Marius Mueller-Westernhagen
Auch Marius Müller-Westernhagen hat den Schritt in die Freiheit getan: Im vergangenen Herbst brachte er sein erstes Album ohne Vertrag mit einer großen Plattenfirma auf den Markt. "Bei der Produktion von ,Wiliamsburg‘ habe ich es genossen, nur mir selbst gegenüber verantwortlich zu sein", sagt der Altrocker. Und auch für ihn stimmt nach einem Jahr die unternehmerische Bilanz seiner Ich-AG, die mit ihrer ersten Veröffentlichung auf eine Platin-CD zusteuert: "Es war wesentlich entspannter und dazu pro verkauftem Album sogar profitabler."
Eine neue Welle der Selbstständigkeit hat die Musikbranche erfasst. Während die Unternehmen in den vergangenen Jahren von den Folgen der Digitalisierung gebeutelt wurden wie kaum eine andere Industrie und ihre Investitionen in junge Talente zusammengestrichen haben, nutzen immer mehr Künstler die neuen Technologien, um auf eigene Faust ihr Glück zu suchen. Noch nie war es so einfach, mit einem Song auf den Markt zu kommen. Aber es war auch noch nie so schwer, sich von der Masse abzuheben und ein Star zu werden.
Einst waren es die Labels, die den Eintritt ins Musikgeschäft kontrollierten, die über die Budgets verfügten, um Zehntausende Euro teure Produktionen zu stemmen, und den Zugang zum Handel hatten. Heute reichen ein Laptop mit Musikprogramm, ein Vorverstärker und ein paar gute Mikrofone. "Damit kann man heute fast alles machen, was früher nur in den großen Studios möglich war", sagt Drakogiannakis. Über soziale Netzwerke wie Myspace oder Facebook können die Fans direkt erreicht werden. "Vom Songwriting bis zum Marketing geht alles aus einer Hand", so der Kölner Bandleader. "Dafür waren in den 90ern noch große Teams nötig."
Was früher ganze Vertriebsabteilungen in den großen Plattenfirmen beschäftigte, bieten jetzt Internetplattformen wie das Hamburger Startup Audiomagnet für ein paar Cent Umsatzbeteiligung pro Song an. Gründerin Amke Block führt das Geschäft von ihrem kleinen Büro in Hamburg-St. Pauli aus. In dem Glas- und Betonriegel auf dem alten Schlachthofgelände hat die Stadt junge Musikunternehmen angesiedelt.