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Merken   Drucken   27.10.2010, 06:00 Schriftgröße: AAA

Unterhaltungsplattform statt Soziales Netzwerk: Myspace kapituliert vor Facebook

Exklusiv Myspace wird nicht länger ein soziales Netzwerk sein: Rupert Murdoch hat den Kampf gegen Facebook aufgegeben und modelt die Plattform um. Künftig steht dort Unterhaltung im Vordergrund. von Andrea Rungg, Hamburg
Rupert Murdoch  hat es aufgegeben, Anschluss an die erfolgreichen Rivalen Facebook und Twitter finden zu wollen. Das soziale Netzwerk Myspace bekommt optisch einen neuen Anstrich, und der Geschäftszweck eines der bisher größten sozialen Netzwerke wird kurzerhand umdefiniert.
Besucherzahlen von Myspace   Besucherzahlen von Myspace
"Wir sehen uns nicht länger als soziales Netzwerk, sondern als Unterhaltungsplattform", sagte Myspace-Chef Mike Jones im Gespräch mit der FTD. Nutzer würden über die Website künftig noch mehr Musik, TV-Shows und Filme sehen können. Eine Kooperation mit der Onlinevideoplattform Hulu hat der Konzern bereits abgeschlossen, sodass Myspace bekannte US-Serien anbieten kann. Es gehe nun mehr um Medienkonsum und weniger darum, sich mit Freunden auszutauschen.
Während Facebook und Twitter von einem Nutzerrekord zum nächsten eilen, findet Myspace bisher kein Rezept, mehr Anwender für sich zu begeistern. Die Rivalen gelten bei Investoren bereits als Börsenaspiranten des Jahrzehnts - allein das Netzwerk Myspace, das mit Medienmogul Murdoch einen starken Kapitalgeber und Medienverbund im Rücken hat, zählt zu den großen Verlierern des neuen Booms. Immerhin gab Murdoch im Juli 2007 580 Mio. Dollar für Myspace aus. Damals hatte das Netzwerk 180 Millionen Mitglieder, jetzt sind es nur noch 130 Millionen.
Soziale Netzwerke im Vergleich   Soziale Netzwerke im Vergleich
Doch mit Jones an der Spitze will Murdoch nun die Wende schaffen. Zwei Unternehmenschefs verschliss er innerhalb kürzester Zeit. Im Februar dieses Jahres musste nach nur zehn Monaten im Amt Owen Van Natta gehen. Zuvor verließ Gründer Chris DeWolfe das Unternehmen. Auf Van Natta folgte die Doppelspitze Jones und Jason Hirschhorn. Letzterer schied nach wenigen Monate aus privaten Gründen aus. Nun muss Jones das Unternehmen alleine auf Kurs bringen.
"Wir haben im vergangenen Jahr gesehen, dass unsere User eher zu Myspace kommen, um Entertainmentinhalte zu konsumieren, weniger um mit Freunden zu kommunizieren", so Jones. Facebook und Twitter seien keine Wettbewerber mehr. "Wir ergänzen uns eher", sagte Jones. Bei Facebook gehe es um Kontakte mit realen Personen, bei Twitter um die Verbreitung von Neuigkeiten und bei Myspace darum, sich kreativ auszudrücken - etwa über ein Video. Myspace ist unter anderem eine Plattform für Musikbands.
Neben Musik setzt Jones auf Fernsehserien und Filme. In den USA kann das Unternehmen dank Murdochs Medienkonzern News Corp. über Hulu auf beliebte US-Serien zurückgreifen. Hulu ist ein Joint Venture der Medienkonzerne News Corp. , NBC Universal und Walt Disney  und des Finanzinvestors Providence Equity Partners.
Die Strategie, künftig als Medienplattform zu fungieren, dürfte angesichts der starken Konkurrenz durch Hulu selbst oder Googles Videoplattform Youtube nicht einfach werden. Zumal etwa die Inhalte von Hulu fast nur für US-Nutzer abrufbar sind. In Deutschland, immerhin Myspace' zweitgrößter Markt nach den USA, müsste das Unternehmen andere Partner finden.
Noch dringlicher ist für Jones eine neue Suchpartnerschaft. Vor etwas mehr als drei Jahren konnte Myspace angesichts der Marktführerschaft noch 900 Mio. Dollar vom Suchmaschinenbetreiber Google verlangen, damit Myspace-Nutzer auf der Website über Google suchen. Der Durchmarsch von Facebook hat allerdings die Ausgangsposition für Myspace verschlechtert. Ein neuer Vertrag sei noch nicht abgeschlossen, sagte Jones. "Er wird aber deutlich die neue Website widerspiegeln", sagte er nebulös.
Sorgen müsse man sich um Myspace nicht machen. "Ich denke, dass News Corp. happy ist", sagte Jones. Myspace sei profitabel. "News Corp. steht zum Unternehmen, und ich bin auch sehr zuversichtlich."
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News Corp. 19,38 USD   +0,47%  0.09
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  • Aus der FTD vom 27.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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