Unternehmen mit starrem Blick auf den Kapitalmarkt verprellen offenbar die internationale Leistungselite. Deren Mitglieder erkennen zwar an, dass Vorstandschefs bei ihren Entscheidungen die Anlegerinteressen zu wahren haben - als noch wichtiger bewerten sie aber die Belange von Mitarbeitern und Kunden.
Das ergibt sich aus einer weltweiten Umfrage der amerikanischen PR-Agentur Edelman unter 5000 Personen mit Hochschulabschluss und hohen Jahresgehältern. Die Ergebnisse werden heute veröffentlicht und liegen der FTD vorab vor. Sie untermauern die zunehmende Skepsis gegenüber dem angelsächsischen Modell des Shareholder-Value, das in den vergangenen 15 Jahren auch in Deutschland Fuß gefasst hat.
Konzernlenker stellen dabei die Ansprüche der Aktionäre über alle anderen. Offenbar treffen sie damit zunehmend auf Widerspruch selbst in befreundeten Lagern. So macht sich in der unternehmens- und managerfreundlichen Berufsgruppe der Personalberater Skepsis breit: Der Branchenverband AESC geißelte die "Shareholder-Value-Doktrin" als "Ideologie einer ausgeprägten Kapitalmarktorientierung". Kritik aus diesen Reihen ist schwierig wegzuwischen.
Die Finanzkrise 2008 und 2009, die durch Kapitalmarkthörigkeit begünstigt wurde, führte zeitweilig zu einer Wertedebatte, doch das Handeln wird weiter zunehmend von hartem Shareholder-Value geprägt: Die Ratingagentur Fitch prognostiziert für 2011 wieder verstärkte Aktienrückkäufe und hohe Dividendenausschüttungen, sodass Gewinne kaum reinvestiert werden dürften. Sie konstatiert ein "Wiederauftauchen des Drucks durch Aktionäre". Auch die Gefahr feindlicher Übernahmen ist gewachsen.