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Merken   Drucken   25.07.2012, 19:36 Schriftgröße: AAA

Medien auf dem Kindle: Sendestörung bei Amazon  

 Mit Kindle Fire will Amazon schon bald den Tablet-Markt in Deutschland aufmischen. Doch ein potenzielles Verkaufsargument überzeugt kaum: Das Medienangebot des Geräts ist reichlich dünn, wie das Onlinekaufhaus einräumt.
© Bild: 2011 Reuters/SHANNON STAPLETON
Premium Mit Kindle Fire will Amazon schon bald den Tablet-Markt in Deutschland aufmischen. Doch ein potenzielles Verkaufsargument überzeugt kaum: Das Medienangebot des Geräts ist reichlich dünn, wie das Onlinekaufhaus einräumt.
von Eike Radszuhn, München und Hamburg

Noch in diesem Jahr will Amazon den Tablet-Computer Kindle Fire in Deutschland auf den Markt bringen. Schon jetzt basteln App-Entwickler an Zusatzprogrammen. Bei Filmfans allerdings könnte sich die Freude in Grenzen halten. Als günstige Alternative zu Apples  iPad soll der Rechner zwar neben Musik, Spielen und Büchern auch Filme abspielen können - doch nach jetzigem Stand gibt es nicht viel zu empfangen. Für ein paar hundert Streifen hat die Amazon -Tochter Lovefilm die Rechte, um sie hierzulande über das Internet zu übertragen. Entsprechend unzufrieden zeigt sich Amazons Deutschland-Chef Ralf Kleber und kündigt an, das Angebot auszuweiten. "Klar, dass wir nicht sagen: 2000 Filme, dazu nicht die neuesten, das ist genau das, was wir wollen", sagte Kleber der FTD.

Unter den großen IT-Konzernen ist zuletzt eine Tablet-Schlacht entbrannt. Amazon will den Kindle Fire in Europa einführen, Microsoft  und Google  haben für diesen Herbst eigene Geräte angekündigt. Experten gehen davon aus, dass Tablets bald verbreiteter sein werden als Desktop-Rechner. Im Ringen um die Kunden werden die verfügbaren Inhalte zur entscheidenden Waffe. Amazon zeigt, wie kompliziert es ist, ein Angebot aufzubauen - für jedes Land müssen die Rechte einzeln gekauft werden.

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Gleichzeitig schießen durch den Inhaltehunger der Anbieter die Preise für Streaming-Rechte an Filmen und TV-Serien rapide in die Höhe. Der Vorreiter der Branche, die Onlinevideothek Netflix, musste deshalb am Dienstag einen Gewinneinbruch vermelden. Im zurückliegenden Quartal sank der Gewinn je Aktie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,30 Dollar auf 11 Cent - bei steigenden Umsätzen. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten von Netflix für Inhalte haben sich mit 1,16 Mrd. Dollar mehr als verdoppelt. Besonders abschreckend für Amazons Pläne: Netflix  verliert vor allem beim Aufbau eines Angebots in neuen Märkten. Im kommenden Quartal erwartet der Anbieter bis zu 105 Mio. Dollar Verlust im Ausland. Amazon legt am Donnerstag Quartalszahlen vor.

Der Kindle Fire wird bislang nur in den USA verkauft. Entscheidend für den dortigen Erfolg ist laut Kleber, dass das Gerät ein "Content-Erlebnis", also ein großes Angebot an Inhalten, biete. "Um das Gerät nutzbar zu machen, müssen wir dem Kunden etwas zusammenstellen." Dies sei für Amazon lösbar, man sei etwa bei digitalen Büchern und Musik stark, so Kleber.

Im Januar 2011 kaufte Amazon die Onlinevideothek Lovefilm für 317 Mio. Dollar. Das Geschäftsmodell der Tochter besteht in Deutschland bislang vor allem aus dem Postversand von DVDs; den Nutzern eines Tablets bringt das nicht viel. Zwar verkündete Lovefilm zuletzt immer wieder neue Kooperationen mit kleineren Filmfirmen. Deals massentauglicher Blockbuster waren aber kaum dabei.

So wird es schwierig, etwa mit dem Filmangebot des Rivalen Apple zu konkurrieren. Das Unternehmen sagt zwar nichts dazu, wie viele Inhalte den deutschen Kunden zur Verfügung stehen, hat aber Verträge mit großen Studios wie Warner, Disney , MGM  oder Paramount. Auch der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1  buhlt auf seiner Videoplattform Maxdome mit Hollywoodinhalten um Kunden. Maxdome hat nach eigenen Angaben über 45.000 Videos im Angebot.

Kleber sieht Amazon im Videogeschäft in der Verfolgerrolle, baut aber auf die Beziehungen zu den Studios. "Niemand verkauft mehr DVDs als wir, da kommen keine Unbekannten." Ziele nennt der Manager nicht, spricht aber von einer "kritischen Masse", die man erreichen müsse. "Die braucht am Ende gar nicht so groß sein. Jeder kennt Amazon und unsere Fähigkeit, Inhalte auszubauen."

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  • Aus der FTD vom 26.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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