Sparkasse Fusion Gesellschaften
Im Falle einer Fusion sind die Mehrheitsverhältnisse bereits geklärt: die VKB hält 54 % der Anteile.

Gerade in der Versicherungsbranche kann es bisweilen problematisch sein, Fusionen zwischen großen Unternehmen einzugehen und vor allem aufrecht zu erhalten.

Welche Schwierigkeiten in solchen Fällen auftreten, zeigt unter anderem der Fall der Gesellschaft für angewandte Versicherungsinformatik („Gavi“) aus dem Jahren 2011 sowie den darauffolgenden Jahren.

1. Welche Standorte wären betroffen?

Damals stand die Gesellschaft allem Anschein nach kurz vor dem Aus:

2002 gegründet, agierte die Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsinformatik als Gemeinschaftsunternehmen dreier großer Versicherungsunternehmen:

  • die Versicherungskammer Bayern (VKB) mit Standort München
  • die Sparkassenversicherung (SV) mit Standort Stuttgart
  • die Provinzial Nordwest mit Standort Münster

Alle drei Tochterunternehmen der Sparkasse würden die Gavi auflösen, so hieß es in informierten Kreisen.

Das Gemeinschaftsunternehmen ist damit nicht das erste, welches verschwinden würde. Erst einige Monate zuvor hatten die Provinzial und die Sparkassenversicherung ein gemeinsames Vermögensverwaltungsunternehmen beendet. Dieses hatte ein Vermögen von rund 40 Milliarden Euro verwaltet; künftige Pläne sahen jedoch wieder die Selbstverwaltung der eigenen Anlagen vor.

2. Was führte zur Auflösung?

Auch markiert das Ende der Gavi einen weiteren Rückschlag für das Bestreben der Sparkassenchefs, Großfusionen der Sparkassengesellschaften durch Kooperationen der untergeordneten Versicherer vorzubereiten.

So hatten zuvor der Präsident der Münsteraner Sparkasse Rolf Gerlach und sein Stuttgarter Amtskollege Heinrich Haasis versucht, auf solchem Wege die Versicherungsunternehmen beider Städte zusammenzuspannen.

Dieser Versuch war jedoch keinesfalls von Erfolg gekrönt: 2008 lösten die beiden Sparkassenchefs unter gegenseitigen Vorwürfen das gemeinsame Softwareunternehmen auf, kurze Zeit später verschwand der führende Asset Manager. Und nun schien auch die Gesellschaft für angewandte Versicherungsinformatik diesem Trend zu folgen.

3. Wie sieht die Zukunft der Gavis aus?

Die Versicherungskammer Bayern bestritt jedoch vehement das baldige Ende der Gavi.

Aufgrund laufender Verträge gäbe noch keine Lösung, so Schubring-Giese, der CEO von Gavi.

Die Versicherungskammer Bayern hält als Mehrheitsaktionär ca. 54 Prozent der Geschäftsanteile an der Gavi, die Stuttgarter und Münsteraner Gesellschafter je etwa 23 Prozent.

In der Folge des möglichen Endes der Gavi plante die Provinzial, fortan die Anwendungsinformatik wieder in den eigenen Standort zu integrieren, um bei schnellen Änderungen am Markt kurzfristig zu reagieren. In Bezug auf die Gavi-Rechenzentren planen alle drei beteiligten Gesellschaften, enger mit den bestehenden Finanzinformatikservices der Sparkassen zusammenzuarbeiten. Positiver Nebeneffekt: Diese könnten auch einige Mitarbeiter der bisherigen Gesellschaft für angewandte Versicherungsinformatik übernehmen.