Kulturkampf:Google kann nur durch Investitionen wachsen
Kommentar
Google-Chef Larry Page würde Kritiker, die zu hohe Kosten bemängeln, als kleinkariert bezeichnen. Schielen auf kurzfristige Profite widerstrebt den visionären Vorstellungen des Unternehmers. Der Erfolg gibt ihm recht.
von Andreas Albert
Wegen zu hoher Kosten straften Investoren die Aktie des Unternehmens nach Bekanntgabe der Quartalszahlen ab. Trotz eines Umsatzwachstum von rund 30 Prozent verlor das Papier in den USA nachbörslich mehr als fünf Prozent. Die Anleger stören sich besonders an den hohen Investitionen. Die Ausgaben stiegen in drei Monaten um knapp 55 Prozent. Das Geld wurde vor allem in Personal investiert. Die Belegschaft soll im Laufe des Jahres um 6000 Mitarbeiter anwachsen. Mit Gehaltserhöhungen bindet Google zudem seine Mitarbeiter. Hinzu kommen Investitionen in neue Geschäftsfelder.
Googles Aufstieg
So wurden Page und Brin Pioniere des Internets
Google wächst traditionell durch Zukäufe. Dabei ist nicht jede Investition ein Hit - etwa wie Youtube. Aber in Googles Firmenphilosophie ist Platz für Fehlschläge. Der Konzern kann es sich mit einem Barbestand von 36,7 Mrd. Dollar locker leisten, neue Wege auszuprobieren und Projekte versanden zu lassen.
Zur Unternehmenskultur gehört auch, dass sich die Angestellten neben ihrer üblichen Arbeit jede Woche Zeit für Projekte abseits ihres Arbeitsschwerpunktes nehmen. Damit fördert der Konzern eine innovative Grundstimmung. Die Bindung von gut Ausgebildeten kostet Geld, das im Endeffekt gut investiert ist. Der Erfolg gibt Google recht.
Die Internetwerbung ist nur noch ein Standbein des Konzerns, Google hat schnell erkannt, wo gewinnträchtige Geschäftsfelder liegen. Mit seinem Einstieg in den Mobilfunk hat der Konzern den wohl wichtigsten Zukunftsmarkt des Internets erschlossen. Das Betriebssystem Android, das auf Smartphones und Tablet-PCs läuft, ist dabei der entscheidende Baustein. Als einzig wirkliche Konkurrenz zu Apples iOS wird das Betriebssystem auf den Geräten laufen, die künftig den maßgeblichen Zugang zum Internet bieten.
Hinzu kommt das durch die Suchmaschine und Internetdienste wie Google Mail erworbene enorme Wissen über die Kunden des Unternehmens. In der Kombination wird der Konzern auf Jahre den Alltag von Millionen Menschen begleiten und in Teilen sogar bestimmen. Für diese Aufgabe braucht es Investitionen - und die kosten Geld. Kurzfristig denkenden Marktteilnehmern, die die hohen Kosten bemängeln, würde Page in seinem Konzern wohl keinen Job geben.
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