Der Gugl - Chalwa Heigl will mit ihren Miniguglhupfs süße Gelüste im Kleinformat befriedigen. FTD.de berichtet wöchentlich über die Siegerin des Gründerwettbewerbs enable2start.
| Das 3. Quartal 2012 im Überblick* |
|---|
| Einnahmen: 233.229 Euro |
| Ausgaben: 266.279 Euro |
| Kapitalstand: 11.229 Euro |
| Schuldenstand: 0 Euro |
| * alle Zahlen zum 30. September 2012 |
Chalwa Heigl ist ein geniale PR-Frau und Netzwerkerin, das konnten Leser der FTD-Gründerinitiative enable2start bereits ausgiebig nachlesen: Mal lässt sie in Berlin auf der Internationale Tourismus-Börse (ITB) bei einer Party des Autovermieters Sixt ihre Gugl von Bauchladenmädchen im Dirndl verteilen. Mal gibt sie in einer Woche Gugl-Deals sowohl mit der Lufthansa (für deren Lounges) als auch dem Frauensender Sixx (für eine Backsendung) bekannt. Ihre Mini-Guglhupfs nannte Chalwa anfangs "feine Kuchenpraline" (diese Begriffsbezeichnung hat ihr mittlerweile die Konditorinnung untersagt), sich selbst "fesche Bäckerin".
Die geschickte Vermarktung und rege Öffentlichkeitsarbeit zeigte ihre Wirkung, jedenfalls bei den Erlösen: So hat das Startup in den ersten neun Monaten 2012 mehr als doppelt so viel Umsatz erzielt wie im Vorjahreszeitraum. Im September ist die 500.000-Euro-Marke überschritten worden. Einen besonders hohen Anteil haben dazu die drei Sommermonate beigetragen. Mit 233.000 Euro kam in dieser Zeit um ein Viertel mehr Geld auf das Konto als in den drei Frühjahrsmonaten und sogar um 60 Prozent mehr als im Winter.
Das Positive daran: Die Beliebtheit der kleinen Gugl steigt. Statt Saisonschwankungen mit Sommerloch geht es beim Ab- und Umsatz stetig bergauf. Doch die Crux daran ist: Unterm Strich bleibt noch nicht allzu viel übrig. Stattdessen bewegte sich die Ertragskurve in diesem Jahr bislang wie eine Achterbahn: Im ersten Quartal blieb ein Verlust von 36.513 Euro, im zweiten Quartal ein kleiner Gewinn von 8804 Euro, doch im dritten Quartal ist das Startup wieder in den roten Zahlen gelandet: mit einem Minus von 33.000 Euro. Durch diesen Geldabfluss ist die Kapitaldecke zum 30. September auf fast 10.000 Euro abgeschmolzen.
Wegen dieser unbefriedigenden Zick-Zack-Entwicklung achtet die "fesche Bäckerin", die ihre Gugls in einer Großkonditorei backen lässt, nun nicht mehr ganz so stark auf Promotion-Aktionen und Präsenz auf allen Kanälen. Vielmehr liegt ihr Hauptaugenmerk auf kaufmännischer Disziplin. Konkret bedeutet das, dass verschiedene Maßnahmen auf dem Prüfstand stehen. Einige Aktivitäten und Angebote sind bereits gestrichen worden. "Das Mieten von Bauchladen-Mädchen haben wir abgeschafft", berichtet Chalwa, "Der Aufwand dafür war einfach viel zu groß." Auch das Gugl-Mobil, ein umgebautes, rosa gestrichenes Motor-Dreirad der Marke Piaggio Ape kann mittlerweile nur noch haben, wer es drei Tage am Stück mietet.
Was die Absatzwege für den Gugl selbst betrifft, sind der Handel und das Catering in den Hintergrund gerückt. Die Verkäufe über Läden und Hotels stagnieren im Vergleich zum Vorjahr, die über Caterer sind auf ein Zehntel geschrumpft. Das ist kein Zufall. Vielmehr hat Chalwa schon vor geraumer Zeit erkannt, dass bei einem hochpreisigen Lebensmittel wie dem Gugl und einem Unternehmen ihrer Größe der Arbeitsaufwand für die Kontaktpflege mit Einzelhändlern sowie der Aufbau eines Catering-Geschäfts fast nicht rentabel zu machen sind. "Da kannst Du kaum Geld verdienen", sagt sie lapidar.
Teil 2: Verkäufe über den Webshop eindeutig profitabel