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Merken   Drucken   18.11.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Die nicht an den Aufschwung glauben

Dossier An den Märkten herrscht wieder Zuversicht, die Krise ist aus vielen Köpfen fast verschwunden. Aber es gibt eine Gruppe von Skeptikern, die dem Frieden nicht traut. Die glaubt, dass es schlimmer wird. Ein Streifzug durch die Welt der Ungläubigen. von Horst von Buttlar  Hamburg und Christian Kirchner  München
Natürlich hat er auch ein Paar E-Mails bekommen, nicht böse, manchmal scherzend, aber doch entschieden in der Sache. "Lieber Herr Mack", schrieb ein Anleger, "es ist ja schön und gut, dass Sie den Mut haben, an der Seitenlinie zu stehen. Nun wäre es aber besser, wenn Sie wieder aufs Spielfeld gehen." Und Martin Mack schrieb zurück und erklärte ihm, dass es ein Luxus sei, nicht überall mitzumachen und hinterherzulaufen. Erst zu investieren, wenn man es für richtig hält. Nicht immer auf dieses Geschrei da draußen zu hören.
Es ist ein Tag im November, draußen der ewige Hamburger Sprühregen und ein Dax , der gerade wieder auf die 6000 zurobbt. Drinnen ein hoher Raum mit Stuck und weißen Flügeltüren, ein langer brauner Tisch und viel Skepsis. An diesem Tisch sitzt Martin Mack, ohne seinen Partner Herwig Weise, der gerade durchs Ausland tourt.
Kursinformationen und Charts
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Mack und Weise gehören zu einer kleinen, aber selbstbewussten und vor allem bunten Gruppe auf den Finanzmärkten: der Gemeinde der Ungläubigen. Investoren, Vermögensverwalter und Ökonomen, die nicht darauf vertrauen, dass die Krise vorbei ist. Die nicht fassen können, was sich derzeit auf den Märkten abspielt, diese Rally, dieser Übermut, dieses Als-wäre-nichts-gewesen. Die Gier löscht das Gedächtnis. Die Ungläubigen wollen nicht vergessen, was 2008 passiert ist. Und längst nicht vorbei ist.
Vor knapp einem Jahr haben Mack und Weise Schlagzeilen gemacht, weil ihr Fonds M&W Capital im Untergangsjahr knapp vier Prozent im Plus lag, während fast alle hilf- und gnadenlos abschmierten. Auch in den Jahren davor waren sie erfolgreich, der Fonds wuchs seit Auflegung 2001 durch zwei Krisen um knapp 46 Prozent. Nun, in diesem komischen Börsenjahr 2009, während Dax und Dow Jones  nach vorn stürmen, hat der M&W Capital nur ein mageres Prozent zugelegt, und deshalb kann man ein Gespräch mit Martin Mack heute so beginnen:
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"Sie sprechen vom 'Mut, an der Seitenlinie zu stehen'. Wir hätten da eine andere Metapher: Sie haben einen Zug verpasst." "Das lasse ich durchaus gelten", sagt Mack dann ruhig. "Ich habe noch ein anderes Bild: In einem Kettenkarussell ohne TÜV können Sie ein paar Runden verdammt viel Spaß haben. Wenn die Ketten reißen, wären Sie froh, nie mitgefahren zu sein. Wir denken langfristig, deshalb ärgern wir uns nicht und müssen nichts aufholen."
Man kann das Gespräch aber auch so beginnen: "Herr Mack, was passiert da auf den Märkten? Ist das Leichtsinn oder Irrsinn?" Und dann sagt er, nicht mehr so ruhig, dass es ein Spiel ist, ein zynisches, riskantes Spiel. Er redet über verzerrte Wahrnehmungen und "kreative Statistiken", die alle Probleme zukleistern, über Banken, die mit einer "staatlich garantierten Spiellizenz" agieren. "Die Strategie der Täuschung wird auf Dauer nicht gut gehen. Irgendwann fallen die Masken."

Teil 2: Legenden und Freaks, Seriöse und Schrullige

  • Aus der FTD vom 18.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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