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Merken   Drucken   20.11.2011, 09:34 Schriftgröße: AAA

Subventioniertes Statussymbol: Streit im Dienstwagenwunderland

Der Staat unterstützt Dienstwagenfahrer mit Steuervergünstigungen - beim Kauf und beim Unterhalt. Finanzforscher der Universität Köln schlagen vor, das zu ändern. Die Branche ist wenig begeistert. von André Schmidt-Carré
Ein schickes neues Auto für die Fahrten zur Arbeit und die ganze Familie: Der Dienstwagen gehört zu den liebsten Statussymbolen der Deutschen. Und der Staat hilft mit günstigen Steuerregelungen bei der Finanzierung kräftig mit. Das soll sich dringend ändern, empfehlen Gutachter des Finanzwissenschaftlichen Forschungsinstituts der Universität zu Köln im Auftrag des Bundesumweltministeriums.
Sie kritisieren die herrschende Dienstwagenregelung in Deutschland. Die bestimmt, dass Manager und Angestellte den privaten Nutzen ihres Dienstwagens pauschal mit einem Prozent des Anschaffungslistenpreises versteuern müssen, der auf das monatliche Gehalt aufgeschlagen wird. Macht bei einem Preis von 40.000 Euro pro Monat 400 Euro, bei einem angenommenen Steuersatz von 40 Prozent zahlt der Mitarbeiter 160 Euro monatlich.
Der Kauf und Unterhalt von Firmenwagen genießt steuerliche Vorteile   Der Kauf und Unterhalt von Firmenwagen genießt steuerliche Vorteile
"Die Pauschale ist ziemlich niedrig angesetzt", sagt der Kölner Finanzforscher Michael Thöne. "Sie wirkt damit faktisch als steuerliche Subvention." Und zwar nicht nur beim Kauf, sondern auch beim Unterhalt: Denn die laufenden Kosten des Dienstwagens, wie etwa fürs Benzin, kann der Arbeitgeber als Betriebsausgaben geltend machen - unabhängig davon, wie oft der Wagen tatsächlich geschäftlich genutzt wird.
"Damit animiert der Staat Dienstwagenfahrer, möglichst viel privat mit dem Auto zu fahren." Dabei habe sich die Bundesregierung die Stärkung des Schienenverkehrs auf die Fahnen geschrieben, sagt Thöne. "Aber warum sollte jemand mit der Bahn fahren, wenn er kostenlos das eigene Auto nutzen kann?"
Zum einen entgehen dem Staat auf diese Weise Steuereinnahmen - das Gutachten geht von einem Minus von jährlich 2,9 bis 4,6 Mrd. Euro aus. "Und das ist eher konservativ kalkuliert", sagt Thöne. Verglichen mit dem europäischen Ausland gönnt sich Deutschland eine Sonderrolle, nirgendwo sonst sponsert der Staat die Dienstwagenfahrer so stark. Zudem haben einige Länder wie Großbritannien bereits eine stärkere umweltschutzbezogene Besteuerung eingeführt, in der vor allem der CO2-Ausstoß eine große Rolle spielt.

Teil 2: CO2-Ausstoß soll bei der Besteuerung berücksichtigt werden

  • FTD.de, 20.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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