Das Online-Bewertungsportal Qype bekommt Konkurrenz aus den USA: Der Dienstleister Yelp expandiert nach Deutschland. Das noch junge Unternehmen gehört mit 33 Millionen Nutzern in den USA zu den aufstrebenden Startups, die ihr Geld über Anzeigen lokaler Dienstleister wie Restaurants verdienen wollen. Der deutsche Gegenspieler Qype hat derzeit rund 17 Millionen Nutzer.
Im Unterschied zu Branchenbüchern wie den Gelben Seiten werden bei Yelp und Qype die Dienstleister von ihren Kunden bewertet. Qype ist seit 2005 in Deutschland aktiv und wurde von Stephan Uhrenbacher ein Jahr nach dem US-Vorbild gegründet. Weder Qype noch Yelp sind eigenen Angaben zufolge derzeit profitabel und finanzieren sich durch Risikokapital.
Nach dem sozialen Netzwerk StudiVZ und dem Online-Business-Netzwerk Xing ist Qype das dritte Startup in Deutschland, das sich nun mit der US-Konkurrenz messen muss. Während Facebook mittlerweile eine ähnlich hohe Nutzerzahl aufweisen kann wie StudiVZ, hält Xing noch einen sicheren Vorsprung vor Linkedin. Yelp gilt in den USA als Börsenkandidat und beschäftigt bereits 450 Mitarbeiter. Erst jüngst hatte das Startup frisches Kapital bekommen.
"Wir nehmen den Markteintritt von Yelp sehr ernst", sagte Qype-Chef Ian Brotherston. Der Brite geht allerdings davon aus, dass Yelp in Europa noch einen langen Weg vor sich hat. Das US-Wettbewerber will seinen Service zunächst nur in Berlin und München anbieten. "Es gehört zu unserer Strategie, dass wir uns Stadt für Stadt vorwagen", sagte Geoff Donaker, der bei Yelp das operative Geschäfte führt. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten sollen weitere Städte dazukommen.
Genug Geld ist da. Erst im Januar bekam Yelp von Facebook-Investor Elevation Partners 25 Mio. Dollar für die Expansion nach Europa. Für rund 75 Mio. Dollar kaufte Elevation Partners Mitarbeitern von Yelp Unternehmensanteile ab. Solche Transaktionen haben derzeit in den USA Konjunktur und sollen Börsengänge hinauszögern.
Der Einstieg von Elevation beendete zugleich Spekulationen, dass Google Yelp übernimmt. Laut US-Medien soll Google für Yelp mehr als 500 Mio.Dollar geboten haben. Der US-Konzern versucht bereits seit Längerem, im Geschäft mit lokaler Suche Fuß zu fassen.
"Nehmen wir mal an, das Gerücht stimmt", kokettierte Donaker. Google sei nicht das schlechteste Unternehmen. "Aber unsere Investoren glauben, dass wir es allein schaffen können." Die Gründer Jeremy Stoppelman und Russ Simmons hätten nie das Ziel gehabt, mit viel Geld in der Hand schnell auszusteigen. "Wir glauben daran, dass wir irgendwann die Möglichkeit für einen Börsengang haben - vielleicht in den nächsten ein, zwei Jahren", sagte Donaker.