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Merken   Drucken   01.12.2010, 10:18 Schriftgröße: AAA

Wikileaks-Gründer: Assange lässt "New York Times" auflaufen

Der von Interpol gesuchte Publizist gilt als eigen. Offenbar passte ihm ein kritisches Porträt der US-Zeitung nicht. Daher musste die "New York Times" sich die Geheimdokumente diesmal woanders besorgen.
© Bild: 2010 reuters
Der von Interpol gesuchte Publizist gilt als eigen. Offenbar passte ihm ein kritisches Porträt der US-Zeitung nicht. Daher musste die "New York Times" sich die Geheimdokumente diesmal woanders besorgen. von Thorsten Schröder und Zacharias Zacharakis, New York
Toll Collect bis Irak Die spektakulärsten Wikileaks- Enthüllungen
Julian Assange war sauer auf die "New York Times". Als der Wikileaks-Gründer der Zeitung im Oktober streng geheime Aufzeichnungen des US-Militärs über den Irakeinsatz zuspielte, war sich diese der Brisanz bewusst. Um nicht unreflektiert zu erscheinen, veröffentlichte sie die Dokumente zwar - stellte dem Artikel aber ein kritisches Porträt des Gründers zur Seite.
Julian Assange gilt als eigen   Julian Assange gilt als eigen
Assange strafte die Zeitung daraufhin mit Missachtung, als Wikileaks nun 250.000 Geheimdepeschen der US-Regierung an ausgewählte Redaktionen verteilte. Um die Berichte trotzdem vorab zu bekommen, wandte sich die "New York Times" an den britischen "Guardian". Dieser half - "um die gute Zusammenarbeit bei früheren Wikileaks-Veröffentlichungen fortzusetzen". Zuvor hatten der Fernsehsender CNN und das "Wall Street Journal" das Material abgelehnt, weil sie sich nicht auf die Konditionen von Wikileaks einlassen wollten.
Kritiker rügten die Kooperation. "Es ist beschämend für die Pressewelt, dass solche Enthüllungen von einer Nichtmedienorganisation kommen", sagt der Journalismusprofessor Mark Feldstein von der George Washington University. Es sei Aufgabe von Reportern, diese Art von Informationen ausfindig zu machen.
Für problematisch hält er aber auch das Vorgehen von Wikileaks: "Solches Material einfach weiterzureichen, ist ein rohes und unausgefeiltes Instrument." Journalisten begännen ihre Recherche erst, wenn ihnen Dokumente zugespielt würden. Das sei im Fall von Wikileaks und der Zusammenarbeit mit mehreren Medien nicht möglich, da diese in Konkurrenz zueinander stünden. "Damit ergibt sich die Gefahr, dass ungefiltertes Material an die Öffentlichkeit gelangt und dies womöglich einzelne Personen gefährden kann."
Auch andere hielten sich mit Kritik nicht zurück. Leser bezeichneten es als "widerwärtig", dass die "New York Times" mit Wikileaks zusammenarbeite. Angesichts der Kritik sah sich das Blatt zur Rechtfertigung gezwungen. "Wir glauben, dass die Dokumente einem wichtigen öffentlichen Zweck dienen", hieß es auf der Internetseite. Die Depeschen zeigten "die Ziele, den Erfolg, die Kompromisse und Frustrationen" amerikanischer Diplomatie in einzigartiger Weise. Man habe das Material sorgfältig geprüft und nur jene Dokumente verwendet, die weder Informanten noch die nationale Sicherheit gefährdeten.
  • FTD.de, 01.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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