Inspirierte Unterhaltung sieht anders aus: "Madagascar 3 - 3D", "Men in Black 3 - 3D" oder "Silent Hill - Revelation 3D" sollen die Massen in diesem Jahr ins Kino locken. Nach "Titanic" und "König der Löwen" wird auch "Findet Nemo" am Rechner in die dritte Dimension versetzt.
Nicht nur, dass die Filmproduktionen des Jahres 2012 vor allem aus Fortsetzungen und Neubearbeitungen bestehen. Sie sind auch weniger zahlreich als im Vorjahr. Kamen 2011 noch 41 3-D-Filme in den USA, dem weltgrößten Filmmarkt, in die Kinos, sind für 2012 bisher nur 35 geplant. Der Hype, den "Avatar" geschaffen hat, ebbt ab. "Der Output ist eher enttäuschend, die Erwartungen waren höhergeschraubt", sagt Armando Romagnolo, TV-Marketingchef bei Panasonic in Deutschland.
Die Hoffnungen der Gerätehersteller hat die Technologie nicht erfüllt. Als 3-D-fähige Fernseher 2010 auf den Massenmarkt kamen, sahen sie ihre Chance, mehr TV-Geräte zu verkaufen - und zwar zu höheren Preisen. Nicht wenige Konzerne beschworen einen Umbruch wie bei der Umstellung aufs Farbfernsehen. Keine Marketingkampagne kam ohne die dritte Dimension aus. War erst die Technologie vorhanden, so die Logik, würden die Inhalte schon folgen.
Doch die Fernseher verkaufen sich schleppend, und auch zwei Jahre später ist keine Lösung für die Inhalteproblematik in Sicht. Weil es wenig zu sehen gibt, schauen die Konsumenten nichts. Und weil sie nichts schauen, gibt es keinen Anreiz, Filme in 3-D zu produzieren. "TV-Hersteller haben eigene Videos auf ihre Internetportale gebracht - ein sicheres Zeichen, dass sie wegen des Inhaltemangels nervös sind", sagt Paul Gray, Analyst beim Marktforscher IHS iSuppli.
Zahlen von iSuppli zeigen gar, dass die Verbreitung von 3-D-Fernsehern dort höher ist, wo es weniger zu sehen gibt, nämlich in Westeuropa und China. In beiden Ländern legen die Kunden Wert auf gute Bildqualität. Allein deshalb kaufen sie teure Modelle - nicht etwa, weil die 3-D-fähig sind. "Im Allgemeinen gilt 3-D als Zusatz-Feature. Die Verbraucher kaufen normalerweise keinen Fernseher nur wegen seiner 3-D-Funktionalität", sagt Ki Ju Song, Chef von LG Electronics Deutschland.
Wie selten selbst Besitzer eines 3-D-Fernsehers ihr Gerät nutzen, belegt eine Umfrage von Toshiba . Durchschnittlich sehen sie sich 2,5 Stunden im Monat Videos in der dritten Dimension an. Repräsentativ sei die Umfrage nicht, sagt Sascha Lange, Marketingchef bei Toshiba in Deutschland. Er sagt aber auch: "3-D ist ein umstrittenes Thema, weil es bisher keine optimale Erfahrung war."
Als größter Nachteil der vorherrschenden Technologie gelten die Brillen. Sie sind teuer und unpraktisch. Toshiba rückt der 3-D-Muffeligkeit der Zuschauer daher mit einem neuen Ansatz zu Leibe. Als erster Hersteller hat er einen Fernseher im Angebot, für den man keine Brille benötigt. Bei Toshiba spielen winzige Linsen auf dem Bildschirm jedem Auge eine andere Ansicht des Geschehens zu. Damit man sich auf der Couch bewegen kann, ohne die richtige Perspektive aus den Augen zu verlieren, gibt es für jeden Zuschauer neun Blickwinkel. Eine Kamera erkennt das Gesicht und verfolgt es, um die richtige Einstellung zu treffen.
7999 Euro kostet das Gerät, Preissenkungen seien wegen des aufwendigen Herstellungsprozesses frühestens 2013 zu erwarten, so Lange. Toshiba geht davon aus, in Deutschland monatlich maximal eine dreistellige Anzahl an Geräten zu verkaufen.
Die Konkurrenz ist verstimmt. Für Toshiba sei es eine gute Möglichkeit, technische Expertise zu demonstrieren, sagt Panasonic -Mann Romagnolo. Aber: "Für den Markt ist es kontraproduktiv." Es verwirre die Konsumenten und gaukele ihnen vor, sie müssten nur ein wenig warten, um die Technologie günstig erstehen zu können. Auch Analyst Gray ist skeptisch. "Ich habe bisher noch mit niemandem gesprochen, der dachte, das 3-D-Bild sei gut genug - besonders für den Preis." Wann die brillenlose Technologie wirklich reif für den Massenmarkt ist, sei schwer zu sagen, so LGs Ki Ju: "Es müssen noch einige technologische Hürden genommen werden."
Der Branchenverband Bitkom geht davon aus, dass Ende des Jahres etwa sechs Prozent aller Haushalte einen 3-D-fähigen Fernseher besitzen werden; 2015 soll die Zahl auf 22 Prozent steigen. Grund dafür ist nicht die wachsende Begeisterung für die Technologie. Die Funktion wird von den Herstellern schlicht und einfach in immer mehr und immer günstigere Fernseher eingebaut. Bei Philips sind rund zwei Drittel der angebotenen Modelle 3-D-fähig, bei LG sind es alle Geräte der neuen Produktpalette.
In der Werbung wird längst etwas anderes kommuniziert: der Fernseher als intelligentes Gegenüber, das problemlos mit dem Netz, mit sämtlichen elektronischen Geräten und über Sprache und Gesten sogar mit dem Nutzer kommunizieren kann. Die Zuschauer können so ihre eigenen Inhalte auf den Fernseher bringen - und sind nicht der Ideenlosigkeit der großen Studios ausgeliefert.
| Drei Wege zum Bild |
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| Damit wir etwas dreidimensional sehen, müssen linkes und rechtes Auge die Bilder aus unterschiedlicher Perspektive gezeigt bekommen. Dafür gibt es mehrere Verfahren. LG ist Verfechter der Polarisationstechnik, Samsung schwört auf Active-Shutter-Brillen. Die meisten Hersteller bieten beide Verfahren an. |
| Polarisation Der Fernseher sendet das Bild für jedes Auge in Lichtwellen aus, die in unterschiedliche Richtungen schwingen. Die Filter in den Brillengläser trennen dann: Das linke lässt in diesem Fall nur waagerecht schwingende Lichtwellen durch, das rechte nur senkrecht schwingende Wellen. Problem: Da zwei Bilder gleichzeitig gezeigt werden, halbiert sich die Bildschirmauflösung. |
| Shutter Die Gläser dieser Brillen bestehen aus LCD-Displays, die blitzschnell dunkel und wieder durchsichtig werden. Zeigt der Fernseher das Bild für das linke Auge, verdunkelt sich das rechte Glas, und umgekehrt - so als würde man sich abwechselnd die Augen zuhalten. Die Synchronisation zwischen Fernseher und Brille erfolgt über einen Infrarotsensor. Problem: Die Brillen brauchen einen Akku und sind schwerer, klobig und teurer. Dafür gibt es aber die volle Auflösung. |
| Autostereoskopie Die Technologie kommt bei Toshibas Fernseher und der tragbaren Spielekonsole Nintendo 3D zum Einsatz. Sie macht die Brille überflüssig. Winzige Linsen auf dem Bildschirm lenken das Licht der Pixel abwechselnd zum linken und rechten Auge. Damit die Auflösung akzeptabel ist, muss der Bildschirm viele Bildpunkte haben. Zu viel zappeln sollte man nicht, sonst sehen die Augen nicht das richtige Bild, und der 3-D-Effekt ist futsch. |