Dispokredit beim Girokonto
Als Dispositionskredit wird die Kreditlinie bezeichnet, welche aber keinesfalls in Anspruch genommen werden muss.
Das Girokonto wird in erster Linie genutzt, um Überweisungen zu tätigen und Zahlungseingänge verbuchen zu lassen, insbesondere das Gehalt. Darüber hinaus nehmen zahlreiche Inhaber eines Kontos eine Kreditlinie in Anspruch, die seitens der meisten Banken auf dem Girokonto zur Verfügung gestellt wird. Es handelt sich dabei um den sogenannten Dispositionskredit, mit dem wir uns im Folgenden etwas näher beschäftigen möchten.

1. Was ist der Dispositionskredit auf dem Girokonto?

Das Girokonto dient zwar in erster Linie zum Verbuchen von Zahlungseingängen und Zahlungsausgängen, jedoch handelt es sich gleichzeitig um eines der wenigen Bankkonten überhaupt, die sowohl im Haben als auch im Soll geführt werden können. Bei einem Habensaldo ist Guthaben auf dem Konto, während ein Sollsaldo bedeutet, dass das Konto im Minus steht. Banken lassen Überziehungen allerdings in aller Regel nur dann zu, wenn mit dem Kunden eine Kreditlinie vereinbart wurde. Dieser zur Verfügung gestellte Kreditrahmen wird im Privatkundenbereich auch als Dispositionskredit bezeichnet.

Der Dispositionskredit fällt in die Gruppe der Kontokorrentkredite, was bedeutet, dass auf dem jeweiligen Konto eine Kreditlinie zur Verfügung gestellt wird. Somit unterscheidet sich der Dispositionskredit beispielsweise vom Ratenkredit, denn der Kunde ist nicht dazu verpflichtet, den zur Verfügung gestellten Betrag komplett oder auch nur in Teilen abzurufen. Im folgenden Abschnitt möchten uns etwas näher mit den speziellen Eigenschaften eines Dispositionskredites beschäftigen.

2. Welche Merkmale beinhaltet der Dispositionskredit?

Ein Hauptmarkt des Dispositionskredites, der auf dem Girokonto zur Verfügung gestellt wird, haben wir im vorherigen Abschnitt bereits genannt. Es handelt sich dabei um die Tatsache, dass der Dispo, wie der Dispositionskredit oftmals verkürzt ebenfalls bezeichnet wird, eine Kreditlinie darstellt. Dies bedeutet, der Kunde erhält beispielsweise einen zugesagten Verfügungsrahmen von 3.000 Euro, muss diesen allerdings keineswegs auch in Anspruch nehmen. Er hat lediglich die Option, innerhalb dieses Kreditrahmens zu agieren, wenn beispielsweise zusätzliche Liquidität benötigt wird.

Eine weitere Eigenschaft besteht beim Dispositionskredit darin, dass Zinsen nur für den Betrag berechnet werden, die das Girokonto tatsächlich im Soll ist. Dabei wird sogar taggenau abgerechnet. Sollte das Girokonto beispielsweise innerhalb eines Monats an 13 Tagen überzogen sein, also der Dispositionskredit genutzt werden, berechnet die Bank exakt für diese 13 Tage und auf Basis des in Anspruch genommenen Sollbetrages die zu zahlenden Dispozinsen.

Der Dispositionskredit hat leider auch eine relativ negative Eigenschaft, nämlich dass er vergleichsweise teuer ist. Trotz am Kapitalmarkt gesunkener Zinsen in den letzten Jahren zahlen die meisten Bankkunden für die Inanspruchnahme ihres Dispositionskredites nach wie vor Zinssätze zwischen acht und über zehn Prozent. Wer also zum Beispiel sein Girokonto innerhalb eines Jahres im Durchschnitt um 5.000 Euro überzieht, was keine Seltenheit ist, der zahlt im Jahr Sollzinsen von durchschnittlich etwa 500 bis 600 Euro.

Zusammengefasst sind es die folgenden Eigenschaften und Merkmale, die einen Dispositionskredit auszeichnen:

  • Kreditlinie auf dem Girokonto
  • Taggenaue Berechnung der Dispozinsen
  • Relativ teure Kreditart
  • Flexibel
  • Schnelle und unkomplizierte Einräumung seitens der Bank

3. Wer erhält einen Dispositionskredit?

Wie bei allen Kreditarten, so wird auch der Dispositionskredit nur Kunden zur Verfügung gestellt, die aus Sicht der Bank eine ausreichende Bonität haben. Somit sind zunächst einmal alle Minderjährigen ausgeschlossen, da diese keine Schulden machen dürfen. Zu den weiteren Kundengruppen, die von den Banken in aller Regel keinen oder wenn, nur einen sehr geringen Dispositionskredit erhalten, zählen insbesondere:

  • Schüler (volljährig)
  • Auszubildende
  • Studenten
  • Hausfrauen
  • Arbeitslose
  • Asylsuchende
  • Geringverdiener

Auf der anderen Seite haben in aller Regel Arbeitnehmer und auch viele Selbstständige bzw. Freiberufler meistens keine Probleme damit, einen Dispositionskredit zu erhalten. Es sei denn, es befinden sich negative Einträge in der Schufa, denn dann führt die Bank das Girokonto meistens als Guthabenkonto, was die Einräumung eines Dispokredites ausschließt.

4. Kosten einer Kontoüberziehung

Die Kosten, die für die Inanspruchnahme eines Dispokredites anfallen, werden von den meisten Kontoinhabern nach wie vor unterschätzt. Dies liegt möglicherweise daran, dass die Banken in aller Regel eine vierteljährliche Kontoabrechnung durchführen und in dem Zusammenhang auch die Dispozinsen belassen. Da sich ein Betrag von beispielsweise 60 Euro im Quartal natürlich geringer als 240 Euro im Jahr anhört, auch wenn es sich um die gleiche Summe handelt, haben viele Kontoinhaber die Kosten für den Dispo nicht wirklich im Kopf. Wenn man sich allerdings einmal verdeutlicht, welche jährlichen Gesamtkosten für die Inanspruchnahme des Dispositionskredites anfallen, dann handelt es sich durchaus um eine stattliche Summe.

Viele Bankkunden erhalten einen Dispositionskredit, der das dreifache Nettoeinkommen beträgt. Wer also monatlich ein Nettogehalt in Höhe von beispielsweise 2.500 Euro erhält, der kann häufig über einen Dispositionskredit in Höhe von 7.500 Euro verfügen. Nicht selten wird dieser Betrag über einen sehr langen Zeitraum in großem Umfang ausgenutzt, leider oftmals selbst dann, wenn eine Rückführung oder sogar der Ausgleich des Girokontos problemlos möglich wäre. Viele Kontoinhaber gewöhnen sich schlichtweg daran, dass das Konto überzogen ist, und denkt nicht an die anfallenden Kosten. Bei einem durchschnittlichen Sollsaldo von 5.000 Euro wurde bei einem Dispozins in Höhe von 9,5 Prozent pro Jahr immerhin ein Gesamtkostenbetrag von fast 500 Euro entstehen.

5. Dispositionskredit bewusst abbauen oder umschulden

Wer ein Interesse daran hat, den teuren Dispositionskredit zukünftig nicht mehr zu nutzen und langsam zu reduzieren oder umzuschulden, der kann entweder einen sogenannten Kürzungskredit nutzen oder die Umschuldung in Form eines Ratenkredites vornehmen. Der Kürzungskredit ist vielen Bankkunden gar nicht bekannt, da er von den Banken selten aktiv angeboten wird. Es handelt sich dabei auch in dem Sinne um keinen echten Kredit, sondern schlichtweg um die Reduzierung des Dispositionskredites. Wenn Sie beispielsweise einen Dispokredit in Höhe von 4.000 Euro haben, könnten Sie mit der Bank einen Kürzungskredit von monatlich 200 Euro vereinbaren. Dies hätte zur Folge, dass der Dispokredit von seiner Höhe her Monat für Monat um 200 Euro reduziert wird, bis das Girokonto ausgeglichen ist und dann gar keine Kreditlinie mehr bereitsteht. Auf diese Weise ist es sehr gut möglich, den Sollsaldo nach und nach abzubauen. Geeignet ist der Kürzungskredit vor allem für Kontoinhaber, denen es an der notwendigen Disziplin mangelt, um die Kontorückführung von sich aus vorzunehmen.

Allternativen

Eine Alternative zum Kürzungskredit kann der Ratenkredit sein. In diesem Fall gleichen Sie den Sollsaldo auf Ihrem Girokonto auf einen Schlag aus, haben dann allerdings mit dem Ratenkredit natürlich ein neues Darlehen, für das Sie Raten zahlen müssen. Welche Alternative zum Ausgleich des Dispositionskredits Sie wählen, hängt von den persönlichen Präferenzen und auch von der finanziellen Situation ab. Auf jeden Fall sollte der Dispositionskredit auf dem Girokonto nur so genutzt werden, wie er eigentlich vorgesehen ist. Dies bedeutet, der Dispo dient zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätsengpässe und ist eigentlich nicht dafür gedacht, um ihn über viele Jahre hinweg in großem Umfang zu beanspruchen.