Während er redet, verzieht er fast keine Miene. Erst als der neue Sharp-Präsident von 5000 abzubauenden Arbeitsplätzen spricht, kommt ein wenig Bewegung in sein Gesicht. "Für einen leitenden Angestellten ist das wirklich herzzerreißend", klagt er. Normalerweise lässt sein rundes Gesicht hinter der schmalen Brille Takashi Okuda wirken, als habe er die Ruhe weg.
Es wäre ihm zu wünschen. Denn der erst am 1. April zum Präsidenten ernannte 58-Jährige verkauft den Aktionären derzeit einen Negativrekord nach dem anderen. Da wären etwa 50 Prozent weniger Umsatz mit Fernsehern im vergangenen Quartal, der erste Stellenabbau seit dem Jahr 1950, ein Rekordverlust und Sharps Aktienkurs, der derzeit auf einem seit fast 40 Jahren nicht mehr erreichten, Tiefstand notiert.
Dieser Wertverlust, der durch die in der vergangenen Woche vorgelegten desaströsen Sharp-Zahlen deutlich beschleunigt wurde, könnte weiteres Ungemach auslösen: Auf dem Spiel steht nicht weniger als der Einstieg eines potenten Großinvestors, der jede Menge frisches Kapital mitbringt - und die Aussicht darauf, den US-Computerkonzern Apple dauerhaft als Kunden zu gewinnen. Erst im März hatte Sharp verkündet, dass der aus Taiwan stammende Auftragsfertiger Hon Hai knapp zehn Prozent der Anteile übernehmen wolle, und zwar für 550 Yen pro Aktie. Zuletzt jedoch wurde die Sharp-Aktie allerdings nur noch zu rund 180 Yen gehandelt. Hon Hais Chef Terry Gou ist vor allem an Sharps Know-how für die Fertigung von hoch auflösenden und Strom sparenden LCD-Displays interessiert, die für Apples Produkte immer entscheidender werden.
Hon Hai, besser bekannt für die Tochterfirma Foxconn, teilte am Dienstag mit, dass die Bedingungen für den Einstieg geändert werden müssten. Im Klartext heißt das: Entweder die Japaner erhalten für das vereinbarte Aktienpaket weniger Geld, oder es bleibt bei dem Geschäft im Volumen von umgerechnet fast 700 Mio. Euro. Hon Hai würde für diesen Betrag dann allerdings ein deutlich größeres Sharp-Aktienpaket erhalten. Eine gemeinsame Mitteilung beider Konzerne dazu ist für die laufende Woche angekündigt worden. Indirekt würden die Taiwaner damit auch Anteilseigner des deutschen TV-Herstellers Loewe. Sharp ist mit rund einem Drittel an Loewe beteiligt und damit größter Einzelaktionär des Unternehmens aus Kronach.
Hon-Hai-Chef Gou sitzt am längeren Hebel: Sharps Präsident Okuda hatte wiederholt eingeräumt, dass sein Unternehmen Partner brauche: "Das vertikal integrierte Geschäftsmodell, in dem wir alles von Forschung über Entwicklung bis hin zu Produktion und Marketing selbst machen müssen, hat seine Grenzen." Die weltweite Nachfrage nach Fernsehern stagniert. Die Preise liegen aufgrund von Überkapazitäten und eines rabiaten Kampfs um Marktanteile am Boden. Weltmarktführer sind Samsung und LG , die Rivalen aus Südkorea. Eben Samsung liefert derzeit auch vorrangig Displays für Apple. Angesichts der verhärteten Beziehungen zu den Südkoreanern wegen eines laufenden Patentstreits sieht sich Apple allerdings nach Alternativen um.
Schwieriger könnte die Ausgangssituation für Okuda zum Start seiner Amtszeit kaum sein. Okuda soll den Fall des Unternehmens aufhalten, das im Jahr 1953 den ersten in Japan gebauten Fernseher auf den Markt brachte. Schon vor seinem Amtsantritt hielt sich der ehemalige Leiter des US-Geschäfts, ganz unjapanisch, mit Kritik nicht zurück: "Unser Marketing ist schwach." Obwohl Sharp hochwertige Produkte habe, könne das Unternehmen Produkte nicht schnell genug herausbringen, weil es den Markt nicht gut verstehe.
Sich selbst hat der Manager positives Denken und Kampfgeist verordnet: "Nicht vor den Veränderungen fliehen, sondern sich ihnen mit Nachdruck stellen." Wird der geplante Einstieg von Hon Hai tatsächlich umgesetzt, steht gleich eine wuchtige Veränderung an: Gou wird als Großaktionär aus Taiwan gehörigen Einfluss auf Sharps Strategie nehmen - was als durchaus ungewöhnlich für die Firmenkultur eines japanischen Konzerns einzuschätzen ist.