Das ist es also, das neue iPhone. Keine Revolution; die wichtigsten Details waren schon vor der Präsentation von Konzernchef Tim Cook bekannt. Mit dem Gerät holt Apple technisch zur Konkurrenz auf - mehr aber auch nicht.
Das Design - unspektakulär. Die Rückseite aus Aluminium statt aus Glas, reine Geschmackssache. Es ist flacher und leichter, das sind klare Pluspunkte. Dass der Kopfhöreranschluss an die Unterseite gewandert ist, wird einige Nutzer freuen, andere werden sich ärgern. Im Grunde ist auch das eher eine Designfrage.
Die wichtigste Neuerung ist die Abkehr vom 3,5-Zoll-Bildschirm. Das neue Display mit vier Zoll im 16:9-Format und einer Auflösung von 1136 x 640 Pixeln spielt vor allem beim Konsumieren von Videos und Fotos oder beim Websurfen seine Stärken aus. Auch die Navigation mit dem neuen eigenen Kartendienst ist in dem neuen Format sicher angenehmer.
Problematischer wird es für die Entwickler: Sie müssen ihre Apps anpassen. Zwar laufen die alten Programme auch auf dem neuen Gerät, doch haben sie schwarze Balken an den Seiten. Allerdings wird es nicht lange dauern, bis die Programmierer ihre Software angepasst haben. Die Konkurrenz bietet schon länger die unterschiedlichsten Displaygrößen. Hier geht der Trend zu immer größeren Bildschirmdiagonalen.
Das sind auch schon die augenfälligsten Neuerungen. Viel mehr verbirgt sich im Inneren. Der neue A6-Prozessor soll laut Apple doppelt so schnell sein wie dessen Vorgänger. Das neue iPhone braucht ordentlich Rechenpower, um Aufgaben wie Navigation, Bildbearbeitung und die Aufnahme von Fotos zu erledigen. Hinzu kommt der Sprachassistent Siri, der zwar die Anfragen über Apple-Server erledigt, die Sprachsteuerung aber über den Chip des Geräts laufen lässt.
Verbessert hat Apple zudem die Akkuleistung auf acht Stunden Sprechzeit. Dafür ist unter anderem der stromsparendere Prozessor verantwortlich. Angesichts des schmaleren Formfaktors und der verbesserten Leistung ist Apple damit zwar eine Gratwanderung geglückt - Konkurrenten wie das S III von Samsung schaffen allerdings bis zu zehn Stunden.
Dass das iPhone LTE mitbringt, ist im Vergleich zur Konkurrenz längst überfällig, dass es im Gegensatz zum neuen iPad auch weltweit funktioniert, eine Selbstverständlichkeit.
Allerdings bieten nicht alle Mobilfunkanbieter die nötigen Frequenzen. In Deutschland baut allein die Telekom das nötige Frequenzband mit 1800 Megahertz aus - und das auch nur in Großstädten. O2 und Vodafone setzen dagegen auf 800 und 2600 Megahertz. Deren Kunden müssen sich beim iPhone mit HSDPA begnügen. Allerdings sind auch die Preise für den schnellen Datenfunk mit bis zu 75 Euro monatlich bei der Telekom nicht nach jedermanns Geschmack.
Was das iPhone 5 dagegen nicht kann, ist die Nahfunkübertragung NFC, mit der beispielsweise drahtloses Bezahlen oder Kontaktaustausch möglich ist.
Derzeit sind die Anwendungen dafür noch nicht weit verbreitet. Daher spart Apple sich den Dienst wohl für die nächste Generation auf und liegt hiermit ebenfalls hinter der Konkurrenz zurück. Mit der Passbook genannten Funktion zum Verwalten von Kundenkarten oder Flugtickets hat der Konzern zumindest den Grundstein dafür gelegt.
Die Kamera kann mit ihrem Acht-Megapixel-Sensor bei der Auflösung den Vorgänger nicht übertrumpfen. Dafür sollen ein neuer Bildstabilisator und ein dynamischer Beleuchtungsmodus auch bei schlechten Lichtverhältnissen für bessere Fotos sorgen. Videoaufnahmen sind weiter im Full-HD-Modus mit 1080p möglich. Als Neuerung gibt es eine Gesichtserkennung. Auch hier muss sich das iPhone 5 mit dem Lumia 920 von Nokia messen, das zwar auch nur 8,7 Megapixel schafft, aber durch die Pureview genannte Technik vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen ihre Stärken ausspielt.
Auch die Kamera auf der Vorderseite des neuen iPhones wurde aufgerüstet. Sie liefert jetzt eine Auflösung von 720p. Zudem werden Videoanrufe via Facetime im neuen iPhone auch über das 3G-Mobilfunknetz möglich. Bisher funktionierte Facetime nur über W-Lan. Diese Änderung dürfte vor allem die Mobilfunkprovider freuen, die jetzt für Videotelefonie neue Gebühren einfordern können.
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Mit dem neuen Anschlusskabel ändert Apple erstmals seit rund zehn Jahren den Anschluss des Gerätes. Zwar wird es einen Adapter geben, der passt aber nicht in allen Fällen, beispielsweise Ladeschalen oder Musikanlagen, in die das iPhone eingestellt wird. Die Möglichkeit, das iPhone drahtlos aufzuladen, wie sie Nokias neues Lumia 920 bietet, liefert das iPhone 5 nicht.
Das iPhone 5 ist alles in allem kein großer Wurf, sondern ein überfälliges Update, um mit der Konkurrenz technisch mit zu halten. Das größere Display wird anfangs wegen der Vielzahl der alten Apps nicht so viel Freude machen, ist aber auf lange Sicht eine bedeutende Verbesserung. Auch das Gerätedesign ist nicht grundlegend neu, aber hier hat der Vorgänger bereits große Maßstäbe gesetzt. Schneller, größer, leichter - für viele Verbraucher sind das ausreichende Kaufargumente. Und Apple wird mit dem neuen iPhone 5 sicher einen neuen Verkaufsrekord aufstellen. Freuen kann aber sich vor allem die Zubehörindustrie: Die Käufer brauchen neue Hüllen und in vielen Fällen auch neue Peripheriegeräte.