Die Macher hinter den News: Porträts von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.
Angeblich gibt es nicht mehr als zehn Fahrradstellplätze in ganz Moskau, einer Metropole mit zwölf Millionen Einwohnern. Einer davon steht vor einem roten Backsteinbau in einer ruhigen Wohngegend im Bezirk Chamowniki. Nur ein diskretes Schild deutet darauf hin, dass sich hier die Zentrale der Internetfirma Yandex befindet - seit am Dienstag ein Milliardenkonzern.
Das Durchschnittsalter der rund 1600 Yandex-Mitarbeiter liegt bei 28 Jahren. Sie waren noch nicht auf der Welt, als die beiden Gründer der beliebtesten Suchmaschine Russlands die Schulbank der mathematischen Schule in Almaty drückten, der Hauptstadt der einstigen Sowjetrepublik Kasachstan. Die Hälfte aller Goldmedaillen, die für besondere schulische Leistungen vergeben wurden, seien damals an ihre Schulbank gegangen, erinnerten sich Arkadi Wolosch und sein Kumpel Ilja Segalowitsch in einem Interview mit der russischen Ausgabe des Magazins "Forbes".
Am Dienstag heimsten die beiden Mathegenies ihren bislang höchsten Preis ein: Yandex legte den größten Börsengang der Branche seit dem US-Vorbild Google vor sieben Jahren hin. Das "Russen-Google" erlöste an der New Yorker Nasdaq 1,3 Mrd. Dollar. Dabei hat wohl auch der Sog der Euphorie um den Börsengang des Businessnetzwerks Linkedin in der vergangenen Woche mitgespielt: Das IPO spülte Yandex fast 20 Prozent mehr in die Taschen als zunächst geplant. Der Ausgabepreis betrug 25 Dollar je Aktie. Zum Börsenstart schoss das Papier um 68 Prozent in die Höhe, am Abend pendelte es noch um mehr als 42 Prozent über dem Ausgabewert.
Im vergangenen Jahr legte die 1997 gegründete Firma einen Ergebnissprung von 90 Prozent auf 135 Mio. Dollar bei einem Umsatzplus von über 40 Prozent auf 445 Mio. Dollar hin. Die Bewertung liegt beim 18-fachen Wert der Umsätze. Das ist in der Branche derzeit Trend: Linkedin erzielte sogar 34-mal so viel, wie es umsetzt. Der Börsengang dürfte Millionen in die Kassen des 47-Jährigen spülen, der mit einem Vermögen von rund 900 Mio. US-Dollar bereits jetzt als einer der reichsten Russen gilt. Die beiden Yandex-Gründer sollen 24 Prozent der Aktien halten.