Mehr als einen Monat nach dem verpatzen Börsengang von Facebook haben die größten Banken der Wall Street dem Onlinenetzwerk ein vorsichtiges Lob ausgesprochen. Mehrere Analysten schrieben in Bewertungen über das Netzwerk, Facebook habe langfristig gute Entwicklungsmöglichkeiten und werde sich zudem ein ansehnliches Stück vom globalen Onlinewerbemarkt sichern. Gleichzeitig blieben die Risiken des Geschäftsmodells bestehen und auch die Unsicherheit darüber, wie Facebook auch auf mobilen Geräten deutlich steigende Einnahmen erzielen werde.
In der Branche waren die Analysen der Konsortialbanken mit Spannung erwartet worden. Die Institute, die Facebook mit an die Börse gebracht hatten, mussten eine 40-tägige Stillhaltefrist nach dem Debüt auf dem New Yorker Parkett abwarten. Deshalb gab es bislang kaum namhafte Analysen zu Facebook.
Beobachter hatten allerdings damit gerechnet, dass die Einschätzungen positiv ausfallen würden. Allzu schwache Beurteilungen würden bedeuten, dass die Banken eigene Fehler eingestehen und beispielsweise zugeben, den Ausgabepreis des Papiers zu hoch angesetzt zu haben. Bislang notiert die Facebook-Aktie deutlich unter dem Preis, zu dem es am 18. Mai an der Technologiebörse Nasdaq gestartet war.
Das Papier kostete bei seinem Debüt 38 Dollar und ist derzeit mit 33,10 Dollar weit davon entfernt. Zwischenzeitlich rutschten die Anteilsscheine bis auf 25,52 Dollar.
Barclays Capital, Stifel Nicolaus and Citi Investment Research & Analysis bewerteten die Aktie mit "Halten", während Morgan Stanley and RBC Capital Markets ihre Berichterstattung über das Papier mit ihren Topratings begannen.
Analyst Scott Devitt vom Konsortialführer Morgan Stanley nannte ein Kursziel für die Aktie von 38 Dollar - also dem Ausgabepreis - und bewertete das Papier mit "Übergewichten". Der Bank wird unter anderem vorgeworfen, nur einige Großanleger im Vorfeld des Börsengangs bevorzugt über gesenkte Umsatzprognosen für Facebook informiert zu haben, nicht aber die breite Masse der Anleger. Die Wertpapieraufsicht des US-Bundesstaats Massachusetts ermittelt in der Angelegenheit. Morgan Stanley weist die Vorwürfe zurück.
Analyst Devitt sagte, er sei überzeugt davon, dass das Netzwerk einen einzigartigen Kundenstamm habe. Damit könne Facebook an der Platzierung von Werbung auf mobilen Geräten gut verdienen.
Barclays gab sich ein wenig skeptischer und setzte ein Kursziel von 35 Dollar. Noch wird auf Geräten wie Handys oder Tablet-Computern deutlich weniger Werbung an Kunden ausgeliefert als auf herkömmlichen PC. Facebooks Geschäftsmodell basiert aber unter anderem darauf, dass Unternehmen dort zielgerichtet Anzeigen an bestimmte Kundengruppen schalten können. RBC sieht für Facebook ein Kurspotenzial bis auf 40 Dollar.