Am Anfang stand eine vergeigte Matheklausur. 1954 kam Takeshi Kumon aus Osaka damit nach Hause. Statt Ärger gab es Hilfe. Der Vater, ein Lehrer, entwickelte Arbeitsblätter, mit denen der Sohn seine Rechenfähigkeiten schrittweise verbesserte. Daraus wurde eine Methode. Und aus der Methode wurde ein Unternehmen: Kumon, heute weltweit größter Franchisegeber im Bildungsbereich. Derzeit lernen rund 4,2 Millionen Kinder in 46 Ländern nach der Methode.
In Deutschland ist Kumon seit 1980 vertreten, zunächst jedoch nur für japanische Kinder. Erst 2001 öffnete sich das Unternehmen auch für deutsche Schüler. In den mehr als 30 Jahren wurden bundesweit 180 Lerncenter gegründet, in denen aktuell 9400 Kinder unterrichtet werden - eine vergleichsweise geringe Anzahl angesichts des globalen Wachstums und der langen Präsenz.
Dabei boomt der deutsche Markt für Nachhilfe und Lernförderung. Jährlich werden in diesem Segment rund 2 Mrd. Euro umgesetzt. Kumon hat daran bislang nur einen geringen Anteil. 2011 lag der Umsatz bei 2,63 Mio. Euro. Er ist in den vergangenen Jahren kaum gestiegen. "Wir haben uns lange nicht so sehr mit den speziellen Bedürfnissen des deutschen Marktes auseinandergesetzt", sagt Terence Kelly im Gespräch mit der FTD. Seit einem Jahr ist der 38-jährige Brite für das Deutschland-Geschäft von Kumon verantwortlich; zuvor hat er elf Jahre für Kumon in Großbritannien gearbeitet. Kelly will nun kräftig expandieren. "Es gibt eine große Nachfrage nach professioneller Nachhilfe - das bedeutet massives Potenzial für Kumon", so Kelly, "ich halte es nicht für unrealistisch, dass wir in zehn Jahren 100.000 Schüler haben werden." In den nächsten drei Jahren sollen zunächst jährlich 20 neue Lerncenter eröffnen, vorwiegend in Bayern, Berlin und Hamburg. "Wir konzentrieren uns auf große Städte", sagt Kelly.
Um die Expansion voranzutreiben, will der neue Chef die Kumon-Lernmethode besser kommunizieren und die Qualität der Lerncenter verbessern. Wer hierzulande von Lernen made in Japan hört, denkt unwillkürlich an asiatischen Drill, an Kinder, die ohne aufzumucken bis spät abends über Schulaufgaben sitzen. Kumon ist zwar anders, setzt aber auch auf das Prinzip Konditionierung. Die Kinder bekommen täglich Aufgaben und müssen sie innerhalb kurzer Zeit lösen. Es geht darum, dass die Kinder irgendwann die Aufgaben ohne Nachdenken quasi automatisch lösen können. "Wir haben ein erklärungsbedürftiges Produkt", sagt Kelly, "es ist nicht klassische Nachhilfe, es ist mehr ein Präventionsprogramm, damit Kinder erst gar keine Probleme mit Mathe bekommen." Denn Mathe ist eine wichtige Grundlage für alle technischen Berufe, in denen viele Fachkräfte gesucht werden. Kelly ist überzeugt: "Kumon kann Kindern die Fähigkeiten vermitteln, die die deutsche Wirtschaft braucht."
Kumon ist ein Franchisesystem, die Einstiegshürden sind extrem niedrig. Wer gern mit Kindern arbeitet, 500 Euro Gebühr zahlt und eine viertägige Schulung absolviert, kann ein Lerncenter eröffnen. Bislang verlangte Kumon von seinen Franchisenehmern nicht einmal besondere Kenntnisse in Mathematik oder didaktische Fähigkeiten. Kein Wunder, dass 80 Prozent der Einrichtungen von Frauen betrieben werden, viele von ihnen Hausfrauen, die sich nebenbei etwas verdienen wollen und unrentable Center mit nur drei oder vier Schülern betreiben. "Sie sind nicht unbedingt an Profit interessiert", sagt Kelly, "wir wollen sie stärker ermutigen zu wachsen." Auch im eigenen Interesse: Kumon kassiert 40 Prozent vom Umsatz der Franchisenehmer. Dafür gibt es finanzielle Unterstützung beim Ausbau von Unterrichtsräumen. Auch die Anforderungen an die Lehrkräfte hat Kelly angehoben: Jetzt müssen sie einen Hochschulabschluss vorweisen.
Selbstständig Kumon ist eine Lernmethode für Mathematik und Englisch, die nicht - wie Nachhilfe - erst ansetzt, wenn es Probleme in einem Fach gibt, sondern vorher. Die Schüler kommen zweimal in der Woche in ein Lerncenter und bearbeiten rund eine Stunde lang Arbeitsblätter. Sie erhalten dort auch Lernmaterial für zu Hause. Tägliches, selbstständiges Üben von zehn bis 30 Minuten ist Teil des Konzepts. Das kostet im Monat 75 bis 85 Euro.