Drei Wochen nach dem ersten Bericht gab Ergo eine Pressemitteilung heraus, in der die Ereignisse von Budapest verurteilt wurden. Gleichzeitig legte das Unternehmen neue Benimmregeln und Vorgaben vor, die solche Vorkommnisse künftig verhindern sollen. So wurde eine Hotline zum Melden von Missständen eingerichtet, ein externes Gremium soll die Abläufe überwachen und regelmäßig die Compliance-Arbeit prüfen. Zusätzlich wurde der 2008 eingeführte Verhaltenskodex verstärkt, der es allen Ergo-Beschäftigten auferlegt, sich ethisch und sozial verantwortlich zu benehmen. Und schließlich steckte Ergo noch den Rahmen für eine Neuregelung der Incentive-Pläne ab.
Anschließend schaltete Ergo ganzseitige Anzeigen, in denen es hieß: "Wenn Menschen Fehler machen, entschuldigen sie sich. Wenn Unternehmen Fehler machen, unternehmen sie etwas dagegen. Darum tun wir beides." Ergo versprach, den Kunden entstandenen Schaden zu ersetzen und zusätzliche Leistungen zu erbringen.
Wichtigste Lektionen
Der Ruf eines Unternehmens hängt nicht allein von der Kundenerfahrung ab. Öffentliche Ereignisse können sich beträchtlich auf die Wahrnehmung der Kunden und der Interessengruppen auswirken. Der Budapest-Skandal weckte nicht nur moralische Empörung, sondern löste auch anhaltendes öffentliches Interesse an weiteren Vorwürfen zu vermeintlichem Fehlverhalten aus. Ergos Führung schien von dieser Firmenkrise völlig unbereitet erwischt worden zu sein und ging schlecht damit um. Es dauerte Wochen, bevor die notwendigen Schritte zur Beilegung der Krise ergriffen wurden. In Krisenzeiten müssen sich Unternehmen darauf konzentrieren, das Vertrauen ihrer Kunden und aller Betroffenen nicht zu verlieren. Hierbei kommt es auf Transparenz, Mitgefühl und Engagement an. Darüber hinaus muss, um glaubwürdig zu wirken, sofort gehandelt werden. Die Geschäftsführung reagierte zunächst mit Geringschätzung, anschließend defensiv. Erst nach Wochen entschuldigte sie sich und versprach, das Problem zu lösen.