Das war zwar das Ende der Interneteuphorie, aber nicht das Ende von Onvista. Die Firma überlebte, schloss sich 2003 mit dem Hauptrivalen Innovative Software AG zusammen und stieß in neue Geschäftsfelder vor. Auf Schwetjes Initiative hin setzte das Unternehmen einen Teil der gebunkerten Kapitalrücklage aus dem Börsengang ein und kaufte im März 2004 das Gesundheitsportal Medicine-Worldwide.de. 2005 verpasste sich das Portal unter dem Namen Onmeda einen Relaunch - um vom gigantischen Werbebudget der pharmazeutischen Industrie einen ordentlichen Batzen abgreifen zu können.
Marktführer bei den deutschen Finanzportalen
Die Rechnung ging auf. Heute gilt Onvista als Marktführer unter den deutschen Finanzportalen im Internet. 1,04 Millionen Einzelnutzer, die 72 Millionen Seiten aufriefen, wurden zuletzt pro Monat registriert. Entsprechend stieg der Umsatz von Onvista im vergangenen Jahr um 45 Prozent auf 14,1 Mio. Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 1,6 Mio. Euro.
Nun ist es zwar bald vorbei mit der Unabhängigkeit von Onvista. Das scheint Schwetje aber wenig zu stören. Boursorama gehört zur französischen Großbank Société Générale, und Schwetje sieht "völlig neue Entwicklungsperspektiven" für Onvista unter dem Dach eines internationalen Finanzkonzerns.
Der Betriebswirt hat sein Handwerk als Investmentbanker bei der Commerzbank gelernt. Danach war er in der Corporate-Finance-Abteilung der Freudenberg-Gruppe tätig. Seine Laufbahn bei Onvista begann er als Finanzchef. "Was würden Sie auf einer einsamen Insel ohne Internetzugang machen?", wurde Schwetje einmal gefragt. Seine Antwort: "Über eine neue Businessidee nachdenken."