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Merken   Drucken   29.10.2006, 09:30 Schriftgröße: AAA

Leadership: Jenseits der Datenbanken  

Nach vielen Fehlschlägen reift bei Experten die Erkenntnis: Wissensmanagement braucht freiwillige Mitarbeit. von Michael Prellberg
Auf den Datenfriedhöfen verlottern die Gräber. Selbst der Gärtner schaut nie mehr vorbei, entsprechend ungepflegt sieht es aus. Es ist ein Ort, der dem Vergessen überantwortet wird - je eher, desto besser. Niemand möchte an die Hoffnungen erinnert werden, die einst an die "Wissensdatenbanken" - so der offizielle Name - geknüpft waren. In ihnen sollte das gesamte Wissen eines Unternehmens gebündelt und den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden. Gute Idee, aber leider ein totales Fiasko. Niemand überwies sein Wissen in die Datenbanken, niemand hob dort Wissen ab. So verkam die Datenbank zum Datenfriedhof.
Dieses gescheiterte Konzept, sagt Mathias Weber vom Branchenverband Bitkom, habe "enormen Schaden" angerichtet. Wer heute über Wissensmanagement rede, denke meist an ungenutzte Datenbanken. "Aber aus Fehlern kann man lernen", sagt Weber. Wohin das führt, zeigte sich am Mittwoch und Donnerstag auf der Konferenz Know-Tech in München. Die Experten haben verinnerlicht, dass Wissensmanagement weniger eine Frage der Software als eine des Mitmachens ist. Überrascht haben die Fachleute der Informationstechnologie (IT) festgestellt, wie rasch sich Kommunikation via Blogs, Wikis und Podcasting verbreitet hat. "Im Vordergrund stehen vor allem virtuelle soziale Kontakte und die mit ihnen verbundene soziale Anerkennung", heißt es in der aktuellen Bitkom-Studie "Wissensmanagement 2006 - 2010". Dieses soziale Anreizmodell können Unternehmen beispielsweise in internen Thinktanks und Foren nutzen.
Von der Illusion, dass sämtliches Wissen elektronisch festgehalten werden kann, haben sich die Unternehmen längst verabschiedet. Noch aber drücken sie sich vor der Frage, warum Mitarbeiter ihr Wissen uneigennützig in den Dienst des Arbeitgebers stellen sollen. Die Unternehmen seien vom Guten des Menschen überzeugt wie ein "vereinigter Kirchentag", spottet Ursula Schneider, die in Graz internationales Management lehrt. Diese Annahme sei ebenso idealistisch wie die Unterstellung, alles Wissen, das fließt, diene dem Unternehmenszweck.
Wissensmanagement in einer Zwangslage

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