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Merken   Drucken   29.12.2011, 10:55 Schriftgröße: AAA

Start ins All: Sojus-Rakete bricht Pannenserie

Nur fünf Tage nach einem Fehlstart hebt Russlands Erfolgsrakete Sojus wieder einwandfrei in Richtung Weltraum ab. Darüber freuen sich auf der Erde viele, im All sechs Menschen.
© Bild: 2011 FTD.de/dpa/Bildfunk/Roscosmos Handout
Nur fünf Tage nach einem Fehlstart hebt Russlands Erfolgsrakete Sojus wieder einwandfrei in Richtung Weltraum ab. Darüber freuen sich auf der Erde viele, im All sechs Menschen. von Gerhard Hegmann  München
Russlands meistverwendete Trägerrakete Sojus kann doch sehr präzise Nutzlasten ins Weltall transportieren. Nur fünf Tage nach einem Fehlstart mit einem militärisch-zivilen Kommunikationssatelliten hob die Rakete in der Nacht zum Donnerstag in Baikonur in Kasachstan wieder pünktlich ab und funktionierte einwandfrei. Es war der 1784. Flug einer Sojus-Rakete, die Menschen, Fracht oder Satelliten in den Weltraum bringen kann.
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Beim jüngsten Start wurden sechs Telekommunikationssatelliten für den US-Konzern Globalstar in den Weltraum befördert. Für alle Beteiligten, darunter den europäischen Raketenvermarkter Arianespace sowie Globalstar war der Flug eine große Erleichterung, weil die jüngste Pannenserie den zuverlässigen Ruf von Russlands Raketenindustrie in Zweifel zu ziehen schien.
Binnen 13 Monaten gab es sechs fehlgeschlagene Missionen, darunter zwei Sojus-Fehlstarts. Selbst die leistungsstärkste russische Proton-Rakete hatte vor einem Jahr einen Fehlstart, weil sie mit einer falschen Treibstoffmenge betankt wurde. Vor wenigen Tagen, am 26. Dezember, wurde eine Proton-Mission für den europäischen SES-Konzern kurz vor dem Start abgebrochen, weil es technische Probleme in der Raketen-Oberstufe gab. In 25 Tagen soll es einen neuen Versuch geben. Für viele Beobachter ist die Pannenserie ein Indiz für Qualitätsmängel und menschliches Versagen in Russlands Raumfahrtindustrie.
Lebensmittel für Astronauten auf der ISS
Über den nunmehr wieder erfolgreichen Sojus-Start dürften sich nicht nur die Verantwortlichen auf der Erde, sondern auch die sechs Besatzungsmitglieder in der internationalen Raumstation ISS freuen. Nur wenn die Sojus-Rakete funktioniert, können sie mit Lebensmittel, Wasser und Sauerstoff versorgt und von der Raumstation abgeholt werden.
So verunglückte am 24. August ein Sojus-Flug zur Internationalen Raumstation mit Versorgungsgütern in einer Progress-Kapsel. Ursache war ein Defekt in einem Gasgenerator in der dritten Stufe. Die Folge war eine mehrwöchige Unterbrechung aller Sojus-Flüge.
Die Experten unterscheiden verschiedene Versionen der Sojus-Rakete. So kam bei dem jüngsten Fehlschlag der Rakete am 23. Dezember die Version 2-1a mit einer leistungsstärkeren Oberstufe zum Einsatz, die versagte. Raketenteile und Trümmer des Meridian-Satelliten stürzten in Sibirien ab.
Die jetzt wiederum erfolgreiche Version Sojus 2-1b verwendet eine andere Oberstufe und ein wiederzündbares Triebwerk zum Aussetzen der sechs Globalstar-Satelliten. Für den Raketenvermarkter Arianespace, der sowohl die in Europa gebaute Ariane-Rakete als auch die in Russland gebaute Sojus-Rakete für Raumtransporte anbietet, war die Mission sehr wichtig. Zum einen konnte dem US-Großkunden Globalstar erneut bewiesen werden, dass sich mit einem Start sechs jeweils 700 Kilo schwere Satelliten ins All transportieren lassen. Ein gutes Argument für weitere Aufträge. Zum anderen war es auch ein Vertrauensbeweis in Russlands Raumfahrttechnik. Allerdings dürften erst die nächsten Starts wirklich zeigen, ob die Pannenserie tatsächlich gerissen ist.
  • FTD.de, 29.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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