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23.09.2010, 12:00
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Weltmarkt Ökotechnologie:
Kampf gegen deutsche Windmühlen
Umwelttechnik ist eine der exportstärksten Branchen, aber die Konkurrenz aus China holt mit billigen Angeboten auf. Deutsche Hersteller setzen auf anspruchsvolle Spezialtechnik, um im globalen Wettbewerb weiterhin bestehen zu können.
von Dörte Neitzel
Die deutsche Umweltbranche wird bis 2030 mit ihrem Umsatz sowohl die Autoindustrie als auch den Maschinenbau überholt haben, schätzt das Baseler Prognos-Institut. Der Ausblick kommt nicht von ungefähr, die Zuwachsraten der Umwelttechnologie haben in der Vergangenheit selbst die optimistischsten Vorhersagen übertroffen. Dem Beratungsunternehmen Roland Berger zufolge trägt die Umwelttechnik hierzulande bereits einen Anteil von acht Prozent am Bruttoinlandsprodukt, bis 2020 soll er auf 14 Prozent steigen. Damit hat sich der Markt für Umweltgüter endgültig von einer Nischenindustrie zu einer extrem dynamischen Wachstumsbranche entwickelt.
"Wachstumstreiber ist dabei nicht nur die Inlandsnachfrage, sondern vor allem die boomende Wirtschaft in Schwellenländern", sagt Torsten Henzelmann, Umweltexperte bei Roland Berger. Die Gründe für diese Entwicklung liegen in der wachsenden Bevölkerung und der zunehmenden Industrialisierung. Energie und Rohstoffe werden durch die enorme Nachfrage knapp und teuer. Deshalb setzen auch Länder wie China und Indien mittlerweile auf Energieeffizienz. Und das hat die Nachfrage nach grünen Technologien in die Höhe schnellen lassen.
Die größten Anbieter neu installierter Windkraftanlagen 2009 weltweit in Prozent
Deutschlands Umwelttechnikbranche hat sich ansehnliche Stücke von diesem Kuchen gesichert. Auf dem Markt für effiziente Energien und Energiespeicherung liegen die weltweiten Anteile hiesiger Unternehmen im Schnitt bei rund 30 Prozent. Auf diesem Polster können sich die Anbieter aber nicht ausruhen, vor allem Chinas Umwelttechnikindustrie knabbert an den deutschen Weltmarktanteilen. Unternehmen aus dem Reich der Mitte haben ihren technologischen Rückstand binnen kürzester Zeit aufgeholt und punkten zudem mit billigen Arbeitskräften.
China erobert die Marktführung im Solar-Sektor
Am sichtbarsten wird das auf dem Fotovoltaikmarkt, hier ist China auf dem besten Weg zum Technologie- und Marktführer. Durch eine aggressive Preispolitik haben sich chinesische Solarmodulproduzenten wie Suntech Power in die Top Ten der Hersteller katapultiert. Wirtschaftskrise und sinkende Einspeisevergütungen für Solarstrom befeuern die Nachfrage nach billigen Anlagen. So legten die Preise im Jahr 2009 einen bisher beispiellosen Sinkflug hin: Während Aufdachanlagen hierzulande Ende 2008 im Schnitt noch rund 4000 Euro kosteten, bezahlten Käufer Anfang 2010 schon satte 25 Prozent weniger, rechnet der Bundesverband Solarwirtschaft vor.
Neugebaute Windkraftanlagen 2009, nach Ländern
Der Preisverfall stellt die deutschen Unternehmen vor enorme Probleme, denn im reinen Preiswettbewerb der Fotovoltaikmodule können sie nicht mithalten. Sie müssen auf technisch anspruchsvollere Spezialgebiete ausweichen, etwa die Entwicklung und Fertigung von Wechselrichtern. Das sind elektronische Geräte, die den Solarstrom von einer Gleichspannung in eine Wechselspannung umwandeln und die für die Einspeisung ins Netz benötigt werden. "Es ist ein komplexeres Produkt, was einen gewissen Schutz vor billigen Nachahmungen darstellt", erläutert Andreas Schlumberger, Sprecher des Wechselrichterherstellers Kaco aus Neckarsulm.
Während sich die deutsche Zunft bei der Fotovoltaik umorientieren muss, sieht die Lage bei der Windkraft nicht so dramatisch aus. "Der Markt für Windenergieanlagen wird nicht einknicken wie der Fotovoltaikmarkt", sagt Johannes Schiel, Experte für Windenergie im Fachverband Power Systems beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Als Gründe dafür nennt er die hohen Forschungsinvestitionen deutscher Firmen, etwa in die Entwicklung immer effizienterer Turbinen. Zudem eröffnen hiesige Unternehmen immer häufiger eigene Produktionsstätten in den Absatzländern. Schiel sieht künftig vor allem jene Anbieter am besten aufgestellt, die in den drei Hauptmärkten Europa, USA und Asien aktiv sind.
Teil 2: Deutsche Technologie muss die Führung auf dem Weltmarkt verteidigen
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FTD.de, 23.09.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
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