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Nur in diesem einen Fall gibt sich Peter Schneider bescheiden. "Die Idee, gebrauchte Software zu verkaufen, stammt gar nicht von mir", gesteht der Gründer und Chef der Firma Usedsoft. Dazu habe ihn Ende der 90er-Jahre der Manager eines großen deutschen Konzerns überredet. Diesem Softwareeinkäufer fehlten damals 7000 Mark für seine Weihnachtsfeier, und er fragte Schneider, ob der seine überschüssigen Softwarelizenzen nicht zu Geld machen könne. Schneider hielt das für juristisch heikel. Aber er ließ es von Anwälten prüfen und wagte schließlich das Geschäft mit der Secondhandware. "Softwarelizenzen können sich nicht abnutzen wie ein Gebrauchtwagen", so Schneider. "Das macht die Sache so sexy."
Das sagt der 56-Jährige jetzt. Obwohl ihn sein erster Reflex nicht getäuscht hat. Der Softwarehändler ist mit seiner Geschäftsidee in einen juristischen Graubereich des Urheberrechts vorgestoßen und hat damit eine Prozesswelle losgetreten. Die großen US-Konzerne hat er mit seinem Lizenzvertrieb angegriffen. Und die jagen die kleine deutsche Firma seither durch die Gerichtsinstanzen. Mit dem kampfeslustigen IT-Konzern Oracle ficht Schneider die Sache nun vor dem Europäischen Gerichtshof aus. Und dort konnte der Münchner Geschäftsmann am Dienstag einen ersten Teilsieg erringen. Ein wegweisendes Gutachten ließ aber noch wichtige Fragen offen. Das abschließende Urteil wird nun in der ganzen Branche mit Spannung erwartet. Entweder wird es zum Todesstoß für Usedsoft, oder es öffnet die Schleusen für eine Revolution in der Softwarebranche.
Während in Luxemburg über das Wohl und Weh seiner Firma verhandelt wird, macht Schneider einfach weiter. In Hamburg besuchte er am Dienstag Kunden und nahm sich spontan Zeit für ein Gespräch mit der FTD. "Es macht mir Spaß, das letzte Monopol aufzubrechen", sagt Schneider, stellt aber klar: "Ich sehe mich nicht als Missionar, sondern als Unternehmer."
Die Marktlücke, die er entdeckt hat, will er nicht aufgeben. Mit Usedsoft verkauft er gebrauchte Softwarelizenzen an Unternehmen wie Rewe, Edeka und Douglas . In der Regel sind das sogenannte Volumenlizenzen, die die Hersteller im Bündel zu Hunderten abgeben. Weil Schneider die aufkauft und aufsplittet, kann er Preisabschläge von 25 bis 70 Prozent geben. Damit hat er nicht nur Oracle, sondern auch Adobe und Microsoft gegen sich aufgebracht. Denn er macht ihnen nicht nur potenzielle Neukunden streitig, sondern schlägt aus ihren Lizenzen auch noch Gewinn. Usedsoft erzielt nur einige Millionen Euro Umsatz. Doch im Markt schlummern Verkaufswerte in Milliardenhöhe.
Schneider ist eigentlich Bauingenieur. Mitte der 80er-Jahre verschlug es ihn als Vertriebsingenieur zum IT-Konzern IBM . 1990 machte er sich als Softwareverkäufer selbstständig. Fast zehn Jahre lang verkaufte er brav ausschließlich Neulizenzen, bis er sich auf das neue Terrain wagte und 2003 Usedsoft in München gründete. 2005 hatte er die erste Klage von Oracle am Hals, obwohl er noch gar keine Lizenz des US-Konzerns verkauft hatte.
Schneider flüchtete in die Schweiz. "Ich erkannte, dass dort die Rechtssituation für uns einfacher ist." Vor dem Kantonsgericht am Firmensitz in Zug konnte er seine Rechtsauffassung durchsetzen, doch sein Geschäft brach ein. Sowohl seine neue Schweizer Holding als auch die deutsche Tochter mussten 2011 Insolvenz anmelden. Er habe aber noch Softwarelizenzen im Wert von 3,8 Mio. Euro verkauft, sagt Schneider. Unterm Strich blieb eine schwarze Null, das Geschäft läuft über eine Auffanggesellschaft weiter. Trotz der Rechtsunsicherheit habe er in Europa immer noch mehr als 4000 Kunden, wöchentlich kämen neue hinzu. Die hohen Rechtskosten tut er ab: "Das sind unsere Entwicklungskosten", scherzt er.