Im Kampf um Zuschüsse für Elektromobilität steht das rein batteriebetriebene Auto im Mittelpunkt. Dabei gibt es einen weiteren umweltfreundlichen Antrieb, der das Zeug hat, die Autobranche zu revolutionieren - vielleicht viel mehr, als es das Elektroauto kann. In die Entwicklung der Brennstoffzelle investieren die Hersteller ebenfalls Milliarden. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung führt die Technik ein Schattendasein. Zu Unrecht, meinen Experten. "Sie bietet entscheidende Vorteile", sagt der Münchner Autoexperte Helmut Becker.
In der Brennstoffzelle entsteht bei der Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff Energie. Sie wird in Strom verwandelt und in einer Batterie gespeichert, die aber viel kleiner ist als bei reinen Elektroautos. Während diese an der Steckdose aufgeladen werden müssen, tankt ein Brennstoffzellenfahrzeug einfach nur Wasserstoff. Aus dem Auspuff kommt wässriger Dampf. Außerdem kann das Auto so weit fahren wie ein herkömmlicher Wagen mit Verbrennungsmotor.
Die meisten Hersteller interessierten sich jahrelang nicht für die Brennstoffzelle. Nach und nach verabschiedeten sie sich von der Technik und arbeiteten an batteriebetriebenen Autos.
Eine Ausnahme ist Daimler. Das Unternehmen treibt die Entwicklung der Brennstoffzelle seit Jahren voran. Und hat Milliarden dafür investiert. Dem Einfluss des Stuttgarter Unternehmens ist zu verdanken, dass die Brennstoffzelle nicht auch bei der Förderung in Deutschland in Vergessenheit gerät.
Die vor zwei Jahren gegründete Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) gehört dem Bund und koordiniert die Grundlagenforschung für diese Antriebstechnik. Unternehmen, die sich darauf konzentrieren, bekommen auf diesem Weg einen Teil der Subventionen ab. "Wir fühlen uns nicht benachteiligt", heißt es bei Daimler. Im Jahr 2015 will der Konzern sein erstes Fahrzeug mit Brennstoffzelle einführen.
Mittlerweile haben andere Konzerne die Technologie wiederentdeckt. Toyota hat für die kommenden fünf Jahre ein serienreifes Brennstoffzellenauto angekündigt. Opel plant ebenfalls ein Modell.
Die Brennstoffzelle ist nicht unumstritten. Auch diese Autos brauchen ein komplett neues Tankstellennetz. Außerdem ist die Herstellung von Wasserstoff teuer. Und sie verbraucht Energie. Noch streiten Experten, wie hoch der Ausstoß von Kohlendioxid ist. Fest steht nur: Zum heutigen Zeitpunkt ist auch die Brennstoffzelle nicht völlig klimaschonend. Die Erforschung läuft, ein Ausweg ist denkbar: Bei vielen industriellen Prozessen entsteht massenweise Wasserstoff, der bislang durch den Schornstein gejagt wird. Wäre es möglich, ihn aufzufangen und zu speichern, könnte das der Brennstoffzelle neuen Schwung verleihen.