Eine Personalberatung ist bereits mit der Nachfolgersuche für Merz-Chef Martin Zügel betraut
Der Neue hat die Aufgabe, die 2010 angekündigte Mittelfriststrategie bei Deutschlands sechstgrößtem Pharmakonzern umzusetzen. Bekannt ist Merz zwar wegen seiner Spezial Dragees für schönere Haare und Fingernägel. Weitaus wichtigstes Produkt ist jedoch die Alzheimerpille Axura, die fast die Hälfte zum Umsatz beiträgt - aber in den nächsten Jahren ihre Patente verliert. Das Geschäft soll künftig gleichmäßiger auf die drei Konzernbereiche verteilt werden: forschungsintensive Originalpräparate, rezeptfreie Arzneien und Schönheitsprodukte. Zudem soll Merz internationaler werden.
Mit dem anstehenden Wechsel setzt sich der Umbruch im Management fort, das durch das Kräftedreieck Geschäftsführung, Aufsichts- und Gesellschafterrat geprägt ist. Jochen Hückmann, 69, Enkel des Firmengründers, fährt seinen Einfluss seit 2006 sukzessive zurück. Damals wechselte er aus der Geschäftsführung in den Gesellschafterrat, das zentrale Gremium der Eignerfamilie. An die operative Spitze trat Ex-Merck-Chef Bernhard Scheuble - allerdings nur für gut ein halbes Jahr. Scheuble monierte dem Vernehmen nach, die Familie mische sich zu sehr ein. Hückmann wiederum habe Scheuble für zu selbstverliebt gehalten. Hückmann führte die Gesellschaft dann vorübergehend noch einmal, setzte 2008 Zügel an die Spitze und wechselte andere Führungskräfte aus.
Zugleich holte er sich eine Reihe hochkarätiger Manager in den Aufsichtsrat - an dessen Spitze steht nun der international erfahrene Andreas Krebs, früher Vorstand beim US-Riesen Wyeth. Er sitzt auch im Gesellschafterrat und bildet mit Hückmann jetzt das zentrale Entscheider-Duo. Zugleich wird die vierte Generation der Eignerstämme auf die Arbeit im Gesellschafterrat vorbereitet.