Die Google -Gründer Larry Page und Sergey Brin sichern sich mit einem Aktiensplit die Kontrolle über das Unternehmen. Der weltgrößte Internet-Suchmaschinenbetreiber überraschte die Anleger mit der Ankündigung am Donnerstag während der Vorlage seiner Geschäftszahlen für das erste Quartal. In den ersten drei Monaten des Jahres erzielte Google zwar einen höheren Gewinn als erwartet, bei den Werbeeinnahmen enttäuschte der Internetkonzern allerdings erneut.
Page, der seit einem Jahr wieder im Chefsessel sitzt, warb dafür, dass die Anleger auf seine und Brins langfristig ausgerichteten Ziele vertrauten. Er verwies auf den Kauf der Videoplattform YouTube und die Entwicklung der Android-Software für mobile Geräte, die sich erst nach Jahren ausgezahlt hätten. Am besten könnten solche großen Gelegenheiten weiterhin aufgetan werden, wenn die besondere Unternehmensstruktur beibehalten werde, die ihm und Brin 56,7 Prozent der Stimmrechte zusichern.
Der Aktiensplit im Verhältnis von 2:1 sieht die Ausgabe einer neuen "C-Klasse"-Aktie für jeden bereits existierenden Google-Anteilschein vor. Die neue Aktie soll zwar auch an der Börse gehandelt werden, allerdings hat sie kein Stimmrecht. Die "C"-Aktie ist eine Art Dividende, mit deren Verkauf sich Gewinne erzielen lassen. Aber an den Stimmrechtverhältnissen ändert sich nichts. Das Board stimmte dem Schritt zu. Google gab zum Börsengang 2004 zwei Klassen von Aktien aus. Neben den frei gehandelten A-Aktien gibt es auch B-Aktien, die das zehnfache Stimmgewicht haben. Damit haben sich die Google-Gründer und der ehemalige CEO Eric Schmidt eine deutliche Stimmenmehrheit gesichert.
Der Aktiensplit fällt in eine Zeit, in der die Entwicklung des Unternehmens kritisch verfolgt wird. Es gehe nicht so sehr um die Frage, welche Zahlen Google vorlege, sondern welche Strategie der Konzern verfolge, sagte der Analyst Ben Schachter von Macquarie Research. So werde Googles geplante 12,5-Mrd.-Dollar-Übernahme des Handy-Konzerns Motorola durchaus mit Skepsis verfolgt. Das Internetunternehmen werde damit zum Hardwarehersteller - ein Bereich, in dem Google bisher keine Erfahrung gesammelt habe.
CEO Page will den Suchmaschinenanbieter aber breiter aufstellen. Firmen wie das Online-Netzwerk Facebook oder der Nachrichtendienst Twitter ziehen zunehmend Nutzer ab. Zudem ist noch nicht klar, wie sich die rasante Verbreitung von internetfähigen Smartphones und anderen mobilen Geräten wie Tablet-PCs auf die Einnahmen durch Werbung bei Suchergebnissen auswirkt.
Der Konzern legte zugleich einen ordentlichen Gewinn vor: Netto kletterte dieser im ersten Quartal um 61 Prozent auf 2,89 Mrd. Dollar oder 8,75 Dollar pro Aktie. Ohne Sonderposten verdiente Google 10,08 Dollar pro Aktie. Erwartet worden waren 9,65 Dollar. Das gelang, obwohl das Unternehmen kräftig in neue Produkte und Mitarbeiter investiert hat. Ende März arbeiteten knapp 33.100 Menschen für Google und damit 600 mehr als zum Jahreswechsel.
Der Umsatz war um 24 Prozent auf 10,6 Mrd. Dollar gestiegen - es ist das zweite Mal nach dem Schlussquartal 2011, dass Google einen zweistelligen Milliardenumsatz erwirtschaftete. Der Großteil der Einnahmen stammte dabei wie gehabt aus der Werbung im Umfeld der Suchmaschine. Google ist hier Marktführer.
Googles Anzeigen wurden im ersten Quartal 39 Prozent häufiger angeklickt als im Vorjahreszeitraum, gleichzeitig sanken die Einnahmen pro Klick allerdings um zwölf Prozent. Im vergangenen Quartal hatte der gleiche Effekt die Anleger verärgert. "Unser Geschäft ist sehr gesund", versicherte nun Finanzchef Patrick Pichette. Die Aktie legte nachbörslich auf 653 Dollar zu nach 651 Dollar zum Handelsschluss in New York.