Die meisten Kreditinstitute konnten sich bis vor einiger Zeit frei entscheiden, ob sie dem Antrag auf die Einrichtung eines Girokontos seitens der Kunden stattgeben wollten oder die Kontoeröffnung ablehnten. Lediglich die Sparkassen waren aufgrund einer freiwilligen Selbstverpflichtung dazu angehalten, für jeden Bürger ein Girokonto zu eröffnen. Zwischenzeitlich gab es zwar das sogenannte Girokonto für jedermann, doch war in der Praxis dennoch nicht immer gewährleistet, dass tatsächlich jeder Bürger auch ein Girokonto erhielt. Dies hat sich spätestens seit Mitte 2016 geändert, denn seitdem gibt es innerhalb der Europäischen Union das sogenannte Basiskonto.

1. Worum handelt es sich beim Basiskonto?

Mit dem Basiskonto ist innerhalb der EU gesetzlich geregelt, dass jeder EU-Bürger und noch einige andere Personenkreise, wie zum Beispiel Asylnehmer mit Aufenthaltsstatus, das Recht besitzen, ein Girokonto zu haben. Die Banken sind demzufolge dazu verpflichtet, ein solches Basiskonto einzurichten. Dies gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der entsprechende Kunde innerhalb der Europäischen Union noch kein Girokonto besitzt. Hat der Antragsteller also beispielsweise bereits ein Girokonto bei einer französischen Bank, ist ein deutsches Kreditinstitut in diesem Fall nicht dazu verpflichtet, ein Basiskonto einzurichten.

In der Übersicht sind es alle folgenden Personengruppen, die das Recht besitzen, ein Girokonto zu haben:

  • EU-Bürger
  • Personen ohne festen Wohnsitz
  • Asylsuchende
  • Personen ohne Aufenthaltstitel

1.1. Welche Eigenschaften besitzt das Basiskonto?

Beim Basiskonto handelt es sich zunächst einmal um ein ganz gewöhnliches Girokonto, welches demzufolge dem Zahlungsverkehr dient. Daher sind es insbesondere die folgenden Leistungen und Funktionen, die auch das Basiskonto beinhaltet:

  • Überweisungsaufträge durchführen
  • Daueraufträge einrichten
  • Bargeld am Bankschalter oder am Geldautomaten verfügen
  • Bankkarte zum Konto
  • Online-Banking
Das Basiskonto muss demzufolge alle grundlegenden Funktionen beinhalten, die zur Durchführung des Zahlungsverkehrs notwendig sind. Wie der Name allerdings bereits sagt, handelt es sich bei diesem Girokonto meistens tatsächlich nur um eine Basis-Variante. Diese soll dafür sorgen, dass der Kontoinhaber am gewöhnlichen Zahlungsverkehr teilnehmen kann und in dieser Hinsicht keinen Einschränkungen unterliegt, sodass beispielsweise Gehaltseingänge oder Sozialleistungen auf dem Konto verbucht werden können.

1.2. Basiskonto wird häufig als Guthabenkonto eingerichtet

In nicht wenigen Fällen richtet die Bank, die grundsätzlich zur Eröffnung eines Basiskontos verpflichtet ist, dieses Girokonto als Guthabenkonto ein. Dies bedeutet, dass der Kontoinhaber zwar alle grundlegenden Funktionen nutzen kann, jedoch keine Kontoüberziehungen geduldet werden. Meistens hat dies damit zu tun, dass zahlreiche Antragsteller das Basiskonto benötigen, weil sie aus Bonitätsgründen bei anderen Kreditinstituten in der Vergangenheit kein Konto erhielten, das Girokonto gekündigt wurde oder weil es sich um Personen handelt, die keine regelmäßigen Eingänge zu verzeichnen haben. Gegen die Maßnahme, dass Banken das Basiskonto oftmals als Guthabenkonto führen, ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Das Gesetz schreibt nämlich nicht vor, dass dieses spezielle Girokonto die Eigenschaft besitzen muss, dass auch Kontoüberziehungen erfolgen können.

1.3. Welche Leistungen muss das Basiskonto nicht beinhalten?

Nur wenige Bürger werden vermutlich freiwillig ein Basiskonto einrichten lassen, wenn es nicht auch die Möglichkeit gibt, ein gewöhnliches Girokonto zu führen. Ein Grund besteht darin, dass das Basiskonto in der Praxis meistens mit einigen Einschränkungen verbunden ist. Diese beziehen sich zwar nicht auf die Zahlungsverkehrsfunktionen, jedoch auf weitere zusätzliche Leistungen, die eben nicht jedes Girokonto automatisch beinhalten muss. Neben der Tatsache, dass häufig beim Basiskonto keine Kontoüberziehungen zugelassen werden, sind es insbesondere die folgenden Leistungen, die ein solches Girokonto häufig nicht beinhaltet:

Wie an dieser Auflistung zu erkennen ist, bleiben die Grundfunktionen des Kontos definitiv erhalten, jedoch bleiben häufig einige zusätzliche Leistungen, die für Inhaber eines gewöhnlichen Girokontos vollkommen normal sind, außen vor.

2. Basiskonto in der Praxis oft relativ teuer

Ein nicht selten auftretender Irrtum bezüglich des Basiskontos besteht darin, dass das Girokonto kostenlos sein müsse. Dies ist keineswegs der Fall, denn natürlich dürfen die Banken bei einem Basiskonto auch Kontoführungsgebühren verlangen. In der Praxis sieht es sogar nicht selten so aus, dass die Gebühren für die Führung eines Basiskontos relativ hoch sind. Dies kann unter Umständen sogar dazu führen, dass Kunden zwar grundsätzlich ein Recht auf das Konto haben, sie es sich aufgrund der Kontoführungsgebühren jedoch nicht leisten können. Die trifft vor allem für Personen mit keinem Einkommen bzw. geringen Einkünften zu, beispielsweise Obdachlose oder Asylsuchende.