Der Ausstieg Ammers macht Pöllath jetzt wieder zum wichtigsten Nichtfamilienmitglied in dem Konsumgüterkonzern. Er muss dafür sorgen, dass der Kaffeeröster und
Beiersdorf -Mehrheitsaktionär nicht unter dem mitunter ausbrechenden Eigensinn der Herz-Familie leidet.
Musik, Kalligraphie und Kunst
Das Renommee dazu hat er allemal: Seine Kanzlei Pöllath + Partners gehört in Deutschland zu den Topadressen, wenn es etwa um die Regelung der Nachfolge in vermögenden Familienunternehmen geht oder um Übernahmen und Fusionen. Der 59-Jährige wurde in Marktredwitz in Oberfranken geboren. In dem Städtchen betrieb seine Familie über 100 Jahre lang eine Schreinerei. Pöllath selbst zog es nach dem Jurastudium in Regensburg und München an die weltbekannte Eliteuni Harvard Law School. Danach kehrte er wieder nach München zurück, wo er 1997 seine eigene Kanzlei gründete.
Mit seiner Spezialisierung auf die Beratung von Familienunternehmern stieß er in eine Marktlücke. Neben seinem Posten als Aufsichtsratschef bei der Tchibo Holding und Beiersdorf ist er Chefkontrolleur des Einzelhandelsunternehmen Woolworth und beispielsweise auch Aufsichtsratschef des E-Business-Dienstleisters Sinner Schrader.
Dass er nicht nur viel Freude an trockener Juristerei hat, zeigt seine Chinastiftung. Bei den regelmäßigen Treffen in München stehen statt Rechtsdiskursen chinesische Musik, Kalligrafie oder Kunst im Vordergrund. Demnächst plant Pöllath in den Räumen seiner Münchner Kanzlei sogar die bayrische Niederlassung des chinesischen Konfuzius-Instituts zu eröffnen. Das Konfuzius-Institut wird derzeit von der chinesischen Regierung weltweit als eine Art Pendant zum Goethe-Institut aufgebaut, die Einrichtung soll die chinesische Kultur im Ausland fördern.