Benötigt eine Firma etwa frisches Kapital, um in den nächsten sechs Monaten weiter produzieren zu können, sollten Manager nicht gleich die ganze Summe von ihren Banken einfordern, rät Reeh. Wenn Gesellschafter zusätzliches Kapital beisteuerten, Großkunden Rechnungen früher bezahlten, Lieferanten längere Zahlungsziele in Kauf nähmen und Mitarbeiter vorübergehend auf Leistungen wie Urlaubsgeld verzichteten, müssten die Banken einen deutlich geringeren Betrag als Überbrückungskredit beisteuern, erläutert der IKB-Mann.
Auch bankenunabhängige Restrukturierungsexperten empfehlen, bei Engpässen zunächst interne Kapitalreserven zu mobilisieren und Geschäftspartner einzubinden - sei es auch nur, um sich mehr Zeit und Argumente für Verhandlungen mit externen Kapitalgebern zu verschaffen. "In den Unternehmensprozessen liegt häufig noch ungenutztes Kapital brach", sagt Bernhard Wenders, Deutschlandchef der auf Working-Capital-Management spezialisierten Unternehmensberatung REL Consultancy: "Wer Zahlungseingänge beschleunigt, Forderungen verkauft und Lieferantenkredite besser ausnutzt, kann sich zumindest für einige Wochen oder Monate finanziellen Handlungsspielraum verschaffen." Ein verbessertes Liquiditätsmanagement könne zwar den Kapitalbedarf eines Unternehmens in der Restrukturierung nicht vollständig decken, sagt Wenders: "Aber es verschafft ihm eine bessere Ausgangsbasis, um neue Kapitalgeber zu finden."
Ist erst wieder ausreichend Liquidität vorhanden, um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten, können Manager sich der Frage widmen, wie sie das Geld für mittelfristig auslaufende Finanzierungen und für notwendige Wachstumsinvestitionen auftreiben. "Potenzielle Kapitalgeber wollen vor allem sehen, dass das Unternehmen einen stabilen, laufenden Cashflow produziert", erläutert Volkhard Emmrich, Geschäftsführer der Münchner Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner. Läuft das operative Geschäft nachhaltig, ist der Weg frei für eine finanzwirtschaftliche Restrukturierung.