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Robo-Advisors2018-11-19T22:24:47+00:00

Was versteht man unter einem Robo-Advisor?

Ein Robo-Advisor trifft eigenständig Anlageentscheidungen ohne menschlichen Eingriff. (Foto: Fotolia)

Einer der Megatrends ist im Finanzbereich aktuell die Online-Vermögensverwaltung. Die jeweiligen Anbieter sind vor allem FinTechs und werden landläufig als Robo-Advisors bezeichnet. Meistens, aber nicht immer, handelt es sich bei den Robo-Advisors um digitale Vermögensverwalter. Manchmal existiert jedoch nicht die benötigte Erlaubnis seitens der BaFin, sodass es sich lediglich um Finanzanlagenvermittler handelt. Wir möchten uns in diesem Beitrag mit den Anbietern beschäftigen, die eine Online-Vermögensverwaltung zur Verfügung stellen.

Robo-Advisors – digitale Vermögensverwalter erobern den Finanzmarkt

Den Namen Robo-Advisor könnte man etwas weiter gefasst mit „automatische Programme“ übersetzen, die Anweisungen geben bzw. Vorschläge machen. Diese Übersetzung trifft im Kern schon sehr gut das, was solche Anbieter in der Praxis tun. Die wesentliche Aufgabe eines Robo-Advisor, der die digitale Vermögensverwaltung im Angebot hat, besteht nämlich darin, dem Anleger Vorschläge für ein optimal strukturiertes Portfolio im Rahmen seiner Kapitalanlage zu unterbreiten. Dazu greifen zahlreiche Anbieter auf automatische Systeme zurück, die vor allem auf Basis finanzmathematischer Algorithmen arbeiten. Diese Systeme suchen beispielsweise die Aktien oder Indexfonds heraus, die mit sehr guten Aussichten ausgestattet sind.

Im Wesentlichen besteht die Aufgabe des Robo-Advisors demzufolge darin, die für den Anleger individuell am besten geeignete Portfoliostruktur zu finden, und anschließend die Vermögensverwaltung des Kunden zu übernehmen. In dieser Hinsicht unterscheiden sich digitale Vermögensverwalter also nicht von klassischen Vermögensverwaltern, die sich insbesondere bei den etablierten Banken als gesonderte Abteilung vorfinden. Lediglich die Tatsache, dass Robo-Advisors ausschließlich online arbeiten, unterscheidet die Anbieter gravierend von den klassischen Vermögensverwaltungen. Darüber hinaus gibt es allerdings noch einige weitere Unterschiede, auf die wir im folgenden Abschnitt näher eingehen möchten.

Neben der Tatsache, dass Robo-Advisors ausschließlich online agieren und klassische Vermögensverwaltungen meistens die Chance bieten, dass Sie als Kunde den Vermögensverwalter persönlich in der Geschäftsstelle aufsuchen können, gibt es noch einige weitere Unterschiede. Ein gravierender Unterschied zwischen digitaler und klassischer Vermögensverwaltung besteht darin, dass die Robo-Advisors in aller Regel eine deutlich geringere Mindestanlagesumme fordern, als es bei den Vermögensverwaltungen der Banken der Fall ist. Während Sie bei einer klassischen Vermögensverwaltung nicht selten mindestens 500.000 Euro, manchmal sogar mehr als eine Million Euro anlegen müssen, bewegen sich die Mindestanlagesummen bei den digitalen Vermögensverwaltern durchschnittlich zwischen 1.000 Euro und 10.000 Euro. Somit wird auch eine viel größere Kundenzahl angesprochen, denn selbst Kleinanleger können in der Regel wenige Tausend Euro investieren.

Ein weiterer Unterschied zwischen der klassischen und der digitalen Vermögensverwaltung besteht darin, dass die Kosten bei den Robo-Advisors durchschnittlich betrachtet geringer als bei klassischen Vermögensverwaltern sind. Bei einer klassischen Vermögensverwaltung zahlen Sie nicht selten mehr als zwei Prozent Gebühren im Jahr, während sich die durchschnittlichen Kosten bei Robo-Advisors momentan – natürlich je nach Anbieter – zwischen 0,7 und 1,6 Prozent bewegen.

Eine weitere Eigenschaft der Online-Vermögensverwalter besteht darin, dass im Anmeldeprozess eine meistens sehr ausführliche Befragung der Kunden stattfindet. Anhand des sogenannten Onboardings, einer Online-Befragung, versucht der Anbieter so herauszufinden, wie Ihr Verhältnis zu Chance und Risiko ist. Es wird demzufolge aufgrund Ihrer Angaben ein Risikoprofil erstellt, auf dessen Grundlage der digitale Vermögensverwalter dann die passenden Anlagenvorschläge bzw. das passende Portfolio unterbreiten kann.

Zu den Fragen, die bei einem solchen Onboarding meistens gestellt werden, zählen beispielsweise:

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Anlageprodukten?
  • Haben Sie schon einmal in Wertpapiere investiert?
  • Wie wichtig ist Ihnen eine hohe Sicherheit?
  • Möchten Sie auch auf Kosten eines höheren Risikos eine überdurchschnittliche Rendite erzielen?
  • Welches Anlagevermögen steht zur Verfügung?
  • Favorisieren Sie bestimmte Wertpapiere?

All diese Fragen helfen dabei, dass der Robo-Advisor möglichst optimal einschätzen kann, welches Portfolio am besten zu Ihren Zielen und Wünschen passt.

Wie bei nahezu allen Angeboten im Finanzbereich, sollten Sie auch bei den Robo-Advisors zunächst einen Vergleich der Anbieter vornehmen, bevor Sie sich für einen digitalen Vermögensverwalter entscheiden. Bei solchen Vergleichen sollten Sie beispielsweise die Kosten gegenüberstellen, sich die genutzten Strategien betrachten und auch Punkte wie Kundenservice und Transparenz mit einfließen lassen. Wenn Sie sich dann für einen bestimmten Anbieter entschieden haben, müssen Sie sich zunächst über dessen Webseite anmelden.

Die weiteren Vorgänge gliedern sich dann in die folgenden Schritte:

  1. Onboarding durchführen (Fragebogen online ausfüllen)
  2. Portfoliovorschlag erhalten
  3. Vorgeschlagenes Portfolio wählen oder ein anderes Portfolio selektieren
  4. Bestätigung durch Anbieter abwarten
  5. Gewünschte Anlagesumme transferieren
  6. Regelmäßiges Reporting abrufen

Wenn Sie sich für einen Robo-Advisor entschieden haben, melden Sie sich also zunächst über dessen Webseite an und füllen den bereits angesprochenen Online-Fragebogen aus. Im Anschluss daran können Sie entweder das vorgeschlagene Portfolio wählen oder, falls Sie doch gerne eine andere Portfoliostruktur haben möchten, natürlich auch ein alternatives Portfolio selektieren. Anschließend warten Sie die Bestätigung des Robo-Advisor für die Anmeldung und die Auswahl ab, um dann im nächsten Schritt den gewünschten Anlagebetrag zu transferieren. Die meisten digitalen Vermögensverwalter geben ein regelmäßiges Reporting ab, Sie können aber für gewöhnlich auch jederzeit durch Einloggen ins Systems den aktuellen Stand Ihres Portfolios und der damit verbundenen Wertentwicklung abrufen.

Eine sehr interessante Frage besteht im Zusammenhang mit den Robo-Advisors darin, ob sich die Anbieter eigentlich – außer in den Konditionen und der Mindesteinlage – noch durch andere Aspekte unterscheiden. Dies ist mittlerweile tatsächlich so, denn insbesondere in den letzten Monaten tritt eine Gruppe von neuen Online-Vermögensverwaltern am Markt immer öfter auf. Es handelt sich dabei um digitale Vermögensverwalter, die nicht mehr ausschließlich auf finanzmathematische Algorithmen und ETFs setzen, sondern stattdessen menschliches Know-how einbeziehen. Darüber ermöglichen sie oftmals auch das Investment in einzelne Aktien.

Man muss vielleicht etwas weiter ausholen, um die Entwicklung zu verstehen. In den Anfängen war es so, dass die ersten Robo-Advisors fast alle auf Grundlage finanzmathematischer Berechnungen die Auswahl der Anlageprodukte und Portfolios durchgeführt haben. Zudem arbeiteten die Online-Vermögensverwalter bis vor rund einem Jahr nahezu alle ausschließlich mit Exchange Traded Funds, da diese mit besonders geringen Kosten ausgestattet sind. In der letzten Zeit fällt allerdings auf, dass es am Markt immer mehr sogenannte hybride Robo-Advisors gibt. Diese digitalen Vermögensberater verlassen sich eben nicht mehr ausschließlich auf finanzmathematische Algorithmen, die eine Anlageentscheidung treffen. Stattdessen wird auf menschliche Experten zurückgegriffen, die zum Beispiel Vorschläge des automatisierten Prozesses überprüfen oder selbst aussichtsreiche Wertpapiere auswählen.

Ein weiterer Unterschied zu den ersten digitalen Vermögensverwaltern besteht bei neuen Anbietern häufig darin, dass diese nicht mehr ausschließlich oder gar nicht mehr mit ETFs arbeiten, sondern stattdessen mit aktiv gemanagten Fonds und Aktien. Neben den Finanzprodukten, die im Portfolio enthalten sind und der Grundlage für die Anlageentscheidung unterscheiden sich die am Markt tätigen Robo-Advisors zudem danach, ob sie eine aktive oder passive Strategie verfolgen. Die passive Strategie wird meistens noch durch ETFs umgesetzt und es findet in dem Zusammenhang ein Rebalancing statt. Dies bedeutet, dass das Portfolio in regelmäßigen Abständen immer wieder so konstruiert wird, wie es zu Anfang gewesen ist. Die aktive Strategie beinhaltet einerseits mehr Risiken, aber auch mehr Chancen auf überdurchschnittliche Erträge. Umgesetzt wird diese meistens mit Einzelaktien und / oder aktiv gemanagte Fonds.

Digitale Vermögensverwalter möchten bewusst eine Alternative zu den klassischen Vermögensverwaltungen sein. Dennoch sind die Online-Vermögensberater natürlich nicht für jeden Anlegertyp die optimale Wahl. Zunächst einmal sprechen Robo-Advisors natürlich vor allem Kleinanleger und Kunden mit einem mittleren Vermögen an, denn diese haben aufgrund der hohen Mindestanlagesummen meistens gar keine Chance, eine klassische Vermögensverwaltung zu nutzen. Ebenfalls angesprochen werden solche Kunden, die besonders preissensibel sind und die daher nicht zwei oder mehr Prozente jährlich für die Nutzung einer klassischen Vermögensverwaltung vor Ort zahlen möchten.

Darüber hinaus gehören aber natürlich auch vermögende Privatkunden und institutionelle Anleger zu Zielgruppe der digitalen Vermögensverwalter. Für Sie als Anleger ist eine digitale Vermögensverwaltung also insbesondere unter den folgenden Voraussetzungen optimal geeignet und im Vergleich zur klassischen Vermögensberatung häufig die bessere Alternative:

  • Geringe Kosten sind wichtig
  • Mindesteinlagesumme soll nicht hoch sein
  • Vermögensverwaltung soll digital und modern sein
  • Persönliche Beratung bzw. persönlicher Kontakt ist nicht wichtig

In der jungen Vergangenheit gab es durchaus schärfere Kritik an den digitalen Vermögensverwaltern, beispielsweise seitens Finanztest. Dort wurde unter anderem innerhalb eines Tests bemängelt, dass die Anlagevorschläge nicht individuell genug seien oder dass keine individuelle Beratung bzw. Betreuung durch die digitalen Vermögensberater stattfinden würde. Größere Teile dieser Kritik sind nicht ganz nachvollziehbar, denn immerhin arbeiten viele Online-Vermögensverwalter mit 10 bis 20 unterschiedlichen Strategien bzw. Portfolios und befragen die Kunden im Rahmen des Onboarding sehr ausführlich. Somit ist es in aller Regel über einen Robo-Advisor genauso wie über eine klassische Vermögensverwaltung möglich, einen zumindest relativ individuellen Anlagevorschlag zu erhalten.

Der zweite Kritikpunkt, nämlich die fehlende Beratung bzw. Betreuung, ist ebenfalls nicht ganz nachvollziehbar. Der Unterschied zwischen einer Vermögensverwaltung – sei es online oder offline – und einer Vermögensberatung ist nämlich, dass der Kunde bei einer Verwaltung seines Vermögens in aller Regel gar keine Betreuung und Beratung wünscht. Stattdessen möchte er es dem Vermögensverwalter überlassen, was mit seiner Investitionssumme geschieht. Bei der Vermögensberatung ist es hingegen so, dass ausdrücklich eine Beratung gewünscht ist und der Anleger anschließend meistens selbst die Anlageentscheidungen trifft. Somit arbeiten klassische und digitale Vermögensverwaltung bezüglich der Betreuung und Beratung ganz ähnlich, sodass Robo-Advisors diesbezüglich kein schlechteres Bild abgeben.

Fazit: Anbieter vergleichen und digital Vermögen verwalten lassen

Dass Robo-Advisors ein echter Trend am Finanzmarkt sind, zeigt die deutlich wachsende Anzahl von Anbietern. Zudem ist eine Entwicklung in der Branche zu erkennen, die etwas weg von den rein finanzmathematischen Algorithmen als Entscheidungsbasis für die Kapitalanlage geht, hin zu hybriden Robo-Advisors. Für Anleger empfiehlt es sich, die Angebote genau zu betrachten, zu vergleichen und den digitalen Vermögensverwalter zu wählen, der am besten zu den eigenen Zielen und Vorstellungen passt. Für viele Anleger können Robo-Advisors eine echte Alternative sein, insbesondere unter der Voraussetzung, dass man Kosten sparen möchte und keine höheren sechs- oder siebenstelligen Investitionssummen zur Verfügung hat.

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