Klick, schscht. Der Kreditkartenmagnetstreifen rutscht durch den Spalt des gelben, würfelartigen Aufsteckers, der in der Kopfhörerbuchse des Tabletrechners steckt. Kartenprüfnummer auf dem Bildschirm eingeben. Fertig. 2,50 Euro haben in einem Café am Münchner Kurfürstenplatz per Karte und Streetpay-Aufstecker den Besitzer gewechselt.
Kreditkarten galten bereits als Auslaufmodell. Zahlen per Handy und Funktechnik NFC gehöre die Zukunft, so die Experten. Doch bevor Handys als digitale Portemonnaies tatsächlich Alltag werden, erlebt das Plastikgeld eine Renaissance. Grund sind die kleinen Technikklötzchen für Tablet-Rechner oder Smartphones. Mit den Geräten kann jeder Eisdielenbesitzer oder jedes Minihotel Kartenzahlung anbieten.
Investoren erwarten ein Riesengeschäft. 3,25 Mrd. Dollar soll das Startup Square bereits wert sein, das als Erstes die kleinen Lesegeräte rausgebracht hat. Vergangene Woche kündigte die Cafékette Starbucks an, 25 Mio. Dollar in Square zu investieren und das System selbst einzusetzen. In Skandinavien ist seit 2011 Izettle aktiv. Hierzulande hat Masterpayment unter der Marke Streetpay im Juni ein Gerät für Handys und Tablet-Rechner auf den Markt gebracht. Auch die Deutsche Telekom will Aufstecker anbieten, und Wirecard verkauft ebenfalls eine Lösung.
"Wir glauben, dass die Zielgruppe in Deutschland etwa fünf Millionen beträgt", sagt Masterpayment-Chef Stefan Tittel. Seit Juni hat das Unternehmen mit rund 20 Mitarbeitern 9000 Partner für die Aufsteckgeräte gefunden. 2000 davon haben die Lesegeräte bereits im Einsatz. Meist sind es kleinere Firmen wie Yogastudios oder Cafés. Für Ende 2012 prognostiziert Tittel rund 50.000 Interessenten.
Der wohl stärkste Konkurrent kommt derzeit aus Berlin. Von dort aus will Rocket Internet, der Startup-Inkubator der Samwer-Brüder, den Markt aufrollen. Der Dienst unter dem Namen Payleven ist in Deutschland und Brasilien bereits aktiv. Derzeit arbeiten rund 70 Mitarbeiter bei dem jungen Unternehmen. "Wir wollen von Anfang an Marktführer sein", sagt Steve Krieger in Bezug auf Deutschland. Der gebürtige Luxemburger ist einer von drei Gründern. "Wir steuern allein in Berlin auf die Marke von 1000 Geschäften zu, die mit Payleven arbeiten." In den nächsten Monaten sollen rund zehn weitere Märkte in Europa, Südamerika und Asien folgen. Masterpayment hat als nächste Stationen Großbritannien und Spanien auf dem Plan.
Rechnete Masterpayment ursprünglich mit einem Durchschnittsjahresumsatz je Stecker von 15.000 Euro, geht Tittel nach den ersten Monaten nun eher von 30.000 Euro aus. Aktuell laufen täglich drei bis fünf Transaktionen über jedes Gerät. Von dem erzielten Umsatz hält Masterpayment 2,75 Prozent sowie 19 Cent pro Transaktion ein. Davon fließt ein Teil an die Partnerbank "Privatbank 1891", die die finanzielle Seite der Transaktionen verantwortet, sowie ein Teil an die Kreditkartenunternehmen. Händler bekommen die Lesegeräte gegen 15 Euro Kaution. Bei Payleven zahlen Unternehmen 2,95 Prozent plus 9 Cent je Transaktion als Gebühr.
Die Idee lieferte Tittel das US-Vorbild. "Ich wollte in einem Café in San Francisco bezahlen, und die hatten da den Dongle von Square", erzählt der Manager. In Deutschland suchte er ein Unternehmen, das eine Online-Bezahlplattform betreibt, um nicht ganz von vorn anfangen zu müssen. Er beteiligte sich an Masterpayment und wurde Geschäftsführer. Geld hat er, seit er das von ihm gegründete Unternehmen Crossgate im Herbst 2011 an den DAX -Konzern SAP verkauft hat.
Angst, dass ihn die Konkurrenten überholen, hat er nicht. Denn es gilt nicht nur die Auflagen der Finanzaufsicht und der Kreditkartenunternehmen zu erfüllen. Schwierigkeiten lauern oft in Details. "Wir mussten Treiber entwickeln, die auf jedes im Markt gängige Handy angepasst sind", so Tittel. Selbst bei gleichem Betriebssystem würden Telefone unterschiedlicher Hersteller anders reagieren. Daher musste Masterpayment mehr als 100 Handys für Tests kaufen. "Das kann man alles lösen, kostet aber Zeit", sagt Tittel mit Blick auf die Entwicklung von Software und Geräten.