Es gibt Fragen zu den privaten Finanzen, die erfahrene Anleger noch relativ leicht beantworten können: etwa wie das Depot aufgestellt ist, welche Werte sich im Plus befinden und an welche sie lieber nicht erinnert werden wollen. Und auch der aktuelle Stand des Tagesgeldkontos ist ihnen in etwa präsent.
Doch wissen Sie, was Sie in diesem Monat schon mit Ihrer Kreditkarte bezahlt haben? Ob Sie genug für Ihre Altersvorsorge tun? Und ob Sie sich im kommenden Jahr einen Mittelklassewagen und in fünf Jahren eine Weltreise leisten können? Beziehungsweise was Sie im Monat zurücklegen müssen, damit das klappt?
Solche Fragen sind in aller Regel deutlicher schwieriger zu beantworten. Doch so kompliziert ist es gar nicht. Wer seine privaten Finanzen im Blick haben möchte, muss längst nicht mehr auf ein altmodisches Haushaltsbuch zurückgreifen: Ausgefeilte Homebanking-Programme bieten eine umfangreiche Funktionspalette, die dem Verbraucher Bankgeschäfte im Internet, eine detaillierte Finanzanalyse und die Verwaltung des privaten Budgets erleichtern.
Einziges Problem: Der Leistungsumfang und die Bedienerfreundlichkeit der am Markt erhältlichen Software sind sehr unterschiedlich. Welches Programm ist das beste? BÖRSEonLINE hat den Test gemacht: Für welchen Finanztyp ist welche Software geeignet? Wie verständlich ist das Programm? Und wie viel Geld sollte der Verbraucher dafür ausgeben?
Vier Homebanking-Programme führender Hersteller kamen in der Redaktion auf den Prüfstand: Wiso Mein Geld 2012 Professional (Buhl Data Service), Quicken Jubiläumsversion Deluxe (Haufe-Lexware), Star Money 8.0 (Star Finanz) und Geldtipps Homebanking (Akademische Arbeitsgemeinschaft Verlag). Neben den vielfältigen Funktionen zur Kontoführung von Geld-, Kredit- und Bonuskarten haben die Hersteller zahlreiche Extras in die Softwares eingebaut, die für unser Testszenario wichtig waren (siehe Abschnitt: Mitten im Leben). Dazu zählt die Erfassung von Einkaufsbelegen und Tankquittungen, die Budgetplanung auf ein Ziel hin oder die Berechnung der zu erwartenden Lücke bei der Altersversorgung.
"Homebanking-Software lohnt sich vor allem für Kunden, die über mehrere Konten verfügen und mit vielen Umsatzströmen arbeiten", sagt Heidi Melis, Pressereferentin der Hamburger Volksbank. Interessant sind die Programme aber auch für Verbraucher, die Tages- und Festgeldkonten sowie Wertpapierdepots bei mehr als einer Bank haben. Das sieht auch Torsten Klein von der Sparkasse KölnBonn so: "Eine einfache Excel-Tabelle wird den Multibank-Anforderungen nicht gerecht." Und noch ein Aspekt spricht für die Verwendung der Software: Banken speichern Kontobewegungen nur ein halbes Jahr lang. Wer eine zwei Jahre alte Abbuchung noch einmal überprüfen will, muss entweder penibel Buch führen - oder ein Homebanking-Programm installieren. Mit ihm kann der Nutzer seine Kontobewegungen regelmäßig herunterladen und auf der Festplatte sichern.
Zwischen 15 und 80 Euro kostet die elektronische Finanzkontrolle, doch die Investition zahlt sich aus: Wer einen besseren Überblick über seine Einnahmen und Ausgaben hat, bekommt auch schnell ein Gespür für Einsparpotenziale.
Dreh- und Angelpunkt aller Programme ist der Onlinezugriff auf die Konten des Nutzers. Hierfür ist pro Kreditinstitut eine einmalige Freischaltung erforderlich, die es der Software erlaubt, die Daten zu übertragen. Führt der Verbraucher mehrere Konten und Depots bei einer Bank, greifen die meisten Programme automatisch darauf zu. Nur bei Geldtipps kommt der Nutzer um die manuelle Erfassung nicht herum. Sind alle Konten eingespeist, ist es für den Anwender ein Kinderspiel, aus der Software heraus Überweisungen und Daueraufträge durchzuführen oder den Stand aller gelisteten Konten abzurufen. Umständliche Besuche auf den einzelnen Websites der Banken entfallen damit.
Ohne Informationen kann die Software die Finanzen des Nutzers aber nicht auswerten. Wer also seine Haushaltskasse digitalisieren will, kommt ohne Ausdauer und einen gewissen Hang zur Akribie nicht aus - Quittungen müssen manuell eingetragen werden. Einkaufsbelege mit dem Smartphone abzufotografieren und ins System einzuspeisen funktioniert noch nicht. "Eine automatische Erfassung wäre natürlich ein Traum, ist aber auch in der neuen Wiso-2013-Version leider noch nicht enthalten", sagt Thomas Matena von Buhl Data Service. Daran arbeiteten die Entwickler jedoch mit Hochdruck.
Verfügt das Programm erst einmal über eine Reihe von Daten, kann es losgehen: Die grafische Darstellung von Einnahmen und Ausgaben, die alle Softwares anbieten, verschafft einen klaren Überblick über die finanzielle Lage. Finanzcoach Stefanie Kühn aus München bittet ihre Mandanten gelegentlich zu Beginn einer Beratung, die privaten Finanzen mit einer Homebanking-Software zu erfassen. "Auf einen Blick ist alles zu sehen", lobt Kühn die Programme, "und solch ein guter Überblick über die Finanzen ist entscheidend für eine erfolgreiche Geldanlage."
Mit ein paar Klicks kann der Nutzer seine Geldströme in Kategorien unterteilen, sodass die Software die Gehaltszahlung als solche erkennt oder Ausgaben für Kino, Restaurant und Bücher als Kosten für die Freizeit identifiziert. Allerdings: Nicht alle Programme machen die Zuweisung von Kategorien einfach. Bei Quicken etwa ähnelt die Liste einer recht detaillierten Excel-Tabelle - die Zuordnung dauert hier deutlich länger als bei Wiso oder Star Money. Die Mühe lohnt sich vor allem bei Star Money: Sind die Kategorien erst mal zugewiesen, lässt sich für jede ein Report über einen beliebigen Zeitraum erstellen. Wer hier persönliche Obergrenzen formuliert, stellt am Ende des Monats schnell fest, wenn er über seine Verhältnisse gelebt hat.
Zwei Partner, und jeder hat zwei oder mehr Konten plus ein oder mehrere Wertpapierdepots? Mit der Hand gerechnet, wird eine Familienbilanz da schnell mühsam. Mit den getesteten Programmen ist der Überblick dagegen eine Sache von Minuten. Bei Quicken etwa können beliebig viele Konten angelegt und eine Auswahl davon zur Analyse herangezogen werden. So ergibt sich das Gesamtvermögen des Paares. Mit den Geldtipps geht das auch; allerdings laufen hier alle Personen eines Haushalts unter einem Benutzernamen. Wer seinen Partner mit einem kostspieligen Geschenk überraschen will, hat schlechte Karten. Bei Star Money wiederum können die Nutzer individuelle Konten anlegen und diese mit eigenen Passwörtern sichern.
Ein neues Auto ist geplant, aber die Finanzierung ist noch unklar? Wem es so geht wie dem Ehepaar in unserem Testszenario, der kann sich von den Homebanking-Softwares einen Budgetplan erstellen lassen. Star Money wartet im Menüpunkt "Finanzierung" mit einer detaillierten Berechnung von Krediten auf - nützlich, falls die Cash-Kasse das Auto bis zum anvisierten Termin doch nicht hergibt. Bei der Konkurrenz gab es Probleme: Erst mithilfe der Hotline war bei Wiso Mein Geld zu finden, wo die Berechnung mit Laufzeit, Raten und Zinssatz erfolgt.
Versteckte Funktionen und überladene Benutzeroberflächen erschweren den Umgang mit den Homebanking-Softwares. Während die Geldtipps mit einer spartanischen Maske und wenig zusätzlichen Analyseinstrumenten auskommen, konfrontiert Haufe-Lexwares Quicken den Nutzer mit einer Vielzahl von Icons und Schaltflächen. Für einen realitätsgetreuen Finanzplan mag das noch sinnvoll erscheinen. Für den Anwender, der sich einen schnellen Report seiner Konten, Überweisungsfunktion und ab und zu ein Budget für ein konkretes Projekt wünscht, dürfte es zu viel sein. Da hilft auch das Videointerview nicht, mit dem Quicken den Nutzer am Anfang durch das Programm lotst. Durch Übersichtlichkeit glänzen dagegen Wiso Mein Geld, Star Money und Geldtipps.
Phishing-Attacken und Hacking sind PC-Probleme, die bei der Verwendung des HBCI-Standards (siehe Kasten) meist erfolglos bleiben. Angebote der Softwarehersteller, PINs und TANs in einem im Internet gelagerten und mehrfach gesicherten Tresor zu speichern, sollte der Nutzer aber auf jeden Fall ausschlagen: "In den Geschäftsbedingungen von fast allen Banken ist die Speicherung von Zugangsdaten bei Dritten, also auch Onlinetresoren, ausgeschlossen. Wer seine PIN dennoch dort hinterlegt, riskiert den Haftungsausschluss der Bank", warnt Dirk Althoff, Sprecher von Cortal Consors.
| Der Sicherheitsstandard beim Onlinebanking trotzt den Hackern |
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| Homebanking Computer Interface (HBCI) ist ein Verfahren für das Banking von der heimischen Couch. Dabei werden Sicherheitsvorkehrungen, Übertragungsprotokolle und Nachrichtenformate auf einen einheitlichen Standard gebracht, der von Der Deutschen Kreditwirtschaft zertifiziert wurde. Zusätzliche Hardware ist in der einfachsten Version nicht erforderlich. Das System arbeitet - wie bei Banken üblich - mit PIN und nummerierten oder sogenannten Mobile TANs, die nach Bedarf per SMS verschickt werden. Die Onlineanfrage wird über ein verschlüsseltes Internetprotokoll (HTTPS) an die Bank gesendet. Wer noch mehr Sicherheit will, kann sich eine Chipkarte seiner Bank und einen externen Kartenleser besorgen: Auf der Karte ist ein persönlicher Schlüssel gespeichert, der vom Lesegerät erfasst und an die Bank übermittelt wird. Nach dem aktuellen Sicherheitsstandard, demzufolge das Lesegerät eine Firewall enthalten muss, schließt der Kunde seine Transaktion zusätzlich mit der PIN-Eingabe ab. Hacker sind bislang an diesem Verfahren gescheitert - der Code auf der Chipkarte ist kaum zu knacken. |
| Ein junges Ehepaar wendet die Programme auf seine Finanzen an |
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| Zwei Girokonten, mehrere Kreditkarten, ein Wertpapierdepot bei einem Onlinebroker und ein gut frequentiertes Kundenkonto bei Amazon - bei unserem Testehepaar bringt der Briefträger fast täglich Rechnungen und Abrechnungen. Das Paar ist Ende 20 und hat am Ende des Monats wegen seiner Hobbys nicht mehr allzu viel Geld übrig, will sich aber im nächsten Jahr für rund 25 000 Euro ein neues Auto kaufen. Wie viel es dafür zurücklegen muss und wo es an anderer Stelle sparen kann, ist dem Paar nicht klar. Das Geld soll aber nicht aus dem Depot entnommen werden. Zudem würden die Eheleute ihre Einnahmen und Ausgaben gern gezielt verwalten. Sie haben aber keine Zeit, Quittungen aus dem Supermarkt abzuheften und Monatsbudgets in einem Haushaltsbuch zu notieren. Diese Probleme schnell zu lösen versprechen diverse Homebanking-Softwares. |
| In unserem Test sollen die Programme neben den Girokonten auch die Vorgänge auf den Tagesgeldkonten der beiden Vollverdiener überwachen und diese länger abspeichern, als es bei Banken üblich ist - hier werden Transaktionen nicht länger als sechs Monate angezeigt. Das Paar legt Wert auf getrennte Kontoführung, will aber dennoch wissen, wie es um das gemeinsame Vermögen steht. Die Software sollte daher die Möglichkeit bieten, einzelne Konten zu kontrollieren sowie den Habenstand in einer Bilanz zusammenzufassen. |
| Über die Rente hatten sich die jungen Eheleute mit Ausnahme der Anlage in Wertpapiere bislang kaum Gedanken gemacht. Das soll jetzt anders werden: Die beiden Tester möchten einen monatlichen Betrag festlegen, über den sie im Alter verfügen können, und wollen dazu wissen, wie viel der Staat im Jahr des Renteneintritts dazugibt. Außerdem wollen sie mehr über die verschiedenen Varianten der privaten Altersvorsorge erfahren, ohne dafür im Feierabend etliche Fachbücher lesen zu müssen. |
Und das Ergebnis? Testsieger werden Star Money 8.0 und Wiso Mein Geld 2012 Professional. Beide Programme überzeugen mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche; der Nutzer findet sich intuitiv zurecht. Haufe-Lexwares Quicken ist ein gutes Produkt, erscheint aber zu komplex und unübersichtlich, um den erwünschten Nutzwert in einer angemessenen Zeit zu erbringen - zumal keine Bedienungsanleitung dabei ist und der Nutzer sich durch Hinweise im Programm klicken muss.
Ein solides Paket zu einem unschlagbar günstigen Preis stellt Geldtipps dar: Die Software konzentriert sich ohne viele Extras auf das Erfassen der Einnahmen und Ausgaben - die einfachste Digitalisierung des Haushaltsbuchs, die wir getestet haben.
