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Merken   Drucken   05.08.2011, 11:46 Schriftgröße: AAA

EZB-Direktorium: Weidmanns einsame Rufe

Bundesbankpräsident Jens Weidmann ist allein auf weiter Flur. Egal was der Chef der wichtigsten Notenbank der Euro-Zone sagt: Politiker und Zentralbankkollegen machen das Gegenteil. Dadurch wirkt das Agieren des Hardliners ziemlich unglücklich.
© Bild: 2012 Reuters/THOMAS PETER
Bundesbankpräsident Jens Weidmann ist allein auf weiter Flur. Egal was der Chef der wichtigsten Notenbank der Euro-Zone sagt: Politiker und Zentralbankkollegen machen das Gegenteil. Dadurch wirkt das Agieren des Hardliners ziemlich unglücklich. von Frank Bremser  Frankfurt
Stell Dir vor, Du bist der Chef der wichtigsten Notenbank der Euro-Zone, und keinen interessiert, was Du sagst. So ähnlich ist die Situation derzeit für Jens Weidmann, den Chef der Deutschen Bundesbank. Seit langem opponiert der Nachfolger von Axel Weber  gegen viele Aktionen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Krisenbekämpfung - doch seine Kollegen im Präsidium und die Politik sehen alles ganz anders. Jüngstes Beispiel ist die Entscheidung der EZB, ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen wieder aufzunehmen.
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Die Entscheidung sei nicht einstimmig gefallen, gestand EZB-Präsident Jean-Claude Trichet  in der Pressekonferenz ein. Eine Gegenstimme ist klar. Weidmann hatte wegen der EZB-Ratssitzung seinen Urlaub unterbrochen und war nach Frankfurt zurückgekehrt - um Nein zu sagen. Eigentlich war geplant gewesen, dass Weidmanns Stellvertreterin, Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger, zu der Sitzung kommt.
Die Bundesbank hatte sich bereits unter Axel Weber im Mai vergangenen Jahres gegen den Aufkauf von Staatsanleihen ausgesprochen. Dadurch war es zu Unstimmigkeiten mit Trichet und anderen EZB-Führungsmitgliedern gekommen. Weber hatte bei seiner Ablehnung von Bond-Käufen im vergangenen Jahr argumentiert, dass sie Risiken für die Stabilität bedeuteten.
Jürgen Stark, EZB-Ratsmitglied und früherer Bundesbank-Vizepräsident, hatte damals gesagt, dass er die Haltung Webers unterstütze. Dementsprechend stimmte Nachrichtenagenturen zufolge auch Stark gegen das Programm, ebenso wie zwei der vier Vertreter aus den Benelux-Staaten. Zu vermuten ist, dass es der niederländische Notenbanker Klaas Knot und Yves Mersch, Chef der Banque centrale du Luxembourg, waren.
"Wir haben eine Regel, die besagt, dass wir mit einer Stimme sprechen, sobald eine Entscheidung getroffen wurde", sagte Trichet im Anschluss an die Sitzung in einem Interview. Weltweit würden Entscheidungen bei Zentralbanken eher mehrheitlich als einstimmig gefällt, fügte er hinzu.

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  • FTD.de, 05.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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