Privatkunden sind den Banken in Zeiten der Finanzkrise nicht nur lieb - sondern mitunter auch teuer. Tagesgeldzinsen oberhalb von zwei Prozent sind deshalb in der aktuellen Niedrigzinsphase keine Seltenheit. Dabei buhlen immer mehr Nischenanbieter sowie Töchter ausländischer Banken mit attraktiven Zinsangeboten ums Geld der Sparer.
Die (Hypo Real Estate (HRE)) hat nicht eben einen guten Ruf. Die ehemalige Hypothekentochter der jetzt zur italienischen Unicredit gehörenden HypoVereinsbank ist infolge der US-Immobilienkrise kollabiert und wurde 2009 verstaatlicht. Während die Steuerzahler mit einem dreistelligen Milliardenbetrag für die Giftpapiere der HRE geradestehen, probt die Rumpfbank den Neuanfang, freilich unter neuem Namen.
Die Deutsche Pfandbriefbank will auch ins Privatkundengeschäft einsteigen. Die Münchner planen Tagesgeld- und Festgeldangebote als neue Einnahmequelle. Dass die Offerten für Kunden attraktiv werden, scheint klar. Das zeigt das Beispiel IKB: Die ebenfalls mit Staatsgeldern gerettete Bank wirbt seit geraumer Zeit um private Einlagen. Wer Geld für drei Jahre fest anlegt, erhält 2,7 Prozent Zinsen; Tagesgeld verzinst die IKB mit 1,5 Prozent.
Die Konkurrenz ist nicht gerade amüsiert. Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke, befürchtet, dass den Volksbanken und Sparkassen über solche Angebote das Wasser abgegraben wird. "Wer im Tagesgeldbereich statt 0,5 Prozent 2,0 Prozent anbietet, muss diese signifikant höheren Geldeinstandskosten durch das Eingehen höherer Risiken wieder hereinholen", sagt Grandke.
Dabei geht es nicht nur um deutsche Häuser. Auch die stetig wachsende ausländische Konkurrenz liegt mit ihren Tagesgeldangeboten oft deutlich über dem Schnitt am deutschen Markt. Tagesgeldkonten verzinsen Einlagen derzeit mit durchschnittlich 1,12 Prozent. Die Angebote der Sparkassen liegen - von einzelnen Direktbanktöchtern mal abgesehen - meist noch niedriger, nämlich zwischen 0,5 und 0,75 Prozent.
Aktuell führen Banken mit Sitz in den Niederlanden die Vergleichslisten an: Amsterdam Trade Bank, Rabodirect und Moneyou locken mit Zinsangeboten zwischen 2,25 und 2,10 Prozent.
Außerdem drängen immer mehr Anbieter in den Klassiker Sparbuch. Die Zinsunterschiede sind dabei allerdings erheblich. Während die Volksbank Dortmund 0,15 Prozent zahlt, bietet die BMW Bank 1,8 Prozent. Sparbücher haben gegenüber Tagesgeld den Nachteil, dass monatlich nur 2000 Euro abgehoben werden können.
Unterm Strich sind die angebotenen Zinsen allerdings höchstens geeignet, die Inflation abzufedern. Sorgen um ihr Geld brauchen sich Sparer dabei wenigstens kaum zu machen. Auch wenn der ein oder andere Anleger bei einem für ihn unbekannten Anbieternamen an den Zusammenbruch der Kaupthing-Bank denken dürfte. Das isländische Bankhaus hatte mit hohen Zinsen gelockt und nach dem Kollaps deutsche Sparer lange im Ungewissen gelassen, ob sie ihr Geld wiedersehen würden.
Wer in der Europäischen Union bleibt, hat bis zur Summe von 100.000 Euro kein Problem, die EU hat ihre Mitgliedstaaten zu einer entsprechenden gesetzlichen Garantie verpflichtet. Welche nationale Einlagensicherung für eine Bank gilt, können Anleger auf deren Internetseite erfahren oder bei Vergleichsportalen wie fmh.de und biallo.de. "Bei einer Anlagesumme bis 20.000 Euro hätte ich in keinem Land Bedenken", sagt Herbst. Nur Gier sei schädlich. Wer über die Einlagensicherung hinaus Geld anlege, riskiere diese Summe.
Den Sparkassen sind indes auch die Einlagensicherungsinstrumente ein Dorn im Auge. "Bonitätsschwächere Institute entziehen sich weitgehend durch die Einlagensicherung in Deutschland einer angemessenen Bepreisung des Bonitätsrisikos", sagt Verbandschef Grandke. Er verweist darauf, dass Volksbanken und Sparkassen meist exzellente Bonitätsnoten aufweisen. Einige Anbieter mit ausländischen Wurzeln haben hingegen weit schlechtere Noten - ohne die Einlagensicherung müssten diese Institute höhere Zinsen zahlen.