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Merken   Drucken   09.02.2011, 12:00 Schriftgröße: AAA

Diskussion um Datenschutz: Die Privatheit endet nicht im Internet

Kommentar Webnutzer wollen vieles über sich preisgeben, aber auch nicht die Kontrolle über die Daten verlieren. Das derzeitige Datenschutzgesetz wird diesen Bedürfnissen nicht gerecht. von Stefan Groß-Selbeck
Stefan Groß-Selbeck ist Vorstandsvorsitzender der Xing AG, einem sozialen Netzwerk im Internet für berufliche Kontakte.
In allen Ländern, in denen sich die digitale Revolution vollzieht, führen derzeit zwei Parteien eine Grundsatzdebatte, deren Standpunkte gegensätzlicher nicht sein könnten. Ihr Streitthema, und das nicht nur am heutigen Safer Internet Day: der Datenschutz.
Dabei ist schon das Wort missverständlich. Denn es geht nur sekundär um den Schutz von Daten: In erster Linie geht es um unser Konzept von Privatheit ("Privacy"). Wie schaffen wir einen vernünftigen Ausgleich zwischen dem Schutzbedürfnis des Einzelnen und den Möglichkeiten der neuen Technologien? Wie entwickeln wir unser Verständnis vom "Recht auf informationelle Selbstbestimmung" weiter, das vor 30 Jahren formuliert wurde, als - aus informationstechnologischer Sicht - die Steinzeit herrschte?
Google-Chef Eric Schmidt   Google-Chef Eric Schmidt
Die beiden Parteien scheinen sich unversöhnlich gegenüberzustehen. Auf der einen Seite sind die Traditionalisten. Voller Sehnsucht nach einer Welt ohne Internet sorgen sie sich um unsere Zukunft. Das Netz ist für sie ein Ort ohne Regeln, der sich ihrer Kontrolle entzieht. Sie sehen die digitalen Technologien als "Angriff auf den 'Geheimniszustand', der für die bürgerliche Privatsphäre wesentlich ist", wie der Kommunikationstheoretiker Norbert Bolz sagt. Angriff aber bedarf der Verteidigung.
Auf der anderen Seite stehen die Radikaldigitalen. Mehr oder weniger verklausuliert verkünden sie das "Ende der Privatheit" und erklären das technisch Mögliche zum normativ Gewollten. Privacy sei schlicht nicht zeitgemäß - und wer nicht wolle, dass andere wissen, was man gerade tue, solle es einfach nicht tun (Google -Chef Eric Schmidt ).
Keine dieser Positionen wird den Bedingungen der digitalen Revolution gerecht. Das gilt ganz offensichtlich für die Traditionalisten. Denn Nostalgie hilft nicht weiter bei der Gestaltung unserer digitalisierten Lebenswelt. Niemand kann im Ernst die Segnungen der Digitalisierung bestreiten. Auf die sollten wir nicht verzichten.

Teil 2: Privatheit wird zwar anders verstanden, ist aber nicht unwichtiger geworden

  • FTD.de, 09.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 22.05.2012 11:32:30 Uhr   Cora S.: Anpassung Datenschutzgesetz und Daten-Weiterg...

    Xing ist ein Netzwerk, in dem Menschen berufliche Informationen austauschen. Man sollte aber auch dort nur die Daten von sich preisgeben, von denen man denkt, dass sie weiterverbreitet werden dürfen, ohne dass es für einen selbst unangenehme Folgen hat. Denn stellt man Daten von sich ins Netz, dann sind sie in der Welt. Und Google verleibt sich jede Information ein.
    Immerhin greift demnächst die Datenschutz-Novelle und Unternehmen, die Daten gesammelt haben und diese weiterreichen, müssen ab September genau nachweisen, woher diese stammen, siehe z. B. http://blog.schober.de/ Das geht schon in die richtige Richtung.
    Dem Druck bzw. dem Zeitgeist, jegliche private Informationen von sich preiszugeben, sollte man keinesfalls nachgeben. Religiöse und politische Überzeugungen, die ethnische Herkunft und die sexuelle Orientierung gehen die anonyme Netzgemeinschaft nichts an. Und wer mit wem am letzten Wochenende auf welcher Party "abgestürzt" ist, auch nicht. Denn die Informationen bleiben im Netz, wenn sie erst einmal eingestellt sind.

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