| Friendsurance im Überblick |
|---|
| Gründung der Alecto GmbH (Friendsurance): April 2010 |
| Aufnahme des Geschäftsbetriebs: Juni 2011 |
| Produkt: Vermittlung und Rabattierung von Versicherungen mit Hilfe sozialer Netzwerke |
Vertrauen ist die Grundwährung im Versicherungsgeschäft. Ob Berufsunfähigkeit, Haftpflicht für den Dackel oder das Ohrläppchen der Gattin - jährlich bezahlen die Deutschen Beiträge für Eventualitäten, die womöglich niemals eintreten. Sie tun das im Vertrauen darauf, dass im Schadensfall auch bezahlt wird. Gleichzeitig müssen Versicherungen darauf vertrauen können, dass sich das Maß betrügerischer Schadensmeldungen in Grenzen hält.
Die Macher eines Berliner Startups sehen die Chance für eine neue Form des Versicherns im Internet. Freundschaftlicher soll es dabei zugehen, wie schon der Firmenname verspricht: Friendsurance. Das Credo hinter diesen "Freundsicherungen": Klassische Versicherungen sind formal und funktional, Freunde jedoch liebenswert und loyal. "Die sind immer füreinander da", sagt Tim Kunde, einer der vier Gründer und drei Geschäftsführer von Friendsurance.
Wenn ein klassischer Versicherungsvertreter mit schlecht sitzendem Anzug und Haifischlächeln im Aktenhaufen kramt und anfängt, von Freundschaft und Vertrauen zu reden, möchte man als junger Kunde gerne das Weite suchen. Anders ist das, wenn die Makler, in Jeans und Kapuzenpullis gekleidet, an einer Berliner Wurstbude davon erzählen - wie die Jungs von Friendsurance.
Tim Kunde, seine Mitgründer Sebastian Herfurth und Janis Meyer-Plath sowie der neue Geschäftsführer im Bunde, Jens Schumann, lassen sich beim Imbiss "Curry-Mitte" am Berliner Rosenthaler Platz gerade Pommes, Wurst und Zwiebeltopping servieren, als sie nach einem mehrstündigen Besuch der FTD in ihren Geschäftsräumen noch einmal durch die Details ihrer komplexen Geschäftsidee gehen. Deren Kern: Versicherungen, bei denen Freundeskreise für einen Teil der Schäden und ein großes Maß an Ehrlichkeit bürgen.
Eigene Freundeskreise? Nun, gemeint sind Kontakte, die über soziale Netzwerke hergestellt werden - Freunde 2.0, sozusagen. Mit diesem Fokus auf moderne Beziehungen will Friendsurance angestaubte Geschäftsmodelle der Branche auffrischen, zum Nutzen der Versicherten und Versicherungen.
Konkret funktioniert das folgendermaßen: Auf Friendsurance.de schließt ein Nutzer zunächst individuell eine Police für Hausrat, Haftpflicht oder Rechtsschutz ab, die dort von einer Reihe herkömmlicher Versicherungsunternehmen angeboten wird. Nach dem Abschluss schlägt das System Personen vor, die in derselben Versicherungsart einen Vertrag mit Rückzahlungsoption haben. Mit bis zu 15 solcher Personen kann - zum Beispiel über Facebook - ein Versicherungsnetzwerk gebildet werden. Der Vorteil: Macht in einem Kalenderjahr keiner dieser Versicherungsfreunde einen Schaden geltend, erhalten alle einen Teil ihrer Jahresprämie zurück - bis zu 60 Prozent Ersparnis halten die Friendsurance-Macher mit ihrem Modell für möglich. Glaubt man der Modellrechnung, wäre der Effizienzgewinn enorm.
Teil 2: Ein Gründer mit Dachschaden
@Kenner: Vorerst vielen Dank für das Lob zum Artikel. Da freut sich mein Kollege Malte bestimmt, ist ein junger, engagierter Kerl. Was das Geschäftsmodell von Friendsurance betrifft: Ich habe das so verstanden, dass durch dies Versicherungsfreundesgruppen die kleinen Versicherungsbetrügereien deutlich zurückgehen könnten, die offenbar ein großes Problem für Versicherungen sind. Stimmt das, würden alle gewinnen können. Doch ob die Rechnung aufgeht, ist natürlich sehr ungewiss. Sprich: das Ganze ist ein enorm riskantes Geschäftsmodell. Doch ich denke, das wissen auch die Gründer. Liebe Grüße, Thomas