Präsidentschaftswahl USA Vereinigte Staaten Amerika
Der amerikanische Präsident wird alle vier Jahre gewählt. Franklin D. Roosevelt war mit 3 Amtszeiten der bisher am längsten im Amt gebliebene Präsident.

Die aufsehenerregende Darbietung von Barack Obama im Footballstadion kontrastierte auf ungewöhnliche Weise mit seiner klassischen Nominierungsrede.

Doch: Im Ringen um einen angemessen Ton büßte er seinen Stil ein.

1. Wie positioniert sich Obama?

Sicher war es Obamas denkwürdigster Auftritt. Man konnte den Eindruck haben, dass es die US-Demokraten bei den Feierlichkeiten in Denver den Olympischen Spielen gleichtun wollten: eine mit 80.000 Zuschauern gefüllte Sportstätte und der Aspirant „eingefasst“ vom blauen Ambiente des Bühnenrunds mit Säulengang – einem Heiligenschein gleich.

Bewegende Worte blieben indes aus, da dieser Abend sein Hauptaugenmerk auf einen angemessenen, taktvollen Ton richtete. Allerdings büßte Obama seinen Stil ein.

In seiner Rede musste er sich etlichen Herausforderungen stellen. Doch eine persönliche Note war unabdingbar, da unzählige Wähler weiterhin behaupten, dass sie ihn nicht wirklich kennen. Speziell sollte die Rede sein, um deutlich zu machen, dass es ein Programm statt nur salbungsvoller Worte gibt.

Angriffslustig sollte sich Obama präsentieren, um seinen Gegner John McCain aus dem republikanischen Lager herauszufordern und klar zu machen, dass auch die Demokraten eine harte Marschrichtung kennen. Anstatt schulmeisterlich und herablassend sollte vielmehr ein Hauch Bodenständigkeit zum Ausdruck kommen. Notwendig war auch der Fokus auf die Einheit der Partei, um wieder Frieden nach dem unerbittlichen Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton zu signalisieren.

2. Für welche Forderungspunkte steht Obama?

Obama konnte allen diesen Aspekten gerecht werden und sprach über seine Vorfahren und seine Frau, die Liebe seines Lebens.

Er versicherte, dass Investitionen für erneuerbare Energien mit 150 Mrd. $ zu Buche schlagen werden und eine Steuersenkung für die Mittelklasse der Bevölkerung vorgesehen sei sowie Versicherungen gezwungen werden sollen, jeden Antragssteller ohne Ausnahme aufzunehmen.

Er verglich John McCain mit Bush und bezichtigte ihn der Verdrängung der aktuellen Krise in den USA. Er widersetzte sich mit wirkungsvollen Worten gegen McCains Attacke, ein geistloser Rockstar zu sein.

Die treffendste Antwort auf diese Beleidigung war indes der Redestil Obamas: Mit einer gewöhnlichen Wahlkampfdiktion ließ er seine sonst so vorausschauende Wortgewaltigkeit vermissen, die ihm als Markenzeichen anhaften. Seine Aussagen waren treffend und besonders, aber kein Satz war so außergewöhnlich, dass er als persönliches Zitat für immer kursieren wird.

Man hätte sich gewünscht, dass in diesem großartigen Rahmen in Verbindung mit dem historischen Moment – exakt 45 Jahre nach Martin Luther Kings unvergesslichen Ausspruch ‚I have a dream‘ – zur Nominierung des ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten einer solcher Satz gefallen wäre.

3. Traf Obama mit seiner Rede den Ton seiner Wähler?

Doch ganz im Gegenteil: Obama zitierte berühmte Vorbilder wie den 40 Jahre zuvor ermordeten Bürgerrechtler sowie seine eigene Ansprache am Parteitag vor vier Jahren, die ihn ins nationale Scheinwerferlicht geschoben hatte.

Er wob in seine Geschichten den Kummer und die Probleme der einzelnen Bürger ein und griff damit auf ein Stilmittel zurück, das bereits bei Hillary Clintons Wahlkampf reibungslos geglückt war. Sein Dank galt Ex-Präsident Bill Clinton, der sich als Befürworter für den von Obama prognostizierten Wandel präsentierte.

Er habe ihm gezeigt, wie man eine zukunftsweisende Rede halten und dennoch Bürgerwünsche einbeziehen könne.

Obamas wortreiche Präsentation erfüllte die Absicht:

  • Er machte seine Kampfansage an den Gegner unmissverständlich klar und vereinte die eigenen Reihen.
  • Das Publikum konnte sich über einen unvergesslichen Galaabend mit exquisiter Musik und einem brillanten Abschlussfeuerwerk freuen.
Allerdings zeigte Obamas politisch clevere und gekonnte dennoch kaum originelle Rede, wie rasch der persönliche Stil eines Outsiders auf seinem Marsch ins Weiße Haus nach Washington dem Mainstream unterliegt.