Beamte

Wer sich zum Ziel setzt, im Staatsdienst als Beamter zu arbeiten, dem stehen grundsätzlich viele Wege offen. Sogar Quereinsteiger haben gute Chancen, den Beamten-Status zu erreichen, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die Bedingungen unterscheiden sich allerdings von Bundesland zu Bundesland. Im folgenden haben wir einen Überblick zu den Vorteilen, Nachteilen und Voraussetzungen des Beamtentums zusammengestellt.

Zugangsvoraussetzungen für die Beamtenlaufbahn

Warum ist es für viele Menschen überhaupt so wichtig, Beamter zu werden? Welche Vorteile (aber auch Nachteile) sind mit dem Beamten-Status verbunden? Geht es nur um Ersparnisse im Alter oder auch andere Absicherungen, die faktisch oder vermutlich für Beamte günstiger sind?

Zunächst sollten die Zugangsvoraussetzungen geklärt werden, die Interessierte sowohl für die Ausbildung als auch einen Quereinstieg vorweisen müssen:

  • Grundsätzlich müssen Anwärter die Deutsche Staatsbürgerschaft (nach 116 GG) besitzen. Aber auch EU-Bürger haben häufig die Chance auf eine Einstellung als Beamter.
  • Der Kandidat muss außerdem für die im Grundgesetz vorgeschriebenen Werte einstehen und in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen leben.
  • Dazu kommt eine gesundheitliche Eignung (körperlich und geistig).
  • Es gilt eine unterschiedlich festgesetzte Altersgrenze, ab der eine Verbeamtung beziehungsweise der Eintritt in den Vorbereitungsdienst nicht mehr möglich ist.
  • Es ist wichtig, dass der zukünftige Beamte bisher nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, keine Haftstrafen verbüßt hat und ein einwandfreies Polizeiliches Führungszeugnis vorweisen kann.

Welche Laufbahnen gibt es?

Je nach Bildungsabschluss stehen dann unterschiedliche Laufbahnen mit dem Ziel Beamten-Status zur Auswahl. Jeder Weg bietet verschiedene begehrte Vergünstigungen, die sich von denen regulärer Arbeitnehmer unterscheiden. Natürlich immer unter dem Vorbehalt einer vom Bundesland abweichenden Regelung oder Sonderregelung.

Man unterscheidet je nach Schulabschluss vier mögliche Laufbahnen in der Verwaltung (nichttechnischer Dienst) und im technischen Dienst.

Diese sind:

  • Einfacher Dienst (Hauptschulabschluss)
  • Mittlerer Dienst (mittlere Reife oder Hauptschulabschluss mit abgeschlossener förderlicher Berufsausbildung)
  • Gehobener Dienst (Fachhochschulreife oder allgemeine Hochschulreife für den Verwaltungsdienst sowie abgeschlossenes Studium einer geeigneten Fachrichtung für den technischen Dienst)
  • Höherer Dienst (abgeschlossenes Studium mit Diplom- oder Master-Abschluss in einer geeigneten Fachrichtung)

Dazu kommt, dass diese Laufbahnen in verschiedenen Bereichen (beispielsweise öffentliche Verwaltung, Finanzamt, Feuerwehr, Polizei, Zoll, Bundeswehr, Lehramt…) möglich sind und eine einschlägige Vorbereitung (normalerweise eine duale Ausbildung) voraussetzen.

Welchen Status hat ein Beamter während der Ausbildung?

Die Ausbildung in den unterschiedlichen Laufbahnen dauert zwischen zwei und vier Jahren. Während dieser Zeit besitzt man den Status „Beamter auf Widerruf“.

Nach erfolgreich bestandener Prüfung erfolgt die Anstellung als „Beamter auf Probe“. Die Probezeit kann unterschiedlich lange dauern, in der Regel zwei Jahre. Während dieser Zeit ist auch noch eine Kündigung möglich.

Erst nach Ablauf der Probezeit kann man den Status „Beamter auf Lebenszeit“ erhalten.

Einstieg als Quereinsteiger

Abgesehen von der Ausbildung haben auch Quereinsteiger (unter denselben Voraussetzungen) gute Chancen auf eine Verbeamtung. Das ist insbesondere in Berufen möglich, in denen Personalmangel herrscht, wie etwa bei Lehrern. Da viele Bundesländer mit einem Lehrermangel zu kämpfen haben, sind in den letzten Jahren viele Lehrer über einen Quereinstieg zu ihrem Beruf gelangt. Wenn alle persönlichen und sachlichen Voraussetzungen vorliegen, können sie sich ebenfalls um eine Beamtenstelle bewerben. Hierzu gelten einschlägige Regelungen pro Bundesland.

Dabei ist jeweils die Altersobergrenze zur berücksichtigen (größtenteils liegt diese bei 35 Jahren, je nach Bundesland, in Baden-Württemberg sind es beispielsweise 42 Jahre).

Besonders beliebt: Der Lehrerberuf

Gerade der Lehrerberuf ist besonders beliebt und ein Einstieg ist auch für Quereinsteiger möglich. Zu beachten ist aber, dass gar nicht alle Lehrer in jedem Bundesland verbeamtet werden. Beispielsweise in Berlin ist dies nicht der Fall! Auch wenn Diskussionen zu diesem Thema in der Politik noch kontrovers geführt werden.

Welche Vorteile besitzen nun Beamte?

Ein häufiges Vorurteil lautet, dass Beamte viel verdienen und wenig arbeiten. Ganz so ist es allerdings nicht, denn im Vergleich zur freien Wirtschaft sind einige Stellen, vor allem im einfachen und mittleren Dienst schlechter bezahlt. Außerdem haben sie nach der Arbeitszeitverordnung (AZV) eine wöchentliche Arbeitszeit von 41 Stunden zu leisten. Doch Beamte genießen natürlich auch Vorteile.

Einige Hauptvorteile sind:

Ein sicherer Arbeitsplatz

Mit dem Status „Beamter auf Lebenszeit“ muss man sich praktisch keine Sorgen mehr um seinen Arbeitsplatz machen. Eine Kündigung ist allerdings bei schwerwiegenden Gründen (wie Straftaten, Dienstvergehen oder einer Dienstunfähigkeit) trotzdem möglich.

Eine gute Altersvorsorge durch die Pension

Die genauen Vorgaben bezüglich Gehalt und Pension sind gesetzlich geregelt und entsprechen der jeweiligen Besoldungsgruppe. Die Durchschnittspension von Beamten ist mehr als doppelt so hoch wie die Durchschnittsrente gewöhnlicher Arbeitnehmer.

Es bleibt mehr Nettolohn

Grund dafür ist, dass die Beamten keine Beiträge in die gesetzlichen Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungen bezahlen. Versicherungsbeiträge müssen sie natürlich dennoch zahlen und die privaten Versicherungen sind nicht zwingend günstiger. Hinzu kommen viele Zuschläge, wie etwa der Familienzuschlag der zusätzlich zum Kindergeld bezogen wird.

Unterstützung im Krankheitsfall

Ein großer Vorteil ist auch die zeitlich unbegrenzte Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall sowie die Beihilfe für Arztrechnungen und Heilungskosten.

Zusätzliche Anreize

Ein sicherer Arbeitsplatz und eine gute Altersvorsorge wären für viele bereits ausreichende Gründe, den Beamtenstatus erwerben zu wollen. Doch darüber hinaus locken noch weitere Anreize und Vergünstigungen für Beamte:

  • Es gibt eine sehr große Auswahl an unterschiedlichen Berufen, in denen der Beamtenstatus erreichbar ist.
  • Dazu kommen die verantwortungsvollen Aufgaben zum Wohl der Allgemeinheit, die für viele Arbeitnehmer eine wichtige Rolle spielt.
  • Vorteilhaft ist auch, dass die Gehaltszahlungen zuverlässig und pünktlich auf dem Konto eintreffen.
  • Es gibt geregelte Arbeitszeiten und bezahlte Überstunden.
  • Das Angebot an Fortbildungsmöglichkeiten und Förderungen, insbesondere für Frauen, ist sehr groß.

Fortbildung Frau

Vorteile ausnutzen – mit den Nachteilen leben

Wie jede Medaille hat auch der Beamtenstatus zwei Seiten. Denn die verlockenden Vorteile kommen mit ein paar Nachteilen daher, die man ebenfalls kennen sollte.

Einmal Beamter – immer Beamter

Beispielsweise ist man auch in der Freizeit zu einem „amtswürdigen Verhalten“ verpflichtet und darf nicht über die Stränge schlagen. Nicht jedem fällt es leicht, immer im Dienst zu sein. Sogar im Ruhestand kann eine Straftat dazu führen, dass Versorgungsansprüche (Pension) wegfallen.

Manchmal weniger Gehalt als in der freien Wirtschaft

Außerdem sind je nach Beruf lange Arbeitszeiten und teilweise geringere Verdienste als in der freien Wirtschaft gegeben. Dazu kommt, dass ein Beamter jede zugewiesene Arbeit erledigen muss. Beamte können versetzt werden und müssen unter Umständen völlig neue Aufgaben übernehmen. Dies ist beispielsweise in der Corona-Pandemie sehr häufig vorgekommen: Als die Gesundheitsämter plötzlich vor einem Berg an Herausforderungen standen, wurden Beamte aus allen möglichen Verwaltungsämtern mit dem Abarbeiten der Aufgaben beauftragt. Selbst einige Lehrer mussten beim Gesundheitsamt ihrer Region mithelfen.

Keine automatische Beförderung

Es gibt kein Recht auf Beförderung. Hier ist ein aktives Bemühen notwendig, das auch von vielen weiteren Kriterien abhängt. Beispielsweise müssen in der Verwaltung entsprechende höher dotierte Stellen überhaupt vorhanden sein.

Sanktionen im Streikfall

Beamte haben kein Streikrecht, da sie sowohl zu Gehorsam als auch zu Gesetzestreue verpflichtet sind. Streiken sie, drohen Sanktionen bis hin zur Entlassung.

Starre Strukturen

Die Strukturen und Hierarchien in der öffentlichen Verwaltung sind starr und genau vorgegeben. Kleine Dienstwege und Abkürzungen sind hier meistens nicht umsetzbar und nicht erwünscht. Alle Vorgänge sind penibel und nachprüfbar zu dokumentieren. Der Staat will es immer genau wissen.

Vorkasse-Leistung im Krankheitsfall

Im Krankheitsfalls erhalten Beamte eine Beihilfe vom Staat. Allerdings müssen sie bei Arztrechnungen und Heilungskosten zunächst in Vorleistung gehen und die ausgelegten Kosten später mit dem Staat abrechnen. Der Rest ist über eine private Krankenversicherung abzurechnen, da die Rechnungen vom Versicherten ja bereits bezahlt wurden.


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