerüstbohlen her und stattet damit Wohnhäuser, Büros, Shops und Kaffeebars aus. Die Bohlen werden von Hand geschliffen und gebürstet, sind ansonsten aber vollkommen unbehandelt. Die Möbel sind unempfindlich, da die Bohlen jahrelang Wind und Wetter ausgesetzt waren. "Der Kunde entscheidet sich heute bewusst für nachhaltige und individuelle Produkte made in Germany", sagt Schuster, der davon überzeugt ist, dass sich "zeitloses, innovatives Design und Nachhaltigkeit nicht ausschließen".

Teil 2: "Das Design muss stimmen"

  • FTD.de, 13.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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