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Merken   Drucken   10.02.2011, 14:38 Schriftgröße: AAA

Grassierende Schuldenkrise: Panik vor Portugal-Pleite kehrt zurück

Die Risikoprämien auf Staatsanleihen des westeuropäischen Landes schießen in die Höhe. Erneut sieht sich die Europäische Zentralbank zum Eingreifen gezwungen. Dabei wollte Lissabon diese Woche alles richtig machen. von Barbara Schäder  Frankfurt
Die Risikoprämien auf portugiesische Staatsanleihen sind am Donnerstag auf ein Rekordhoch gestiegen. Für Investitionen in zehnjährige Papiere forderten Anleger zeitweise eine Rendite von 7,64 Prozent, ein Plus von 0,28 Prozentpunkten gegenüber dem Vortag. Steigende Renditen gehen bei Anleihen mit fallenden Kursen einher, signalisieren also, dass sich Investoren von den Papieren trennen. Gegen Mittag entspannte sich die Lage, die Rendite ging auf 7,32 Prozent zurück. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters kaufte die EZB portugiesische Staatsanleihen auf, um die Kurse zu stützen.
Infografik Refinanzierungsbedarf Europa   Infografik Refinanzierungsbedarf Europa
Die EZB hatte in der vergangenen Woche das zweite Mal in Folge auf Anleihekäufe verzichtet. Nachdem die Renditen auf Schuldtitel hoch verschuldeter Euro-Staaten zu Jahresbeginn zurückgegangen waren und mehrere Länder erfolgreich neue Anleihen auf den Märkten platzierten, gab es bereits Spekulationen über eine vollständige Einstellung der umstrittenen Stützungskäufe.
In den vergangenen Tagen wurde aber deutlich, dass die EZB das ungeliebte Programm auch nach Investitionen in Höhe von 76,5 Mrd. Euro seit Anfang Mai noch nicht aufgeben kann. Vor allem die Renditen auf fünfjährige portugiesische Staatsanleihen zogen scharf an, von 6,2 Prozent am Montag legten sie bis Donnerstag auf 6,6 Prozent zu.
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Syndizierte Anleihe erwies sich als Eigentor
Ursache war nach Einschätzung von Analysten ausgerechnet eine von der portugiesischen Regierung eigentlich als Befreiungsschlag gedachte syndizierte Anleihe. Lissabon hatte am Montag über Banken fünfjährige Anleihen im Wert von 3,5 Mrd. Euro auf den Markt gebracht. Bei einer solchen syndizierten Anleihe wird der Zinssatz anders als bei einer Auktion vorab festgelegt, um das Risiko hochschießender Refinanzierungskosten zu umgehen. Dafür wird den Anlegern in der Regel von vornherein eine etwas höhere Rendite geboten, als sie auf dem Sekundärmarkt für Investitionen in Papiere gleicher Laufzeit erhielten.
So war es auch im Falle der portugiesischen Anleihe. Die portugiesische Schuldenagentur bot dafür Zinsen von fast 6,5 Prozent, obwohl die Fünfjahrespapiere auf dem Sekundärmarkt vorher nur bei 6,2 Prozent rentierten. "Man hat über die Zinskurve einen neuen Punkt gesetzt, der jetzt als Referenz betrachtet wird", sagte der Commerzbank-Analyst David Schnautz FTD.de.
Zwar habe die Emission den Refinanzierungsdruck Portugals gemindert: Mit der Anleihe vom Montag summieren sich die von Lissabon seit Jahresbeginn ausgegebenen Schuldtitel auf 5,75 Mrd. Euro, 20 Mrd. Euro muss das Land 2011 insgesamt aufbringen. Auf dem Sekundärmarkt erwiesen sich die Papiere seither aber als schwer verkäuflich: Laut Berechnungen von Reuters fiel der Kurs von 99,8 auf 97,2 Punkte.

Teil 2: Angst vor Griechenland-Déjà-vu

  • FTD.de, 10.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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