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Merken   Drucken   10.10.2012, 20:12 Schriftgröße: AAA

Microsoft: Ballmers Brief ist eine Zäsur

Lange Jahre gab es nur das Apple-Prinzip und die Microsoft-Philosophie. Jetzt schwenkt Steve Ballmer auf das Credo von Steve Jobs um: Er will alles aus einer Hand. Doch Ballmer kann sich nicht ohne Weiteres von seinem früheren Partnern abwenden.
© Bild: 2012 Reuters/Rick Wilking
Leitartikel Lange Jahre gab es nur das Apple-Prinzip und die Microsoft-Philosophie. Jetzt schwenkt Steve Ballmer auf das Credo von Steve Jobs um: Er will alles aus einer Hand. Doch Ballmer kann sich nicht ohne Weiteres von seinem früheren Partnern abwenden.

Seit fast vier Jahrzehnten wird die Computerwelt von zwei Philosophien geprägt: Auf der einen Seite stand Apple -Guru Steve Jobs, der Produkten nur vertraute, wenn sie alle aus einer - seiner - Hand kamen oder er sie zumindest kontrollierte: Software, Hardware, Inhalte. Das ist das Apple-Prinzip. Und auf der anderen war Microsoft  mit Bill Gates, der seine Software auf möglichst viele Geräte unterschiedlichster Hersteller verbreitete.

Daran änderten auch halbherzige Versuche Microsofts nichts, wie das Kin-Handy, der MP3-Player Zune oder die Tablets, zumal sie allesamt schnell floppten.

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Allein schon aus diesem Grund sollte man sich den Brief, den Microsoft-Chef Steve Ballmer an seine Aktionäre geschrieben hat, ausschneiden - kündet er doch von einer Zäsur, einem Strategieschwenk des IT-Riesen: Ballmer will Technik und Software gemeinsam im eigenen Haus entwickeln. Das Leitbild des Konzerns sei es nicht nur, Programme und Dienstleistungen anzubieten, sondern auch: Hardware.

Ballmer nennt es eine "erhebliche Veränderung", für das, was Microsoft tut, als auch für "die Art und Weise, wie wir uns selbst sehen - als Gerätehersteller und Dienstleistungsunternehmen". Das Wort Software kommt in dem Satz schon gar nicht mehr vor. Ballmer will die "nahtlose" Integration von Technik, Betriebssystem und Inhalten - also das, was Steve Jobs immer wollte.

Der Schwenk von Microsoft geschieht nicht aus Not; noch stimmen Umsatz und Rendite. Allerdings weiß Ballmer, dass dieses Jahr mit das wichtigste der Unternehmensgeschichte wird: Microsoft muss der Wechsel ins mobile Zeitalter gelingen. Das alte Geschäftsmodell, Software auf fremde Hardware zu installieren, scheint überholt.

Dass Ballmer den Konzern umorientiert, ist mutig - und notwendig. Immer mehr Konsumenten verzichten auf PC oder Laptop und greifen lieber zu Smartphone oder Tablet. Bei beiden spielt jedoch Microsoft keine Rolle. Das neue Betriebssystem Windows 8, das Ende Oktober erscheint, soll dies ändern.

Es wendet sich in der Bedienung ab von allen früheren Versionen, setzt statt auf Tastatur und Maus auf Touchscreens, Spracheingabe und Gestensteuerung. Doch das allein wird nicht reichen, um in die mobilen Märkte vorzudringen. Auch die Partnerschaften mit Nokia oder HTC haben Microsoft kaum Marktanteile verschafft. Nun kann sich Ballmer nicht ohne Weiteres von seinen Partnern abwenden. Zu riskant wäre es, ausschließlich auf die eigene Entwicklungsabteilungen zu vertrauen - siehe Kin oder Zune.

Daher versichert er den Partnern Dell , HTC  und Samsung  eine weiterhin enge Kooperation. Dann jedoch kommt das große Aber: Geräteentwicklung ist künftig Kerngeschäft.

Es wird spannend im Kampf der IT-Riesen um die Zukunft.

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  • Aus der FTD vom 11.10.2012
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