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Merken   Drucken   17.11.2009, 10:27 Schriftgröße: AAA

Hedge-Fonds: Jetzt wird umgetopft

Immer mehr Anbieter verkaufen Produkte im Mantel eines normalen Investmentfonds. Sie reagieren damit auf Forderungen der EU und ihrer Investoren nach regulierten, transparenten und liquiden Fonds. von Elisabeth Atzler 
Die EU droht mit strengerer Regulierung, Anleger halten sich zurück, Banken bleiben skeptisch: Hedge-Fonds haben es trotz zuletzt ansehnlicher Renditen derzeit schwer. Viele Anbieter wagen deshalb einen - bis vor Kurzem noch undenkbaren - Schritt: Sie schlüpfen in den Mantel eines EU-regulierten Publikumsfonds, der nach der Richtlinie Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (OGAW) konzipiert ist. Das soll für mehr Glaubwürdigkeit sorgen.
Fachleute bezeichnen das Drängen in regulierte Produkte derzeit als größten Trend der Hedge-Fonds-Branche. "Wir beobachten viele Hedge-Fonds, die ihre Strategie nun auch in einem OGAW-Fonds anbieten wollen." Auch US-Fonds seien dabei, sagt Dieter Kaiser, Hedge-Fonds-Experte beim Investmentberater Feri. Zu den Pionieren, die einzelne Hedge-Fonds dem EU-Recht anpassen, zählen große Firmen wie der Branchenführer Man Group, JP Morgan mit Highbridge sowie Cheyne Capital.
Der Schritt hin zu regulierten Fonds zeigt, wie sehr die Finanzkrise Hedge-Fonds zugesetzt und ein Umdenken ausgelöst hat. Bisher haben sich viele, oft in der Karibik registrierte Hedge-Fonds einer stärkeren Regulierung entzogen. Häufig werden nur die Manager, die meist von New York und London aus operieren, kontrolliert, nicht aber die Firmen. Doch nach dem Krisenjahr 2008, das für Verluste und hohe Mittelabflüsse sorgte, kämpfen Hedge-Fonds um Anleger. Die Fonds unterwerfen sich der EU-Richtlinie aus mehreren Gründen: "Es gibt im Wesentlichen zwei Motive: Zum einen wollen die Hedge-Fonds ihre Fonds auch öffentlich vertreiben und sich neue Kundengruppen erschließen", sagt Andreas Hausladen, Leiter Entwicklung neuer Produkte der Fondsgesellschaft Universal-Investment. Die Gesellschaft bietet, wie etwa auch SEB, ausländischen Hedge-Fonds an, ihnen eine OGAW-Hülle zu bauen; große Hedge-Fonds-Firmen wie Man Group brauchen hingegen oftmals keinen Partner. "Zum anderen", so Hausladen weiter, "stehen sie unter dem Druck der Investorenschaft, die verstärkt von den Hedge-Fonds-Anbietern transparentere, liquide und regulierte Produkte verlangen." Dabei profitieren die Fonds davon, dass die EU-Richtlinie international für klare Regeln steht. Ein regulierter OGAW-Hedge-Fonds lasse sich besser verkaufen, meint Sven Zeller, Partner der Anwaltskanzlei Clifford Chance und Fondsexperte. Das gelte für Privat- wie Profianleger.
Es gibt ein weiteres Argument für das Interesse an OGAW: die Flucht nach vorn. Bisher ist unklar, wie scharf die geplante neue EU-Regulierung für Hedge-Fonds ausfallen wird - der erste Entwurf der Kommission jedenfalls fiel streng aus. Bei OGAW wüssten die Fonds jetzt schon, woran sie seien, sagt Zeller. Das Thema Regulierung könnten sie so fast abhaken.
Für etliche Hedge-Fonds kommt es allerdings nicht infrage, sich nach OGAW zu richten. Ihre teils sehr riskanten Anlagestrategien lassen sich nicht auf einen Publikumsfonds übertragen. So müssen OGAW-Fonds bei Kreditaufnahme, Wetten auf fallende Kurse und Fondsliquidität klare Vorgaben erfüllen: Sie dürfen das Fondsvolumen über Kreditaufnahme - abgebildet mithilfe von Derivaten und Swaps - maximal verdoppeln. Ähnlich strikt sind Wetten auf fallende Kurse begrenzt. Mindestens einmal im Monat muss der Fonds Anteile zurücknehmen. Deshalb scheidet die OGAW-Variante für Hedge-Fonds aus, die in Rohstofffutures investieren, hoch konzentrierte Aktienpositionen haben oder ihren Einsatz über eine ausgeweitete Kreditaufnahme steigern.
Beobachter sind sich einig, dass regulierte Hedge-Fonds der Branche helfen, ihren Ruf zu verbessern. "Das wird die Akzeptanz von Hedge-Fonds und Hedge-Fonds-Strategien unter den Anlegern erhöhen", erwartet Feri-Experte Kaiser. "Viele professionelle Investoren beschäftigen sich jetzt mehr mit dem Thema." Inwiefern die bisher zurückhaltenden deutschen Profis Hedge-Fonds künftig zugeneigter sind, ist jedoch unklar. Auch Uwe Rieken, Geschäftsführer von Faros Consulting, der Hedge-Fonds in OGAW befürwortet, ist skeptisch, ob deutsche Anleger investieren. "Es gibt zurzeit immer noch keinen Markt für Hedge-Fonds in Deutschland."
  • Aus der FTD vom 17.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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