Wenn Ebay-Chef John Donahoe Ärger hat, sagt er Dinge wie diese: "Ich habe gesagt: ,Ich hoffe, dass Du sehr erfolgreich bei Yahoo wirst.‘" Und: "Das ist doch keine große Sache." Dabei ist es durchaus ein bedeutsames Ereignis, wenn man nach sieben Jahren den Chef der erfolgreichen Tochtergesellschaft verliert, so wie es Donahoe gerade mit dem Paypal-Chef Scott Thompson ergeht.
Paypal wächst nämlich deutlich im Gegensatz zum Ebay-Stammgeschäft. Da würde es sich unter Umständen lohnen, die Tochter abzuspalten und separat an der Börse zu notieren - zu einem potenziell höheren Kurs. Dass Thompson die Bezahlsparte des Onlinekaufhauses verlässt, werten Analysten als Zeichen, dass Paypal der Mutter angedockt bleibt. Schließlich wechselt er laut Donahoe zu Yahoo, weil er Vorstand sein will. So ein Posten ist aber eben bei Paypal in nächster Zeit nicht zu haben.
Thompson verlässt das Unternehmen in einer Zeit, in der das Geschäft der Geldsubstitute im Umbruch ist: Die Zukunft wird mobilen Zahldiensten, also dem Zahlen per Smartphone, zugeschrieben. Für 2011 gingen die Analysten des Marktforschers Gartner davon aus, dass weltweit 141 Millionen Menschen mit einer solchen Technologie rund 86 Mrd. Dollar umsetzen. Noch keine Flächendeckung, aber ein vielversprechender Anfang. "Der Markt steckt noch in den Kinderschuhen", sagt Thomas Husson, Analyst beim Marktforscher Forrester. Einige Hürden gilt es noch zu nehmen: Zum einen bauen die meisten mobilen Zahltechniken darauf, dass die Mehrzahl der Nutzer ein Smartphone besitzt. Da rechnet Forrester für die USA für 2015 mit einer Marktabdeckung von 57 Prozent. Ein weiteres Problem: Wenn es ums Geld geht akzeptierten die Menschen neue Methoden nur sehr zögerlich.
Allerdings hat Paypal damit Erfahrung. Das Unternehmen ist bei Onlinezahlungen führend und hat dieses System überhaupt erst etabliert. Jetzt geht es darum, diesen Vorteil nicht zu vergeben. Paypal sei als Marke stark, meint Analyst Husson und habe einen großen Kundenstamm. Im Oktober prognostizierte Ebay-Chef Donahoe für 2011 ein Transaktionsvolumen im mobilen Bereich von 3,5 Mrd. Dollar - nach 750 Mio. Dollar im Jahr zuvor.
Teil 2: Digitales Portemonnaie auch für andere interessant