Wechsel in die Wirtschaft:AWD bewahrt Rürup vor der Rente
Der zweitgrößte deutsche Finanzvertrieb AWD stellt nach FTD-Informationen den Wirtschaftsweisen Bert Rürup, 65, als Chefökonom und Sonderberater für die private und betriebliche Altersversorgung ein. von Herbert Fromme (Köln) und Martin Scheele (Hamburg)
Rürup und AWD-Chef Carsten Maschmeyer wollen die Personalie am Donnerstag auf zwei Pressekonferenzen in Frankfurt und Hannover bekannt geben. Mit Rürup hat AWD einen prominenten Polit-Ökonomen angeworben. Der Wirtschaftsweise ist als Begründer der nach ihm benannten staatlich geförderten Rürup-Rente bekannt geworden. AWD ist unter anderem auf die Vermittlung von Altersvorsorgeprodukten spezialisiert. Gründer Maschmeyer hatte 2008 sukzessive seine Anteile von rund 35 Prozent an den Schweizer Lebensversicherer Swiss Life verkauft, der jetzt mehr als 96 Prozent hält.
Rürup wird schon am 1. Dezember bei AWD antreten. Er legt zu Ende Februar sein Mandat als Vorsitzender des Sachverständigenrats nieder. An die Spitze des Gremiums war er erst im Januar für drei weitere Jahre wiedergewählt worden. 2009 wird er auch als Universitätsprofessor für Volkswirtschaft emeritiert. Der Vertrag mit AWD soll über mindestens drei Jahre laufen, möglichst länger. Von Rürup erwartet AWD eine ganz konkrete Belebung des Geschäfts. "Maschmeyer kauft sich keinen für die Galerie, er erwartet schon, dass Rürup seinen Beitrag leistet. Rürup will auch aktiv bleiben", heißt es in Branchenkreisen.
Den Kontakt zum SPD-Mitglied Rürup soll AWD-Kommunikationschef Béla Anda hergestellt haben. Anda, einst Regierungssprecher des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD), hatte 2006 beim Hannoveraner Unternehmen angeheuert. Von AWD-Chef Maschmeyer ist bekannt, dass er über gute Drähte zu Schröder und zu Teilen der SPD verfügt. Zudem pflegt er Kontakte zu Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU).
Die Beziehung zwischen Rürup und AWD ist schon seit Längerem eng. Der Rentenexperte trat häufiger als Referent bei AWD auf. Rürup hat auch schon Regierungen beraten, unter anderem die chinesische und kasachische.
Auch der größte deutsche Finanzvertrieb, die DVAG, verstärkt sein Team gern mit Größen der Politik, allerdings aus der CDU. Für DVAG-Patriarch Reinfried Pohl arbeiten etwa Altkanzler Helmut Kohl, Ex-Kanzleramtsminister Friedrich Bohl sowie Hessens Ex-Wissenschaftsminister Udo Corts.
Der Sachverständigenrat ist mit seiner Arbeit immer wieder in die Kritik geraten. Vor Kurzem hatte SPD-Fraktionschef Peter Struck dem Gremium Inkompetenz vorgeworfen und seine Auflösung gefordert. "Ich glaube denen kein Wort. Wenn man frühere Prognosen mit der eingetretenen Realität vergleicht, merkt man recht schnell, dass diese sogenannten Weisen vor allem viel heiße Luft produzieren", hatte Struck gesagt.
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