FTD.de » Management + Karriere » Management » Brückenkopf am Bosporus
  Internationalisierung des Mittelstandes FTD-Serie: Abenteuer Ausland

Rund 40 Prozent der kleineren und mittleren Unternehmen sind im Ausland aktiv. Sie finden dort Kunden, produzieren, gehen Joint Ventures ein. Doch viele unterschätzen die Dynamik fremder Märkte - und wie wichtig es ist, sich gut vorbereiten. Hier ein Blick auf die Erfolgsfaktoren und Risiken beim Schritt über die Grenze.

Merken   Drucken   18.02.2011, 06:00 Schriftgröße: AAA

Priviligierte Partnerschaft: Brückenkopf am Bosporus

Eine boomende Wirtschaft, junge Konsumenten und gute Verbindungen nach Nahost: Für den deutschen Mittelstand bieten sich viele Chancen in der Türkei. Gute Karrierechancen bieten sich auch für türkischstämmige Deutsche. von Melanie Hofmann
Die Wirtschaft am Bosporus boomt. Im ersten Halbjahr 2010 legte sie um elf Prozent zu. Damit wächst sie neben China am stärksten weltweit. Für das zweite Halbjahr wird ein Wachstum von knapp zehn Prozent erwartet, aufs Jahr gerechnet geht die türkische Regierung von sieben Prozent Zuwachs aus.
Zuwanderer Deutsch und Türke geht doch
Davon profitiert auch der deutsche Mittelstand. "Deutschland ist der stärkste Wirtschaftspartner der Türkei und die Entwicklung gestaltet sich rasant", sagt Michael Maasmeier, Wirtschaftsbotschafter der Türkei und deutscher Repräsentant der Investment Support and Promotion Agency (ISPAT), die dem türkischen Premierminister unterstellt ist. Zwischen 1954 und 2004 siedelten sich etwa 1400 deutsche Unternehmen in der Türkei an. In den vergangenen sechs Jahren hat sich diese Zahl mehr als verdreifacht. "Mit aktuell 4335 deutschen Unternehmen in der Türkei, Tendenz konstant steigend, nimmt Deutschland in puncto ausländischer Direktinvestitionen seit Jahren einen Spitzenplatz in der Türkei ein", sagt Maasmeier.
Kennen Sie die Türkei?

Das Verhältnis zwischen Deutschen und türkischstämmigen Menschen ist nicht immer einfach. Was wissen sie über das Land an der Schwelle zum Orient und über die Türken in Deutschland?

Wie heißt die türkische Hauptstadt?

Wissenstest: Kennen Sie die Türkei?

Alle Tests

"In der Türkei herrscht derzeit Goldgräberstimmung", sagt Bülent Uzuner, Vorstandsvorsitzender der IT-Firma Business Technology Consulting (BTC). Sie hat vor einiger Zeit einen IT-Dienstleister in Istanbul übernommen und betreut von dort seither den türkischen Markt. Schwerpunkte liegen dabei auf SAP-Beratung, Netzleittechnik und Softwareentwicklung für die Energieversorgung. "Jetzt ist die Zeit für deutsche Unternehmen, sich in der Türkei zu positionieren", sagt Uzuner.
Bindeglied zum Nahen und Mittleren Osten
Auch andere Marktvorteile machen die Türkei interessant: "Neben der geostrategisch günstigen Lage, die ein enormes Plus für den Export in weitere Länder des Nahen und Mittleren Ostens ist, bietet die Türkei einen großen Binnenmarkt mit einer riesigen und stetig wachsenden, jungen Bevölkerung", sagt Maasmeier. Derzeit leben etwa 72 Millionen Menschen in der Türkei, die im Schnitt nur 28,5 Jahre alt sind. Zum Vergleich: Der Durchschnittsdeutsche ist über 40 Jahre alt. Zudem hat die Türkei fast eine halbe Million Hochschulabgänger im Jahr. Die Regierung lockt mit Steuervorteilen und einem liberalen Investitionsklima.
"Die Türkei und Europa sind wirtschaftlich sehr verflochten, obwohl die Bedeutung Europas für die türkische Wirtschaft bereits abnimmt. Andere Regionen werden wichtiger, was die Türkei für den deutschen Mittelstand aber auch interessanter macht", sagt Tobias Baumann, Leiter des Referats Russland, Ost- und Südosteuropa, Türkei, Zentralasien beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Aufgrund ihrer guten Verbindungen in die Nachbarländer könne die Türkei der deutschen Wirtschaft in geeigneten Bereichen als Partner und Plattform für neue Märkte gerade im Nahen und Mittleren Osten dienen. "In der Türkei ist in den vergangenen Jahren ein dynamischer Mittelstand entstanden", sagt Baumann, "der mit den deutschen Strukturen in manchen Aspekten vergleichbar ist." Große deutsche Investoren wie Bayer , BASF  oder Mercedes-Benz  haben ihren Zulieferern den Weg in die Türkei geebnet und so die Grundlage für eine entsprechende türkische Industrie geschaffen.
Der regulierte Arbeitsmarkt birgt Gefahren Allerdings erschwert der in hohem Maße regulierte Arbeitsmarkt den Unternehmen die Beschäftigung. "Tatsächlich ist der Anteil der Schattenwirtschaft relativ hoch", sagt Baumann. Weiter habe die Türkei zwar einen starken Binnenmarkt, aber seit Jahren auch immer wieder ein relativ hohes Defizit in der Leistungsbilanz. "Das könnte unter weniger günstigen Bedingungen langfristig zu einer Verschuldungsfalle führen."
Ein weltweit einzigartiger Vorteil deutsch-türkischer Kooperation sind die fast drei Millionen Türkeistämmigen in Deutschland. "Ich denke, dass Menschen, die gut ausgebildet sind und beide Sprachen sprechen, in den kommenden Jahren gute Karrierechancen bei vielen Unternehmen in Europa haben werden", sagt Maasmeier. Die Kenntnis beider Sprachen und Kulturen biete viele Potenziale für junge Deutschtürken, eine Schnittstelle zu deutschen Unternehmen in der Türkei darzustellen.
Diese Vorteile kann auch Bülent Uzuner bestätigen. Er hat seinen deutschtürkischen Assistenten als Geschäftsführer in der Firma in Istanbul eingesetzt. Er warnt aber auch vor dem Risiko: "Es ist nicht selten, dass gut ausgebildete junge Deutschtürken jetzt in die Türkei gehen und dort ihr Glück suchen, weil sie keine Lust mehr auf die unfair geführte Integrationsdiskussion haben." Aber auch Baumann vom DIHK sieht das Problem der Abwanderung: "Angesichts der aktuellen Fachkräftedebatte müssen wir uns fragen, warum wir als Arbeitsplatz für gut ausgebildete Türken oder Deutsche türkischer Herkunft oftmals nicht hinreichend attraktiv sind."
  • FTD.de, 18.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
enable2start+Gründerszene
  • Neue Software: Die Orderbird-Kasse schwärmt aus

    Orderbird erweitert seine Kassen-App. Die neue Version verbindet alle Geräte eines Restaurants und fasst ihre Umsätze in einem einzigen Tagesbericht zusammen. Zur Belohnung fliegen die Gründer mit allen Mitarbeitern nach Portugal. mehr

  14.05. Wissenstest Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

NRW hat einen neuen Landtag gewählt. Das Land zwischen Rhein und Weser hat viele Eigen- und Besonderheiten. Was wissen Sie über das größte deutsche Bundesland?

Mit welchem Versprecher erlangte die WDR-Moderatorin Carmen Thomas zweifelhafte Berühmtheit?

Wissenstest: Kennen Sie Nordrhein-Westfalen?

Alle Tests

  24.05. Kopf des Tages Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister
Kopf des Tages: Sergio Marchionne - Der Puzzlemeister

Der Fiat-Chef hat den kleinen Autokonzern durch die Fusion mit Chrysler vor dem Untergang gerettet. Doch das reicht nicht. Nun holt er auch noch Mazda dazu mehr

 



  •  
  • blättern
MANAGEMENT

mehr Management

GRÜNDUNG

mehr Gründung

RECHT + STEUERN

mehr Recht + Steuern

KARRIERE

mehr Karriere

BUSINESS ENGLISH

mehr Business English

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote