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Merken   Drucken   02.02.2012, 07:14 Schriftgröße: AAA

Begehrtes soziales Netzwerk: Das ist der Mega-Börsengang von Facebook

Das soziale Netzwerk setzt zum Sprung an die Börse an - es dürfte einer der größten IPOs aller Zeiten werden. Über den Wert von Facebook wird heftig spekuliert. Ein Überblick. von Andreas Albert 
Viel wurde spekuliert über den Börsengang des sozialen Netzwerks, der von den Anlegern für dieses Jahr herbeigesehnt wurde. Am Mittwoch soll Facebook die Unterlagen für das IPO vorlegen. Gründer Zuckerberg wollte die Kontrolle über sein Unternehmen lange nicht aus der Hand geben. Statt eines Börsengangs sammelte er in mehreren nicht öffentlichen Finanzierungsrunden Geld von großen Investoren ein. Schon heute ist Zuckerberg zumindest auf dem Papier Milliardär. Ihm gehört ein knappes Viertel an Facebook.
Über die Höhe des Erlöses wurde zuletzt wieder heftig spekuliert. Ursprünglich gingen Beobachter davon aus, dass Facebook bei dem Gang an die Börse 10 Mrd. Dollar erlösen wollte. Laut "New York Times" und anderen Medienberichten sollen aktuell allerdings nur noch 5 Mrd. Dollar eingenommen werden. Der Firmenwert wird auf 75 bis 100 Mrd. Dollar geschätzt. Damit würde das Netzwerk beim Firmenwert in einer Liga mit dem Autokonzern VW  oder Siemens  spielen.
Seit längerem wird bereits über einen IPO spekuliert. Früheren Medienberichten zufolge hat Facebook intern bereits einen Prospekt zusammengestellt. Firmengründer Mark Zuckerberg habe sich jedoch noch nicht für Details entschieden, hieß es. Die Veröffentlichung des Börsenprospekts am Mittwoch wäre der erste Schritt zum Gang aufs Parkett. Der Börsengang selbst dürfte im Sommer anstehen.
Als Konsortialführer nannte das "Wall Street Journal" am Wochenende Morgan Stanley. Auch Goldman Sachs könnte bei dem Börsengang eine größere Rolle spielen, hieß es weiter. Unklar war bis zuletzt auch, an welchem Börsenplatz Facebook eine Notierung anstrebt. Es kämen sowohl die New York Stock Exchange (NYSE) als auch die Technologiebörse Nasdaq in Frage. Als Tickersymbol kommt FB in Frage, Gerüchten zufolge hat der Konzern das Kürzel bei beiden Börsenbetreibern reserviert.
Die Aktien waren vergangene Woche am Sekundärmarkt für drei Tage vom Handel ausgesetzt worden, was die Spekulationen um einen unmittelbar bevorstehenden Börsengang befeuerten. Mitarbeiter und erste Anteilseigner konnten ihre Aktien bisher privat über Marktplätze wie Sharespost und Secondmarket verkaufen. Käufer sind im Allgemeinen institutionelle Investoren. Auf der Sharespost-Website wird Facebook mit 73,4 Mrd. Dollar bewertet. Diese Schätzung berücksichtigt unter anderem Transaktionspreise und Bewertungen bei Finanzierungsrunden.
Der Suchmaschinenkonzern Google  kam bei seinem Börsengang 2004 auf Einnahmen von 1,7 Mrd. Dollar. Zusammen mit den Aktien, die bei den Alteigentümern verblieben, lag die Gesamtbewertung damals bei 23 Mrd. Dollar. Heute ist Google rund 189 Mrd. Dollar wert, der Softwarekonzern Microsoft  kommt auf 249 Mrd. Dollar. Wertvollster Konzern der Welt ist derzeit Apple  mit 426 Mrd. Dollar.
Facebook hat sich zum weltweit größten sozialen Netzwerk entwickelt. Mehr als 800 Millionen Menschen nutzen inzwischen das Angebot. Konkurrenten wie Linkedin  mit 130 Millionen Mitgliedern sind weit abgeschlagen. Im Mai dieses Jahres feierte das Netzwerk, das sich auf Geschäftskontakte spezialisiert hat, sein Börsendebüt. Der Kurs schoss im Laufe des ersten Handelstags mehr als 100 Prozent nach oben, obwohl der Titel zuvor als deutlich zu hoch bewertet galt. Noch immer notiert Linkedin mit rund 75 Dollar deutlich über dem Ausgabekurs von 45 Dollar.
Das deutsche Pendant Xing  zählt rund elf Millionen Mitglieder. Davon sind 770.000 Premiumkunden, die eine monatliche Gebühr von mindestens 5 Euro zahlen. Die Aktie des deutschen Karrierenetzwerks liegt derzeit bei 45 Euro. Im Gegensatz zu Linkedin ist Xing seit Jahren profitabel.
Das einst zu Murdochs News Corp gehörende Myspace ist vom Marktführer mit einem Anteil von 80 Prozent fast in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt. Im Juni vergangenen Jahres verkaufte News Corp das Unternehmen an Specific Media. Laut Medienberichten zahlte die Firma um den Musiker Justin Timberlake 35 Mio. Dollar für Myspace. Murdoch strebte einen Preis von 100 Mio. Dollar an. Damals hatte Myspace grade noch 35 Millionen Nutzer. 2005 hatte News Corp noch 580 Mio. Dollar für das soziale Netzwerk ausgegeben.
Als ernst zu nehmender Konkurrent für Facebook gilt Googles Netzwerk Google+. Inzwischen zählt Google 90 Millionen Mitglieder des im Sommer gestarteten Netzwerks. Allerdings wird jeder Nutzer, der sich bei einem von Googles Diensten anmeldet automatisch Mitglied bei Google+.
Bei Facebook sprudelten die Werbeeinnahmen im vergangenen Jahr kräftig. Nach Angaben des Marktforschers Comscore steigerte das Netzwerk seinen Anteil an den grafischen Anzeigen im US-Markt von 21 auf 28 Prozent. Das bedeutet: Mehr als jedes vierte Werbebanner auf amerikanischen Websites wurde bei Facebook geschaltet.
Als nächstgrößerer Anbieter stagnierte Yahoo  bei rund elf Prozent, während Microsoft  und Google  nicht über fünf Prozent hinauskamen.
Je öfter und je länger die Nutzer bei dem weltgrößten sozialen Netzwerk verharren, desto mehr Geld bringt das Facebook ein. Ein detaillierter Einblick in die Geschäftszahlen bietet aber erst der Börsenprospekt.
Das Wachstum des Unternehmens ist enorm. Mit einem Marktanteil von rund 60 Prozent weltweit spürt Facebook allerdings langsam eine Sättigung. Inzwischen ist die Steigerungsrate abgeflacht. Es wird immer schwieriger, neue Nutzer zu gewinnen. Im riesigen chinesischen Markt spielt Facebook allerdings bisher keine Rolle. Ein Besuch Mark Zuckerbergs in dem Land mit mehr als 513 Millionen Internetnutzern nährte vor zwei Jahren Spekulationen um einen Einstieg in den riesigen Markt.
Immer wieder musste Facebook auch gegen Bedenken von Datenschützern kämpfen. Der schleswig-holsteinische Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert rät beispielsweise von der Nutzung des sozialen Netzwerkes ab. Auch die neue Ansicht Timeline ist umstritten. Nutzer können damit auf einer Zeitleiste aktuelle und frühere Ereignisse aus ihrem Leben in einem magazinartigen Design präsentieren. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner kritisiert die Funktion und will sich auf europäischer Ebene für mehr Datenschutz einsetzen.
(mit Agenturen)
  • FTD.de, 02.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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